Ein Etappen-Ziel für das große Ganze. Die Ausrichtung am Standort in Mattersburg wird weiterhin evaluiert. Bis Sommer soll Klarheit herrschen.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 15. Januar 2021 (01:34)
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Die Fußballakademie Burgenland soll längerfristig in ein Landessportzentrum erweitert werden. Das braucht aber noch Zeit.
Fenz

Wie wird sich der Sport im Burgenland künftig aufstellen? Die an sich simple Grundsatzfragestellung mag ausufernd klingen, tatsächlich geht es lediglich darum, wie die Strukturen hierzulande in Zukunft genützt beziehungsweise adaptiert werden könnten. Das entpuppt sich aber als gar nicht so einfach.

Da wäre einmal als erster großer Brocken die Fußballakademie (AKA) Burgenland. Hier hat das Aus des SV Mattersburg im Sommer 2020 den Stein ins Rollen gebracht, weshalb das Land Ende Dezember die offenen SVM-Anteile nun auch offiziell erworben hat. Für die laufende Betriebs-GmbH bedeutet das: Aufgrund der Miteinbeziehung der Tochtergesellschaft Landesholding Burgenland gibt es nun keinen Zweifel mehr, wer mit insgesamt 80 Prozent Anteilen das Sagen hat. Das bedeutet aber auch eine neue, große Verantwortung im Zentrum der rot-goldenen Nachwuchs-Spitzenfußball-Schiene.

Durch den Wegfall des SV Mattersburg fehlt den Talenten ein unmittelbarer burgenländischer Bundesligist als Aufstiegsperspektive, gleichzeitig hat sich das Land durch die Schaffung neuer Eigentümerverhältnisse klar zur Fußballakademie bekannt. Das gibt den Youngsters, deren Eltern und den Angestellten am Standort Mattersburg Sicherheit. Der Weg zur Lösung, wie sich der Sport im Burgenland künftig generell aufstellen soll, ist hier aber noch nicht zu Ende. Zu groß ist die Anlage in Mattersburg, wo lediglich die drei Akademie-Teams sportlich auf Vordermann gebracht werden und – wenn nicht gerade Lockdown oder Covid-Trainingsverbot für die Breite herrscht – momentan auch der SVM-Nachfolgeverein MSV 2020 mit seinem Nachwuchs aktiv ist. Es braucht, da sind sich die politischen Entscheidungsträger einig, eine Öffnung. In einem ersten Schritt können sich bereits Fußballteams für Testspiele einmieten, um etwa nun im Winter die beiden Kunstrasenplätze zu nützen. Über kurz oder lang soll aber, das wäre der nächste große Punkt auf der „Zu-Erledigen-Liste“, hier auch das Landessportzentrum Nord entstehen. SP-Sportlandesrat Heinrich Dorner: „Das ist das klare Ziel, beim Standort denken wir hier an Mattersburg, weil das auch eine strategisch gute Lage ist.“

Sondierungen in viele Richtungen

Noch sei es aber zu früh, um hier endgültig Nägel mit Köpfen zu machen. An sich war der Plan, erste Klarheit bis zum Jahreswechsel zu haben. Nun wolle man sich aber zusätzlich Zeit nehmen, um das große Ganze nachhaltig zu berücksichtigen. Dorner betont hier stets die Notwendigkeit, eine sportliche Gesamtstrategie auszuarbeiten.

„Wir führen hier in viele Richtungen Gespräche, um den Bedarf auszuloten.“ Auch die mögliche gemeinsame Unterbringung und Nutzung von Dach- oder Fachverbänden keimt in diesem Zusammenhang auf. In Bezug auf die Fußballakademie wäre, was Fachverbände betrifft, natürlich der Burgenländische Fußballverband (BFV) naheliegend. Präsident Gerhard Milletich wird diesbezüglich das Thema auch bei der nächsten Vorstandssitzung am 30. Jänner ansprechen, um dem Land Burgenland Rückmeldung aus der Führungsriege zu geben, ob es BFV-Bedarf an einem Umzug nach Mattersburg gibt. Dem Vernehmen nach dürfte sich das Interesse innerhalb des Fußballverbands für einen Umzug aber in Grenzen halten, da die Anlage am Hotterweg in Eisenstadt dem BFV gehört und schon alleine aus den Eigentümerverhältnissen heraus kein allzugroßer Veränderungs-Wille besteht.

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ASKÖ: Präsident Alfred Kollar bestätigte das Interesse an einem Standort-Wechsel nach Mattersburg.
zVg/BVZ

Aufgeschlossen zeigt man sich auf der Ebene der Dachverbände seitens der ASKÖ (Arbeitsgemeinschaft für Sport und Körperkultur) Burgenland, wo Präsident Alfred Kollar mit dem aktuellen Standort in der Eisenstädter Rusterstraße aufgrund der Platzsituation „sehr unglücklich“ ist. „Wir suchen nach einer Lösung und sind an einer möglichen Variante am Standort der Fußballakademie in Mattersburg sehr interessiert.“

Kein Thema wäre ein etwaiger Umzug freilich für die Sportunion Burgenland, deren Zentrale in der Neusiedler Straße in Eisenstadt inklusive Bewegungsräumlichkeiten für das eigene Angebot erst rundumerneuert wurde. Obendrein steht Präsidentin Karin Ofner der Landessportzentrum Nord-Thematik generell kritisch gegenüber, gebe es doch bereits sehr gute Infrastruktur, etwa in Eisenstadt mit der neuen Leichtathletikarena. „Zahlreiche Sportarten sind hier möglich. Zudem haben wir ja bereits in Steinbrunn ein Landessportzentrum.“

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ASVÖ: Für Präsident Robert Zsifkovits bleibt das Eigen(tum)heim in Eisenstadt passend.
Gregor Hafner

