Ziel für’s Frühjahr: Hinrunde spielen. Der Ball im Amateur-Fußball wird erst 2021 wieder rollen — im Fokus liegt eine Meisterschafts-Wertung.

Von Martin Ivansich und Philipp Frank. Erstellt am 29. Oktober 2020 (04:33)
Für Landesrat Heinrich Dorner ist die Unterbrechung alternativlos.
Landesmedienservice Burgenland

Seit vergangenen Freitag steht der Amateurfußball im Burgenland wieder still. Eine Verordnung vom Land

sorgte für den vorzeitigen rot-goldenen Stopp von der Burgenlandliga abwärts. „Da die Zahlen in der letzten Zeit so explodiert sind, hat die Landesregierung entschieden, dass der Amateurfußball ab sofort und bis auf weiteres gestoppt wird“, so BFV-Präsident Gerhard Milletich. Und zwar gilt dies für alle Vereine, nicht nur für einzelne Ligen. Laut Plan wäre in manchen Spielklassen bis Ende November gekickt worden.

Zeit wäre also noch die eine oder andere Runde zu absolvieren. Der Geschäftsführer des Burgenländischen Fußballverbands, Karl Schmidt, glaubt aber nicht daran: „Das ist nicht realistisch.“ Es wird zwar Anfang November noch eine Gesprächsrunde mit der Politik geben: „Aber wenn man sich die Zahlen bezüglich Neuinfektionen ansieht, dann gehen wir nicht davon aus, dass 2020 noch Spiele ausgetragen werden. Für das kommende Wochenende sind einmal alle Matches abgesagt.“

Noch konkreter drückt es der Landesrat für Sport, Heinrich Dorner, aus: „Wie bereits am Freitag angekündigt, wird der Ball im Amateurfußball in diesem Jahr nicht mehr rollen. Die rasant steigenden Corona-Infektionszahlen machen diese Entscheidung alternativlos. Denn: Die Gesundheit von Spielern, Trainerteams, Funktionären und Zusehern hat oberste Priorität. Außerdem war es aus vielerlei Gründen auch der Wunsch fast aller Vereine und des Burgenländischen Fußballverbands, die Meisterschaften in den Amateurligen in diesem Jahr zu unterbrechen. Das ist uns auch wichtig: Maßnahmen unter Einbindung der Betroffenen zu treffen.“

Ob die Verordnung des ÖFB — Kantinen unter gewissen Auflagen dürfen doch aufmachen — die einen Tag nach der Verordnung des Landes herausgegeben wurde, eventuell die Meinung im Land noch einmal ändern würde, beantwortet Dorner klar: „Eines vorweg: So ein Chaos, wie es von der Bundesregierung letzte Woche angerichtet wurde, darf sich in der größten Gesundheitskrise seit 1945 nicht mehr wiederholen. Viele Vereine wurden massiv verunsichert, weil Informationen nur spärlich bekannt waren und es wurden auch nicht alle Länder — auch das Burgenland — in die entscheidenden Gespräche miteingebunden. Deshalb haben wir die Reißleine gezogen und im Sinne der Vereine für Klarheit gesorgt. Was die Frage der Kantinen betrifft: Auch hier lässt die Verordnung der Bundesregierung so viel Interpretationsspielraum zu, dass die nächsten Unstimmigkeiten bereits vorprogrammiert sind. Es ist schlichtweg fahrlässig vom Bund, in dieser prekären Situation dermaßen verwaschene Verordnungen zu beschließen. Daher ist es ganz klar: Wir bleiben natürlich bei unserem Beschluss.“

Auch klar ist, dass sich nun die große Frage stellt: Wie geht es mit Burgenlands Amateur-Fußball weiter? An ein Szenario wie im vergangenen Frühjahr, wo es keine Wertung gab, will niemand auch nur denken. Schmidt: „Deshalb liegt der Fokus im Frühjahr auch ganz klar darauf, dass wir die Hinrunde durchbringen. Dann würde es eine Wertung geben. Ein Etappenziel ist dann in weiterer Folge, so viele Spiele wie möglich durchführen zu können. Wenn wir beispielsweise erst Mitte April wieder starten können, dann wird es nicht viel mehr als die Hinrunde werden.“

„Nicht mit Gewalt alles durchboxen“

Für die rasche Entscheidung der Politik, den Amateurfußball im Burgenland zu unterbrechen, hat der BFV-Geschäftsführer definitiv Verständnis: „Das ist auf jeden Fall nachvollziehbar.“ Dass es in anderen Bundesländern (vorläufig) weitergeht, sieht Schmidt geteilt: „In Tirol sind noch zwei Runden zu absolvieren, da kann man verstehen, dass sie es drüber bringen wollen. In Niederösterreich sind es hingegen in manchen Ligen bis zu acht Spiele, die noch fehlen. Ich denke, man muss nicht mit Gewalt alles durchboxen und über die Bühne bringen.“