SVM-Nachfolge-Rennen ist eine Rätselrallye. Wer wird in den nächsten Jahren am Areal Betreiber? Die Stadt, der MSV 2020 oder gar ein St. Pöltener Szene-Gastronom?

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 13. Mai 2021 (02:33)
 Ungewissheit. Die herrscht aktuell noch bei der Frage nach der künftigen Nutzung des Pappelstadions Mattersburg. Derzeit läuft die Versteigerung der Konkursmasse des nicht mehr existenten SV Mattersburg auf vollen Touren.
Bernhard Fenz

Die Commerzialbank-Pleite, die damit verbundenen Praktiken von Ex-Bankchef Martin Pucher, seine Rolle als Präsident des SV Mattersburg – offene Fragen und Irritationen sind seit Auffliegen Mitte Juli 2020 ein ständiger Begleiter des Skandals. Auch die Frage, wer künftig das aktuell verwaiste Gelände „Pappelstadion Mattersburg“ betreiben wird, ist noch offen. Fakt ist: Das Grundstück gehört der Stadt Mattersburg, auf den darauf errichteten Gebäuden lastet ein Superädifikat bis zum Jahr 2030, das einen Teil der Konkursmasse aus dem SVM-Aus darstellt – vereinfacht gesagt geht es hier um das Nutzungsrecht. 400.000 Euro (plus 15.000 Euro an noch offenen Betriebskosten) bringt die Stadtgemeinde Mattersburg nach entsprechenden Verhandlungen mit dem Masseverwalter auf, um hier künftig alle Rechte zu haben.

„Das Pappelstadion soll und wird ein Fußballstadion bleiben. Wir haben Schulen, Vereine – und der Grund ist als Sportstätte gewidmet“, stellt Bürgermeisterin Ingrid Salamon (SPÖ) fest. Soweit, so klar. Läuft alles auf Schiene, soll am 31. Juli das Stadion übernommen werden können.

Ingrid Salamon, SP-Bürgermeisterin der Stadt Mattersburg.
BVZ, BVZ

Das eine oder andere Fragezeichen mischte sich zuletzt aber in die vermeintlich einfache Angelegenheit. So hat, wie die Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN) berichten, der St. Pöltener Szene-Gastronom Valentin Kopatz in der Vorwoche ein um 10.000 Euro höheres Angebot für das besagte Superädifikat als die Stadt gelegt. Gegenüber der NÖN gab er sich entspannt, sagte: „Wenn das Stadion die Gemeinde bekommt, bin ich auch nicht böse.“

Von American Football über Yogavereine bis hin zu kleineren Konzerten könne er sich viel vorstellen, falls er den Zuschlag bekommen würde. All das ist freilich genug Nährboden für eine brodelnde Gerüchteküche. Die wichtigste Frage aber wäre: Ist Kopatz tatsächlich im Rennen, oder ist die Sache zwischen Stadt und Masseverwalter schon durch?

Zuletzt tauchte nämlich auch das Gerücht auf, dass beim neuen Mitbieter eine Bankgarantie-Frist verstrichen sei. Klarheit könnte Masseverwalter Adalbert Hausmannn schaffen, wie hier der Stand der Dinge ist. Telefonisch war er aber nicht erreichbar, eine entsprechende E-Mail-Anfrage blieb unbeantwortet. Bürgermeisterin Salamon will sich auf die aktuellen Nebengeräusche ohnehin nicht erst groß einlassen. Die MattersburgerStadt-Chefin sagt vielmehr: „Ich verliere sicher nicht die Nerven, sondern sehe das locker. Aus unserer Sicht ist alles auf Schiene.“

Gäbe es ein ernstzunehmendes Mitbieter-Thema, wäre es aus Sicht der Bürgermeisterin zudem ohnehin eine „Selbstverständlichkeit“, als Stadt davon auch informiert zu werden. Das sei bislang allerdings nicht der Fall gewesen.

„Bei gewissen Dingen werden wir mitsteigern“

Also ist laut Salamon aktuell davon auszugehen, dass die Stadt als Grundstückseigentümerin auch beim Superädifikat das Rennen machen werde. Welche beweglichen Güter dann noch vorhanden sind, wird sich erst nach Ablauf der aktuellen Versteigerung zeigen. Über 6.600 Posten sind über das Portal aurena.at aktuell zu haben – auch höchst essenzielle Punkte wie das Flutlicht oder die Sitze auf der Haupttribüne. Ingrid Salamon bestätigte jedenfalls: „Das, was aus unserer Sicht Sinn macht, werden wir versuchen zu ersteigern.“

Ganz sicher werde sie aber nicht preisgeben, wo die Interessen liegen. Diese öffentlich-defensive Herangehensweise macht aus versteigerungstaktischen Gründen klarerweise auch Sinn. Und dass ein Flutlicht und weiteres Basis-Inventar in einem Stadion vernünftig sind, liegt ja ohnehin auf der Hand.

Doch wer soll das Areal künftig nutzen?

Hier befindet sich der Mattersburger SV 2020, kurz MSV, in der Pole Position. Der Nachfolgeverein des SV Mattersburg will in der neuen Saison mit einer Kampfmannschaft in der 2. Klasse Mitte durchstarten, der Nachwuchs ist bereits seit dem SVM-Aus aktiv. Optimalerweise soll sich im Herzen der Stadt dann wieder ein Fußballverein etablieren. Für Manfred Strodl, MSV-Vorstandsvorsitzender, ist derzeit aber noch das Warten angesagt, solange nicht endgültig Klarheit über die künftigen Besitzer- und Nutzungsverhältnisse herrscht. Auch bei der Versteigerung werde sich der MSV an großen Positionen wie dem Flutlicht oder den Sitzen nicht beteiligen, denn: „Das wäre nicht zielführend für uns, zumal wir ja nicht der Besitzer des Stadions sein werden.“

Manfred Strodl, Vorstandssvorsitzender des MSV 2020.
Fenz, Fenz

Bis auf weiteres trainiert der MSV-Nachwuchs in der Fußballakademie Burgenland, es gibt auch eine Vereinbarung für die Saison 21/22. Die gilt übrigens auch für den Erwachsenen-Kader und wird einmal sicher insofern genutzt, als der MSV am 1. Juni die Vorbereitung startet. Strodl: „Wann die von uns nach wie vor angestrebte Übersiedelung ins Pappelstadion über die Bühne gehen kann, ist noch offen. Bis dahin werden wir alle Trainings und Spiele in der Fußballakademie abhalten.“