Auch der ASVÖ Burgenland will jedenfalls in Eisenstadt bleiben, wie Präsident Robert Zsifkovits bestätigte: „Wir sehen uns als Servicestelle für die Vereine, sind gut erreichbar und haben das Haus vor allem im Eigentum.“ Zwar sei Zsifkovits jemand, der schon in der Vergangenheit etwa den Überlegungen eines gemeinsamen „Haus des Sports“ offen gegenüberstand, „so ein Projekt ist in all den Jahren aber nie wirklich konkret am Tisch gelegen.“ Nachsatz: „Die Fußballakademie wäre rein von der Bauplanung her auch nicht gut geeignet dafür.“

Wie auch immer dann die beste Lösung aussehen mag. Fakt ist jedenfalls, dass es bei der aktuellen Akademie-Auslastung ein Überangebot an Plätzen gibt. Fakt ist aber auch, dass die Infrastruktur endenwollend ist, was beispielsweise ausreichende Büroräumlichkeiten betrifft. Ebenso fehlt eine entsprechende Halle.

„Es gilt hier einige Varianten zu prüfen und durchzudenken“ weiß Dorner, dass im Sinne des großen Ganzen noch offene Fragen bestehen. Auch die aktuelle Schulkooperation der Fußballakademie mit der HAK Mattersburg fließt da mit ein, in deren Rahmen ein Gespräch mit den Bildungsverantwortlichen folgen könnte. Bislang waren die jeweiligen AKA-Kader im Vergleich zu anderen Bundesländern (zu) groß – vor allem auch deshalb, um die Schulklasse des Fußballjahrgangs quantitativ absichern zu können. Also wirft Dorner für die Zukunft jenes Stichwort ein, wenn es um ein Zentrum geht, in dem nicht nur Fußball als Spitzensport betrieben werden könnte: „Polysportiv ist ein wichtiger Punkt, der gerade hier mit einfließen soll.“

Zu thematisieren ist freilich auch noch das besagte VIVA-Landessportzentrum Steinbrunn, dessen Zukunft in diesem Nord-Konstrukt wesentlich unklarer scheint. Ob es hier künftig gar parallel zwei Standorte geben könne, wo eben jeder seine (infra)strukturellen Vorteile ausspielt und sich dadurch Synergien für ein großes Ganzes ergeben könnten? „Ich persönlich finde es geschickter, wenn hier alles an einem Ort beheimatet ist,“ sagt Dorner.

Man befinde sich aber eben nach wie vor in der Sondierungs-Phase. Also stellt VIVA-Geschäftsführer Bernd Dallos auch klar: „Ich führe das Landesportzentrum weiter nach bestem Wissen und Gewissen, gemeinsam mit der Belegschaft gilt unsere ganze Kraft dem Betrieb. Wir warten ab und werden dann sehen, wie die Gespräche und Überlegungen verlaufen.“ Aktuell nutzt übrigens Fußball-Bundesligist Admira das VIVA für sein Winter-Trainingslager. In normalen Zeiten reisen die Bundesligisten zur Vorbereitung ins wärmere Ausland, Covid-bedingt ist dieses Vorhaben 2021 kompliziert. Somit begrüßt nun Dallos und sein Team die Südstädter, die die Anlage seit Sonntag aufgrund des Lockdowns exklusiv nutzen können. Bis Samstag war das Volleyball-Nationalteam vor Ort, um sich im Steinbrunner Verbands-Trainingszentrum auf die EM-Qualifikation in Israel vorzubereiten.

Beim groben Zeitrahmen für die Sport-Ausrichtung im Nordburgenland will der Landesrat bis zum Sommer eine Stoßrichtung festgelegt haben. Danach werde es auch noch eine entsprechende Übergangsfrist geben, Stichwort bauliche Umsetzung für etwaige infrastrukturelle Veränderungen. „Wir wollen hier eine wirklich fundierte Lösung.“ Und für das große Ganze – den Sport im Burgenland – soll es daher vorerst auch nur eine thematische Baustelle geben. Deshalb wolle man auch noch zuwarten, was ein weiteres angedachtes Landessportzentrum im Süden betrifft.

AKA-Partnerschaften werden ausgelotet

Zurück zur Fußballakademie Burgenland am Standort Mattersburg. Dort steht neben Sportzentrums-Überlegungen aktuell auch die personelle Ausrichtung noch auf der Agenda, nachdem der Sportliche Leiter Manuel Takacs die Talenteschmiede mit Jänner Richtung LASK-Akademie verlassen hat, wo er nun die U18 betreut. Noch ist kein Nachfolger in Sicht, als Sportlicher Leiter ist BFV-Sportchef Hans Füzi (der diese Position von 2009 bis 2016 innehatte) interimistisch aktiv. Die im Dezember angekündigte zeitnahe Ausschreibung des Postens blieb bislang aus. Hintergrund: Es gibt laut Heinrich Dorner interessierte Klubs (von der Regionalliga über die 2. Liga bis hin zur Bundesliga), mit denen Gespräche über Partnerschaften geführt werden. Hier gelte es noch die jeweiligen Möglichkeiten auszuloten und erst in weiterer Folge dann die gesuchte Position darauf abzustimmen. Vielleicht ändere sich – falls es zu einer Einigung kommen würde – in diesem Zusammenhang noch das Bild und die strategische Ausrichtung, was die Sportliche Leitung betrifft. „Ich muss mich deshalb nachträglich korrigieren, dass es im konkreten Fall besser ist, mit einer Ausschreibung noch zu warten“, stellte der Lackenbacher ehrlicherweise fest und bestätigte somit auch auf dieser Ebene einen neuen Zeitplan – für das große Ganze.