Alois Höller, ein Wahl-Mattersburger im Lauf der Zeit. Der gebürtige Lichtenegger ist nach dem SVM-Aus hiergeblieben – als Häuslbauer, Profi auf Abruf, Siegendorf-Neuzugang und karenzierter Lehrer.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 07. Dezember 2020 (02:23)
440_0008_7981093_bvz48fenz_hoeller_symbolbild4sp.jpg
Bundesliga-Fußball in Mattersburg war einmal, Alois Höller ist trotzdem geblieben. Schließlich schafft er sich hier seinen künftigen Lebensmittelpunkt.
Martin Ivansich/Peter Wagentristl

Sie hat es in alle Himmelsrichtungen verstreut, die Profis des aufgelösten SV Mattersburg. Ob Wien, Linz, St. Pölten, Graz, Klagenfurt, Karlsruhe, um nur einige Beispiele zu nennen, ob Bundesliga, 2. Liga: Die meisten der Kicker, die bis zum Sommer das SVM-Wappen trugen, gehen ihrem Job nun woanders hauptberuflich nach. Doch nicht alle sind nach dem Crash der Commerzialbank und dem damit einhergehenden Aus des Bundesligisten abgewandert.

Alois Höller (31) ist geblieben.

Einerseits, weil der gebürtige Niederösterreicher, er stammt aus Lichtenegg, in Mattersburg baut und sich seinen langfristigen Lebensmittelpunkt hier schafft. Andererseits, weil sich im Osten Österreichs keine Möglichkeit im Profigeschäft ergeben hat. „Natürlich habe ich es mir anders vorgestellt. Es hätte mir auch getaugt, wenn sich noch etwas in der Bundesliga aufgetan hätte, weil ich auch körperlich in einem sehr guten Zustand bin.“

So hielt sich der bei vielen Fans ob seiner offenen Art beliebte Kicker im Unterhaus fit. Erst trainierte Höller bei Scheiblingkirchen – dem Zweiten der 1. Niederösterreichischen Landesliga – mit, ehe ihn schließlich der ASV Siegendorf in die Burgenlandliga lotste. Dort steht er bei der Mannschaft von Josef Kühbauer, die nach Verlustpunkten Erster sein kann und den Gang in die Regionalliga Ost anpeilt, unter Vertrag. „Ich wollte nicht mehr zuwarten, sondern endlich wieder Matches spielen, das hat mir extrem gefehlt. Dass jetzt aktuell nichts geht, ist schon sehr bitter und tut weh. Siegendorf ist jedenfalls ein ambitionierter Klub, der weiterwachsen möchte. Ich will hier meinen Teil dazu beitragen und nicht die Karriere in der Landesliga ausklingen lassen.“ Wer weiß? Mit einem Auge schielt Alois Höller nach wie vor in Richtung der ersten beiden Ligen, sagt: „Ich möchte einfach sportlich noch etwas erreichen und mache mir da jetzt keinen ganz genauen Plan. Vielleicht klopft ja noch jemand an.“

Kein Zauberer, aber ein sauberer Leistungsbeleg

Es schwingt mit, wenn man dem Mittelfeldspieler zuhört: Ganz abgeschlossen hat er mit dem Kapitel Profi noch nicht, warum auch? Das Paket Alois Höller ist schließlich nach wie vor etwas wert. Und es lodert noch immer in dem Fußballer, der über 300 Einsätze für den SVM in der Bundesliga und der 2. Liga am Buckel hat. „Vieles habe ich mir in meiner Karriere erkämpft. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich mit meinen Mitteln ganz oben so viele Spiele absolviert habe. Mir ist bewusst, dass ich nicht der größte Zauberer bin.“ Auch wenn es in der Bundesliga technisch beschlagenere Akteure gab. Höller weiß sehr wohl mit dem Ball umzugehen, gepaart mit viel Erfahrung und Kampfgeist kommt hier ein gestandener Qualitäts-Kicker heraus. Der noch dazu bei den Fans sehr beliebt war. „Das freut mich und zeigt, dass man etwas richtig gemacht haben muss. Ich bin ehrlich, ein g’rader Michl. Zwar habe ich auch meine Ecken und Kanten, aber ich hau stets alles rein. Das, was ich kann, gebe ich für die Mannschaft – und probiere nicht stattdessen irgendwelche Übersteiger zu machen. Das haben alle immer respektiert an mir.“

Die authentische Art, gepaart mit der Vereinstreue, sorgte natürlich für eine kräftige grün-weiße Bindung. Zwei Jahre bei den Mattersburg Amateuren, zehn Jahre bei den Profis, all das hinterlässt Spuren, wie der 16-fache Bundesliga-Torschütze zugibt. „Jedes Mal, wenn ich mit dem Rad beim Pappelstadion vorbeifahre oder an der Fußballakademie vorbeilaufe, flasht es mich und gibt mir einen Stich. Das hat leider noch nicht aufgehört, weil ich es einfach extrem schade finde, dass gerade jetzt alles vorbei ist. Es wäre so viel möglich gewesen.“ Das stetige Zusammenwachsen der Akademie mit den Amateuren und den Profis, das Etablieren frischer Kräfte, auch all diese Visionen sind nach dem Commerzialbank- und dem SVM-Crash wie weggewischt.

„Rennen muss man immer noch selber“

Sehr wohl aber weiß Höller seine sportliche Zeit hier einzuordnen: „Mit welchem Hintergrund das Finanzielle zustande gekommen ist, haben wir nicht gewusst. Rennen und kämpfen muss man als Spieler aber immer noch selber. Das, was Mattersburg erreicht hat, war für die Region und das Burgenland eine Aufwertung.“

Dass die Profikarriere über kurz oder lang zu Ende gehen werde, damit hat der 31-Jährige klarerweise gerechnet. Mit einem abrupten freien Fall hingegen nicht. Weshalb sich in den vergangenen Monaten die Prioritäten gezwungenermaßen verschoben haben. Als Lehrer – Werken und Sport – hat sich Alois Höller am Gymnasium Mattersburg karenzieren lassen. Im SVM-Konstrukt waren ein paar Stunden möglich. Auf Sicht gesehen will Höller auch seine pädagogische Schiene intensivieren. Im Sommer musste aber anders gehandelt werden. „Mir taugt es an der Schule, auch das Kollegium ist super. Nur wollte ich für den Fall, dass sich doch noch eine Profistation ergibt, nicht gebunden sein.“

Weil es zu keinem Engagement kam, war plötzlich viel Zeit vorhanden, um beim Bau seines Hauses in Mattersburg aktiv mitzuwirken. Sehr spannend sei das, wie Höller wissen lässt, den Weg jedes Ziegels zu kennen und das Eigenheim mehr und mehr wachsen zu sehen. In das er dann mit seiner Frau Gabi und seinem viereinhalbjährigen Sohn Jakob einziehen wird. Dieser könnte übrigens in seine Fußstapfen treten, zumindest kickt er einmal beim MSV 2020 in der U7. Papa Alois ist durch den Sohnemann bei den Minis des SVM-Nachfolgevereins auch als Betreuer tätig. Und wer weiß? Vielleicht verschlägt es den langjährigen Publikumsliebling früher oder später gar in den Erwachsenenfußball auf die Trainerbank. „Das ist ein spannender Bereich. Mittlerweile kann ich mir sogar das auch vorstellen.“