Aus der Fußballpension direkt in die USA. Eigentlich hatte Nedeljko Malic seine Karriere beendet. Dann kam alles anders. Indianapolis holte den 32-Jährigen als Defensiv-Stütze.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 20. März 2021 (03:34)
BVZ, Fenz/Ivansich/zVg/Indy Eleven

Elf Tage bevor der Commerzialbank-Skandal ans Tageslicht kam und der SV Mattersburg ebenfalls in den Untergangs-Sog seines langjährigen Chefs Martin Pucher gezogen wurde, ging Nedeljko Malics Karriere als Fußballprofi zu Ende. So hatte es jedenfalls den Anschein, als er am 4. Juli 2020 beim letzten Bundesliga-Spiel der Saison auswärts gegen die Austria noch einmal für acht Minuten ran durfte und dann seinen langjährigen Fußball-Arbeitgeber verlassen musste. Die sportliche Leitung rund um Trainer Franz Ponweiser hatte nicht mehr mit dem Ex-Kapitän geplant. Danach wurde es ganz ruhig um den Verteidiger, dessen Name nur zwischenzeitlich noch einmal in die Schlagzeilen kam, als es darum ging, für eine mögliche Rettung des SVM mit anzupacken. Der ehemalige Bundesligist war aber bekanntlich nicht mehr zu retten. Auch dieses Kapitel schloss sich somit rasch.

Also machte Nedeljko Malic im Anschluss das, was er sich bereits während der Kickerzeit als zweites Standbein angeeignet hatte. Der gebürtige Bosnier – seit 2014 österreichischer Staatsbürger – ist durch seine Studienlaufbahn Experte in Bereichen wie nachhaltige Energiesysteme oder Energie- und Umweltmanagement. Als solcher entwickelte Malic in den vergangenen Monaten (gemeinsam mit internationalen Partnern) diverse Projekte im Bereich erneuerbarer Energie weiter – beispielsweise eine Technologie, die Hausmüll hocheffektiv wiederverwertet. Fakt ist: Mit Fußball hatte der Verteidiger gut sechs Monate lang nichts am Hut. Weil sich nach dem SVM keine interessante Gelegenheit ergab und beruflich eben neue, spannende Aufgaben warteten.

„Für mich war das Thema abgehakt und meine Karriere zu Ende,“ gibt Malic offen zu. Und dann kam doch alles anders.

Beim Sondieren für mögliche berufliche Projekt-Investoren kam schließlich der Kontakt in die USA zu Ersal Özdemir zustande, seines Zeichens auch Eigentürmer von Indy Eleven. Jenem Fußballklub aus Indianapolis, der in der zweithöchsten US-Spielklasse – der USL Championship – aktiv ist und bei dem wiederum Martin Rennie als Chefcoach arbeitet. Der Schotte kennt Malic bereits aus der Vergangenheit, schätzt dessen Qualitäten am Platz und machte sich prompt für eine Verpflichtung stark. So mutierte die anfängliche Kommunikation über Energie zur sportlichen Transfer-Verhandlung – bei der Malic nicht lange nachdenken musste.

BVZ, Fenz/Ivansich/zVg/Indy Eleven

„Das ist extrem reizvoll und interessant. Die Professionalität in diesem Verein ist unglaublich hoch. Aktuell wird gerade ein neues Stadion gebaut, Indy Eleven möchte in naher Zukunft in die MLS.“ Die Major League Soccer ist bekanntlich die höchste Liga der USA, in der es aber keinen Auf- oder Abstieg gibt. Vereine werden aufgenommen, der Klub aus Indianapolis will eben zeitnah in den elitären Kreis aufrücken. Bis dahin geht es in der besagten Championship der USL (United Soccer League) zur Sache, wo sich unter anderem auch die Zweierteams bekannter MLS-Klubs wie L.A. Galaxy oder New York Red Bulls tummeln.

„Bin die ganze Karriere mit Druck umgegangen“

Trainer Martin Rennies Erwartungen an Malic, der „eine hervorragende Karriere in der österreichischen Bundesliga hatte und als Kapitän die defensive Dreh- und Angelscheibe seines Klubs war“ sind auf der Homepage von Indy Eleven nachlesbar. So werde er neben Qualität in der Defensiv-Organisation auch Größe, Power und Führungs-Qualitäten mitbringen.

Was sich gut liest, muss aber trotzdem erst einmal auf das Spielfeld gebracht werden. Fakt ist: Ein halbes Jahr schon befindet sich Nedeljko Malic in der Fußballpension, aus der es nun direkt in die USA geht. Alleine seine Instagram-Präsentation des Vereins (siehe rechts) muss die Erwartungshaltung des Indy-Eleven-Umfelds an den 32-Jährigen automatisch in die Höhe schnellen lassen. Dieser wird aber, da braucht man kein Prophet zu sein, noch Zeit benötigen, um wieder an Leistungen aus früheren Tagen anschließen zu können. „Ich musste meine ganze Karriere mit Druck umgehen, von daher habe ich kein Problem mit der Erwartungshaltung. Zudem vertraue ich darauf, dass Indy Eleven auch auf sportwissenschaftlicher Ebene Top-Leute in den eigenen Reihen hat.“ Dann werde er auch bald über Matchfitness verfügen und zeitnah helfen können. Ab Mai geht die Meisterschaft los, die bis Dezember geplant ist – derzeit läuft die Vorbereitung. Malic brach am Mittwoch in die USA auf, wird zeitnah zum Team stoßen und somit vor Ort seine neue Arbeit antreten. Seine Frau Inga wird mit Tochter Zoa nachkommen. Geplant ist jedenfalls, dass die Familie ihre Zelte für die Dauer des Engagements (vorerst gilt der Vertrag für 2021) in der Hauptstadt des Bundesstaats Indiana aufschlägt. Das sei von Beginn an klar gewesen, dass es hier um einen gemeinsamen Weg gehe, wie Nedeljko Malic klarstellt: „Im Urlaub waren wir bereits in Florida und Kalifornien, generell finden wir die USA sehr interessant. Die Sprache, die Kultur, die Städte – das alles bringt viele Vorteile mit sich.“

Nahe von Burgenlands (US-)Hauptstadt

Und ein weiteres Detail am Rande findet der Wahl-Burgenländer Malic (der in Österreich zuletzt vorwiegend zwischen Wien und Mattersburg pendelte) neben der sportlichen Herausforderung spannend: Chicago. Jene knapp drei Stunden von Indianapolis entfernte Stadt, die gerne scherzhaft als die größte Stadt des Burgenlands bezeichnet wird, weil sie bekannt dafür ist, dass hier zahlreiche Menschen mit burgenländischen Wurzeln leben – ein Relikt der Wirtschaftsmigration in die Staaten Anfang des 20. Jahrhunderts. „Jedes Schulkind hier im Burgenland weiß das. Ich finde dieses Thema wirklich sehr interessant, wir werden Chicago sicher auch einen Besuch abstatten.“

Das alles wird sich aber freilich nur am Rande abspielen. Vor Ort ist Malic, um wieder professionell Fußball zu spielen, auch sein Energiebranche-Standbein bleibt verankert. Neue Zeiten also für den Kicker, der sich am 4. Juli 2020 nicht gerade glücklich in einen neuen, ungewissen Lebensabschnitt verabschiedet hatte. „Ich fühle mich jetzt um mindestens zwei, drei Jahre jünger als noch im vergangenen Sommer. Alles ist jetzt etwas leichter. Und das Bemühen dieses Vereins ist schon eine große Wertschätzung.“