Frisch – fruchtig – ein burgenländischer Jahrgang. Die Erntemenge fiel 2020 etwas unter dem Durchschnitt aus. Die Qualität der Weine ist jedoch sehr hoch und schließt an die drei großartigen Vorgängerjahrgänge an.

Erstellt am 10. Februar 2021 (14:48)
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Bei der Weinernte 2020 wurden rund 67 Millionen Liter in die Keller gebracht.
zVg

Aus Sicht von Winzer Gernot Heinrich schließt sich der Jahrgang 2020 qualitativ nahtlos an die drei großartigen Vorgängerjahrgänge an. Ein gemäßigter Witterungsverlauf übers Jahr hatte einen sehr positiven Einfluss auf eine sehr balancierte Reifeentwicklung.

Durch die sehr geringen Regen- und Schneefälle im Winter wurde das Jahr mit einer trockenen Phase eingeleitet. Durch ausreichend Regen ab Mai war jedoch eine gute Wasser-Versorgung sichergestellt. Der Sommer war dann sehr warm und durch regelmäßige Niederschläge konnten die Trauben in Ruhe zur Reife gelangen. Trotz der gemäßigten Wetterbedingungen blieb auch 2020 nicht zur Gänze von Wetterkapriolen verschont. Ende August ging ein Hagelschauer über das Mittelburgenland und den Eisenberg nieder und hinterließ unterschiedlich starke Schäden. „Finanzieller Schaden durch die Unwetter werden von der Hagelversicherung zwar gedeckt, aber wir wollen einen Wein ‚fexna‘, wie man in der Mundart sagt, damit wir ‚was Gutes zum Trinken‘ haben“, so Winzer Thomas Wachter.

Sehr zur Freude der Winzer konnten bei der Haupternte perfekt physiologisch reife Trauben gelesen werden. Nun galt es lediglich auf Botrytis, jener Edelpilz, der Süßweine zu etwas Besonderem macht, zu warten. Der Pilz bringt die Trauben zum Schrumpfen – der starke Regen im Oktober und November erschwerte dies und die Trauben mussten in geringeren Mengen in mehreren Selektionen pro Weingarten geerntet werden. Süßweinspezialisten wie Gerhard Kracher freuen sich jedoch auf eine herausragende Qualität, bedingt durch enorme Frucht und frische Säure.

Summa summarum fiel die Erntemenge 2020 etwas unter dem Jahresdurchschnitt aus, jedoch mit völlig gesunden und physiologisch reifen Trauben in sehr guter Qualität. Laut der 3. Vorschätzung der Statistik Austria (Stand Oktober 2020) wurden im Burgenland gesamt 67 Millionen Liter in die Keller gebracht. Durch die warmen Temperaturen am Tag, die kühlen Nächte und dem ausreichenden Niederschlag haben sowohl Rot-, Weiß- als auch Süßweine ein gemeinsames Merkmal: ein ausgewogenes Frucht-Säure-Spiel. Die aromatischen Weißweine verführen durch viel Frucht und Extraktsüße sowie pikante Säure. Diese Eigenschaften verleihen ihnen sofortiges Trinkvergnügen als auch Lagerfähigkeit.

Die reifen, weichen Tannine wirken bei den Rotweinen eher süßlich als adstringierend, meint Christoph Münzenrieder. Die Weine bestechen durch Farbtiefe, präzise Frucht und perfekte Eleganz. Die moderaten Alkoholwerte passen gut zum Trend der vergangenen Jahre und erhöhen das Trinkvergnügen.