Weinprämierung tritt aus Schatten des Virus. Nicht nur die Winzer, auch die Weinprämierung litt unter Corona: Die Gala musste abgesagt werden. Der Jahrgang 2019 wusste aber zu überzeugen – vor allem der Seewinkler.

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 25. Juni 2020 (05:32)
Auch die Weinprämierung musste natürlich Corona-konform ablaufen. Die ausgezeichnete Qualität des Jahrgangs 2019 gibt der ganzen Weinbau-Branche aber Hoffung: Auszeichnungen wie diese tragen maßgeblich zur Kaufentscheidung im Einzelhandel und der Direktvermarktung bei.
Denise Jandl

Die Prämierung der besten Weine des Landes erfolgt normalerweise im Zuge einer feierlichen Gala im Schloss Esterházy. Das Jahr 2020 ist aber alles andere als normal, viele Winzer sind auch nicht gerade zu Feierlichkeiten aufgelegt. Ihnen brachen heuer mit Tourismus, Gastronomie und Export wichtige Einnahme-Quellen aufgrund der Corona-Maßnahmen weg.

Aber bevor der Präsident des burgenländischen Weinbauverbandes, Andreas Liegenfeld, über das Einbrechen der Exporte klagte, wollte er lieber einen Import ins Burgenland loben: die Steirerin Verena Klöckl. Sie organisiert für die Landwirtschaftskammer Burgenland die „härteste Wein-Prüfung des Landes“ und die anschließende Siegerehrung. Der Gala-Akt musste heuer natürlich coronabedingt abgesagt werden, ob überhaupt die Verkoster zusammensitzen dürfen, war auch ungewiss. Die anderen Bundesländer waren abwartend, Klöckl hatte aber ein Ass in ihrem Trachtenärmel. „Die Niederösterreicher haben noch gar nicht verkostet, da hat die Verena schon eine Ersatzveranstaltung organisiert“ lobte Liegenfeld. Statt im Schloss in Eisenstadt hoben nun im Donnerskirchener Martinsschlössl 17 Winzer die Gläser zum Anstoßen. In ihnen befanden sich die besten Tropfen, die der begnadete Burgenländische Boden hergab.

Je vier Sortensiege für Podersdorf und Gols

Die 46 speziell ausgebildeten Verkoster kamen unter 25 Corona-konformen Verkostungskommissionen zusammen und bewerteten die Weine nach den Kriterien Aussehen, Geruch, Geschmack und Gesamteindruck mit 0 bis maximal 100 Punkten. In 17 Kategorien (siehe Infobox) wurde abschließend aus den fünf bis neun am höchstbewerteten Weinen je Kategorie der jeweilige Landessieger herausgekostet.

Es war wie schon im Vorjahr ein Jahrgang, in dem der Bezirk Neusiedl am See ganz besonders aufzuzeigen wusste. Die Sieger-Weingüter bei 14 der 17 Sorten kamen aus dem Seewinkel. Allen voran: die Gemeinden Podersdorf und Gols. Jeweils vier Landesmeister-Trophäen stehen nun in den beiden Gemeinden. Aus dem Bezirk Eisenstadt Umgebung kamen drei Sieger.

BVZ

Insgesamt wurden heuer 694 eingereichte Weine oder Sekte mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Gold bekommt, wer zu den besten 40 Prozent der Bewertungen in der jeweiligen Kategorie zählt.

„Weingut des Jahres“ an Joiser Bürgermeister

Auch das Weingut des Jahres ging in den Bezirk Neusiedl: Als „Weingut des Jahres 2020“ wurde heuer erstmals das Weingut Steurer aus Jois ausgezeichnet. Emma und Hannes Steurer reichten sieben Weine ein, alle sieben wurden mit Gold ausgezeichnet. „Hundertprozentige Erfolgsquote“, lachte Steurer, der für die ÖVP auch Bürgermeister der Neusiedler Nachbargemeinde ist. „Ich freue mich aber vor allem, dass die Winzer der Gemeinde Jois so gut abgeschnitten haben und der Winzerhof Kiss Ronald sogar einen Landessieg für Jois holen konnte“, blieb Steurer auch im „Siegerinterview“ mit der BVZ ein Vollblut-Bürgermeister.

Der Steurer-Familienbetrieb bewirtschaftet 10 Hektar Weingärten. „Eingebettet zwischen den Hügeln des Leithagebirges und den Ufern des Neusiedler Sees reifen in den Weingärten dank des ausgewogenen pannonischen Klimas kräftige, extraktreiche Rotweine und fruchtige Weißweine“, beschreibt sich das Weingut selbst – und das anscheinend zurecht.

„Gesellschaftliches Leben hochfahren“

Bei aller Freude war aber auch allen Anwesenden der Ernst der derzeitigen Lage bewusst. „Ich hätte mir niemals gedacht, dass sich ein Staat so von heute auf morgen runterfahren lässt“, lobte Landwirtschaftskammer-Präsident Nikolaus Berlakovich das Krisenmanagement der Regierung. Darunter habe natürlich genau das gelitten, was gerade die Burgenländer ausmache: „das gemütliche Zusammensitzen und Festefeiern – zu dem natürlich auch ein Glaserl Wein gehört.“

2. Reihe: Landwirtschaftskammer-Rat Georg Menitz, die Präsidenten des Weinbauverbandes und der LK, Andreas Liegenfeld und Nikolaus Berlakovich mit LK-Direktor Otto Prieler. 1. Reihe: Weinkönigin Tatjana I (li.) und Organisatorin Verena Klöckl (re.) mit Emmaund Hannes Steurer. Die Joiser wurden mit sieben Goldmedaillen das „Weingut des Jahres“.
Denise Jandl

Andreas Liegenfeld, im Brotberuf ja auch Winzer, bedauerte, dass „ein derartig guter Jahrgang wie der 2019er wegen des Virus nun nicht die Bühne bekommt, die er verdient hätte“, da ja nahezu alle Messen und Präsentationen abgesagt werden mussten. „Aber die SALON Wein Präsentation wird es geben“, machte Liegenfeld Hoffnung und erklärte: „Es wird zwar nicht der gewohnte Großevent werden, aber eine Reihe von vielen kleinen Wein-Events.“ Die anwesenden Winzer waren erleichtert: Immerhin werden basierend auf den Ergebnissen der Burgenländischen Weinprämierung, die Weine für die Verkostung zum angesprochenen „SALON Österreichischer Wein“ nominiert. SALON gilt als Staatsmeisterschaft des heimischen Weines, bei der sich die Burgenländer bisher oftmals auch gegen große Konkurrenten aus Niederösterreich und der Steiermark durchzusetzen wussten.