Georg Pangl: Ein Mann und seine Fußball-Werkstatt. Der Experte arbeitet seit über einem Jahr als Selbstständiger von Stotzing aus an vielen Projekten und versucht sich neuerdings als Buchautor.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 08. Februar 2021 (04:18)
Tausendsassa. Georg Pangl ist seit 34 Jahren beruflich im Fußballgeschäft verankert. „Ich bin dem Herrgott dankbar für alles.“
zVg

Spätestens durch die Lockdowns wurde die Homeoffice-Praxis im Berufsalltag gesellschaftsfähig. Georg Pangl war diesem Trend, der aufgrund der Corona-Pandemie forciert wurde, schon einen Schritt voraus. Nach über fünf Jahren des Pendelns als Generalsekretär der European Leagues zwischen Österreich und der Schweiz (wo der Sitz in Nyon liegt) hat sich Österreichs ehemaliger Bundesliga-Vorstand Ende 2019 mit der Pangl Football Group selbstständig gemacht.

Seitdem ist das Eigenheim in Stotzing Pangls berufliches Hauptquartier. Von seinem Büro im Obergeschoß aus arbeitet der Fußball-Experte an zahlreichen Projekten. Lediglich die üblichen Reisen fallen derzeit weg. Der Rest ist fast wie immer. Täglich durchschreitet der 55-Jährige operativ weiterhin das Tor zur globalen Fußballwelt, in der es auf den verschiedensten Ebenen genügend zu tun gibt, wie er schildert. Die neue Praxis sind dabei aber vorwiegend intensive Video- und Telefonkonferenzen statt physischer Meetings. Zwischen zwei Online-Terminen nimmt sich Pangl für das knapp einstündige Telefonat mit der BVZ Zeit. In dem er keinen Zweifel an seinem vorhandenen Elan aufkommen lässt. „Mein Glas ist schließlich immer zumindest halb voll.“

„Mein Business-Modell sind verschiedene Partnerschaften mit Experten.“Georg Pangl über die Geschäftsidee seiner Pangl Football Group, mit der er sich selbstständig gemacht hat …

Derzeit geht es übrigens fast über. Weil viele Projekte anstehen und sich die Themenrichtungen streuen. Warum Georg Pangl auf so breiter Basis aktiv ist, erklärt er anhand seines Geschäftsplans. „Mein Business-Modell sind verschiedene Partnerschaften mit Experten.“ Eine Hauptsäule ist dabei die Zusammenarbeit mit einem norwegischen Kollegen, der Geschäftsführer der Football Financial Group mit Sitz in London ist. Gemeinsam mit dem langjährigen Banken-Insider erstellt das Duo für Klubs sämtlicher Größen Finanzierungspläne bei Transfers, hilft Ligen und Vereinen in Bezug auf Fonds durch die Pandemie-Zeit, führt Gespräche mit Regierungsbehörden. „Er ist der Finanzmann und vor allem in England ganz stark vernetzt, ich bin der Fußballexperte und der Politiker. Leute zu verbinden, liebe ich nach wie vor, hier kann ich mich mit meinen 34 Jahren Fußballerfahrung gut einbringen.“ Nicht nur diese Zusammenarbeit dreht sich rund um den Finanzbereich. Auch eine Kooperation mit dem Family Office Samuel Haas & Partner aus Zürich, das Spieler und Trainer in sämtlichen Geldfragen berät, gehört dazu.

Vom Vermitteln bis zu künstlicher Intelligenz

Überhaupt gönnt sich Pangl bei seiner Arbeit, wie er sagt, mittlerweile einen ganz speziellen Luxus: „Ich kann mir die Partner selbst aussuchen.“ Und zwar in jede berufliche Richtung. So ist das Arbeitsfeld nun annähernd ident mit den persönlichen Interessen Pangls.

Zu denen auch das Vermitteln von Spielern zählt, das der Burgenländer neben Social-Media-Kanälen auch über persönliche Partner abwickelt. Einer davon ist in Brasilien stationiert, ein anderer ist der ehemalige Greuther Fürth-Präsident Helmut Hack, der eine Fußballakademie in Gambia gegründet hat.

Dazu kommt auch das Thema der künstlichen Intelligenz im Fußball, das den Stotzinge schon seit Jahren fesselt. Durch eine Kooperation mit der Berliner Firma Rascasse, die Trends im Handy-Userverhalten erforscht, versucht er in Zusammenarbeit mit Wettbewerbs-Organisatoren Zukunftsfragen zu beantworten. Auch ein virtueller Marktplatz im Fußball oder eine neue Webplattform für kleinere Vereine sind Punkte, die auf der To-do-Liste stehen. „Manche Themen gehören noch weiter ausgebaut, andere wiederum sind schon fixfertig. Das alles frisst die meiste Zeit meiner Betätigung, die mir aber großen Spaß macht. Ich kann nur Dankeschön sagen und bin demütig.“

„Für mich ist das eine Art Therapie, wenn ich meine mehr als drei Jahrzehnte im Fußball aufgearbeitet habe.“… über seine aktuelle Tätigkeit neben dem Alltagsgeschäft als Buchautor …

