Ilco Naumoski: Der mit den zwei Herzen. Für den langjährigen Mattersburg-Stürmer und ehemaligen mazedonischen Teamspieler ist das Auftaktduell Österreich gegen Nordmazedonien ein emotionaler Wahnsinn.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 12. Juni 2021 (01:09)
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Aktiv in Skopje. Derzeit hat Ilco Naumoski beim Drittligisten FK Lokomotiva Skopje in der nordmazedonischen Hauptstadt das Sagen.
BVZ/zVg, BVZ/zVg

Zu wem halten? Ilco Naumoski würde am Sonntag als vorbelasteter Fußballfan am ehesten mit einem 1:1 leben können, wenn er auf das Duell Österreich gegen Nordmazedonien angesprochen wird. Denn beim 37-Jährigen schlagen hier, wie er selbst sagt, „zwei Herzen in einer Brust. Meine Heimat ist Österreich, hier bin ich aufgewachsen. Mein Vater ist seit 1969 hier, er war Schiri und Trainer in Österreich. Ich habe die meiste Zeit meiner Karriere hier gespielt, aber meine Vorfahren sind eben aus Mazedonien und ich habe auch für die Nationalmannschaft gespielt. Am besten wäre natürlich, wenn das Spiel unentschieden ausgehen würde.“ Für das Team aus Nordmazedonien wäre ein X, das ist Naumoski klar, ein „super Ergebnis – für die Österreicher eher nicht so, sie sind Favorit.“

„Österreich zählt zu den zehn besten Teams“

Überhaupt gerät der langjährige Profi des SV Mattersburg ins Schwärmen, wenn er über die rot-weiß-roten Qualitäten spricht. Als Kicker war er nach Österreich unter anderem in Aserbaidschan und Nordmazedonien aktiv, wo er bei Vardar Skopje aber nach einem Schien- und Wadenbeinbruch nicht mehr fit wurde und seine Karriere beenden musste. Danach war er als Trainer drei Jahre in China und später in Serbien. Mittlerweile ist er zurück in Skopje, wo er den dortigen Drittligisten Lokomotiva als Besitzer übernommen hat.

Das österreichische Fußball-Aufgebot bezeichnet Naumoski jedenfalls als eine Mannschaft, die „für mich zu den zehn besten Teams der Welt zählt, wenn sie ihr komplettes Potenzial abrufen kann. Zuletzt waren sie in einer Minikrise, aber ich glaube sie werden sich wieder erfangen und sind für mich auch so etwas wie ein Geheimfavorit.“

Zwei Topfavoriten – und „natürlich Deutschland“

Und auch seinen Landsleuten aus Nordmazedonien (über 40 Mal trug er das Trikot) traut der Ex-Goaleador, der von 2005 bis 2013 beim SV Mattersburg unter Vertrag stand, einiges zu. „Angeführt von einem überragenden Routinier wie Goran Pandev kann diese Mannschaft viel erreichen, man hat ja auch nicht umsonst zuletzt Deutschland in der WM-Qualifikation auswärts mit 2:1 geschlagen.“ Und doch weist die Papierform die Österreicher stärker aus. Ob sie dann im Fall eines Aufstiegs in die K.o.-Phase aber an den Top-Kandidaten auf den Titel vorbeikommen würden, bleibt die Frage. Hier hat Ilco Naumoski übrigens Frankreich und Spanien ganz oben auf der Liste – „und natürlich auch Deutschland. Die darf man nie abschreiben.“