Aber auch ein weiteres Betätigungsfeld hat Georg Pangl derzeit für sich entdeckt. „Ich habe mich dazu entschieden ein Buch zu schreiben. Für mich ist das eine Art Therapie, wenn ich meine mehr als drei Jahrzehnte im Fußball aufgearbeitet habe.“ Optimalerweise wird dann die, wie Pangl es beschreibt, „interessante Melange aus Biographie und Sachinformation“ im Herbst erscheinen. Zur leichten Lektüre sollen auch viele persönliche Geschichten beitragen, mit einer großen Bandbreite an unterschiedlichen Anekdoten von den verschiedensten Schauplätzen, bis hin zu Groß-Events und der Champions League. Auch viele Persönlichkeiten aus dem Fußballgeschehen spielen in diesem Zusammenhang eine Rolle. Hier wird Pangl selbst erlebte Geschichten – unter anderem auch mit der 2020 verstorbenen Legende Diego Armando Maradona oder dem ebenfalls verstorbenen Trainer-Klassiker Otto Baric – zu erzählen haben. Es sind jene Erinnerungen, die die Leser gleichzeitig unterhalten und informiert sollen, wenn Pangl seinen Werdegang in die höchsten Kreise des Fußballgeschehens mittels kleiner Häppchen skizziert.

In den besagten höchsten Kreisen hat sich nun allerdings das Aufgabengebiet geändert. Kämpfte Georg Pangl etwa von 2014 bis 2019 als Generalsekretär der European Leagues darum, dass im Sinne einer Chancengleichheit die wirtschaftlich/sportliche Schere zwischen Europas Top-Ligen und den Top-Vereinen zum großen Rest nicht zu weit aufgeht, so hat er nun eine andere Position inne. „Das, was ich bei den European Leagues gemacht habe, ist jetzt nicht mehr mein Thema. Ich bin nicht mehr dieser Robin Hood, der mit dem Pferd reitet und sich nur für Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit einsetzt. Jetzt sind andere gefordert, die diese Positionen bekleiden und Entscheidungen treffen müssen.“ Er selbst sei jedenfalls für alle da, mache auch mit großen Klubs Geschäfte. Die Prinzipien und Idealvorstellungen eines halbwegs fairen globalen Fußballgeschäfts vertritt Pangl freilich nach wie vor – gerade als Fußballromantiker, wie er sich bei der Herangehensweise an mögliche beste Lösungen gerne selbst nennt.

Kritik am Lockdown für das Fußballgeschehen

Als solcher hofft er freilich auch, dass die Covid-Krise bald wieder einen Fußballbetrieb ermöglicht. „Geisterspiele im Profifußball sind sicher besser als gar nichts. Beim Amateur- und Nachwuchsfußball gäbe es aber aus meiner Sicht sehr wohl Alternativen zum seit Monaten brachliegenden Betrieb.“

Sieht er hier Fußball doch als körperliche Betätigung, die wiederum in Kombination mit der Frischluft zur Stärkung des Immunsystems beiträgt. „Wir haben mittlerweile gelernt, dass man für eine Infektion mit K1-Personen rund 15 Minuten nah beisammen sein muss. Das ist beim Fußballspielen in der Praxis gar nicht gegeben. Bei allem Verständnis kann ich es auch nicht nachvollziehen, dass es verboten ist, wenn sich zumindest Kinder versammeln und den Ball zuspielen dürfen. Hier ist man vor der Politik in die Knie gegangen.“

„Ich bin nicht mehr dieser Robin Hood, der sich nur für Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit einsetzt.“… über seine neue Aufgabe nach dem Job als Generalsekretär der European Leagues …

Vor allem, da aufgrund der vorhandenen Präventions-Konzepte einiges möglich wäre. „Sport hätte ein Gegengewicht zum Virus sein können. Ich denke schon, dass dieses Ideal bis zum Schluss auf Augenhöhe ausgereizt werden hätte können, damit nicht nur die schmale Sichtweise von Virologen zählt.“ Die gelte es selbstverständlich zu respektieren und beachten, doch „nach all den Vorarbeiten bei den Vereinen wäre sicher einiges möglich gewesen. Zumal es bei der direkten Sportausübung bislang keine Cluster gegeben hat.“ Pangl zeigt sich trotzdem zuversichtlich, dass der burgenländische Amateurfußball zeitnah rollen wird. „In Kombination mit dem Frühlings-Erwachen und dem Ende der kalten Jahreszeit sollten die Zahlen bei der Sieben-Tage-Inzidenz zurückgehen, darum bin ich guter Dinge, dass man bald starten kann und in der Meisterschaft zumindest überall die Hälfte und somit auch eine Wertung schafft. Wichtig wäre trotzdem, bald ein Training zu ermöglichen – selbst wenn es anfänglich nur mit Abstand möglich sein sollte.“

„Hier ist man vor der Politik in die Knie gegangen.“… und über eine gewisse Enttäuschung, dass die Fußball-Lobby in der Covid-Krise nicht mehr erreichen konnte.

Nicht zuletzt durch die Vor-Ort-Arbeitszeit daheim hat Georg Pangl auch wieder vermehrt einen Blick auf den rot-goldenen Kick. Der ihm ebenfalls am Herzen liegt, „weil ich dem geliebten Fußball viel zu verdanken habe. Darum ist mein Interesse vielschichtig.“

Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es dafür auch noch kein Ablaufdatum. „Da ich gesund bin, habe ich vor, über das Pensionsalter hinaus dem Fußball zur Seite zu stehen, in welcher Form auch immer.“

An den Möglichkeiten dürfte es jedenfalls nicht scheitern.