Dorner: „Wir wollen bis Ende des Jahres Klarheit“. Heinrich Dorner spricht über seine ersten Eindrücke, die Covid-19- Thematik sowie die Pläne rund um die Fußballakademie und das Landessportzentrum Nord.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 20. September 2020 (01:12)
Herausforderungen. Das Projekt Landessportzentrum Nord/Fußballakademie Burgenland zählt aktuell zu den größten Brocken für Neo-Sportlandesrat Heinrich Dorner.
Hafner

Am 1. August gab Christian Illedits nach einer anonymen Anzeige rund um den Bilanzskandal der Commerzialbank Mattersburg seinen Rücktritt bekannt. Burgenlands Sportlandesrat zog sich nach Annahme eines gewidmeten Goldblattes des von Bankdirektor Martin Pucher geführten SV Mattersburg zu seinem 60. Geburtstag zurück.

Elf Tage später stand fest, dass Leonhard Schneemann Illedits als Landesrat beerben würde, das Aufgabengebiet Sport wurde allerdings in die Hände von Landesrat Heinrich Dorner gelegt, der neben Bau, Raumplanung, Verkehr und Wohnbauförderung nun auch diesen Bereich über hat. Dorner, 39 Jahre alt, war in jungen Jahren selbst als (stürmender) Fußballer bei seinem Heimatverein Lackenbach tätig und bis vor kurzem auch Obmann des 2. Liga Mitte-Klubs. Nun ist er auf politischer Ebene der Taktgeber im rot-goldenen Sport. Die BVZ bat den leidenschaftlichen Rapid-Fan zum Gespräch.

BVZ: Sie sind sehr sportaffin. Haben Sie nach dem überraschenden Rücktritt von Christian Illedits sofort aufgezeigt und sich für den Sport aktiv beworben?

Heinrich Dorner: Aufgezeigt habe ich nicht, der Landeshauptmann hat mich aber kontaktiert und gefragt, ob ich diese Resortzuständigkeit übernehmen würde. Ab diesem Zeitpunkt habe ich imaginär aufgezeigt und gesagt: sehr gerne.

Was für ein Erbe treten Sie an?

Dorner: Die Agenden des Sports wurden gut geführt. Alt-Landeshauptmann Hans Niessl hat bereits die Basis gelegt, dem Thema sehr viel Gewicht gegeben hat und auch viele gute Dinge auf Schiene gebracht, etwa die Installierung des Sportpool Burgenland. Über viele Jahre hinweg war das alles ein stimmiges Profil, Christian Illedits hat das nahtlos übernommen und gut weitergeführt. So würde ich das auch gerne handhaben.

Wie ist es nach den ersten Einblicken um unseren Sport bestellt?

Dorner: Das Burgenland ist hier sehr gut aufgestellt. Wir sind über die Grenzen hinweg bekannt, das geht bis zu Trainingslagern von Top-Klubs. Allerdings heißt das nicht, dass wir uns zurücklehnen können. Es gibt natürlich das eine oder andere Projekt, auf das man jetzt mehr Fokus legt. Da gibt es klarerweise Herausforderungen.

Die Fußballakademie Burgenland ist so ein Projekt. Das Land ist beim Betrieb mit 45 Prozent Eigentümer, die 35 Prozent des insolventen SV Mattersburg liegen brach und je zehn Prozent halten der Fußballverband und die Stadt Mattersburg. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil hat in Bezug auf die Akademie-Fortführung als Variante auch die parallele Öffnung des Areals für ein Landessportzentrum Nord in Aussicht gestellt. Wie konkret ist dieser Plan von der Umsetzung und vom Zeitpunkt her?

Dorner: Vorweg hier eine Antwort zu geben ist schwierig. Das grobe Ziel ist angesprochen worden, das kann man auch im Regierungsprogramm nachlesen. Es geht um eine Öffnung und um andere Verwertungsmöglichkeiten, diese Überlegungen laufen derzeit. Ich gehe auch davon aus, dass wir relativ rasch ein Konzept auf die Beine stellen und – klarerweise abgestimmt mit dem Landeshauptmann – auf Schiene bekommen.

Welche Sportarten könnten dort künftig heimisch werden?

Dorner: Ich bitte um Verständnis, dass das jetzt ein laufender Prozess ist. Das übergeordnete Ziel der Öffnung für andere Sportarten ist klar, idealerweise gibt es vielleicht einen Betrieb, bei dem auch Einnahmen zu kreieren sind. All das sind die Überlegungen dahinter.

Ist die zeitliche Umsetzung dieses Projekts noch völlig undefiniert?

Dorner: Es sollte so schnell wie möglich erfolgen. Ich stelle mir vor, dass wir bis spätestens Ende des Jahres Klarheit haben und in weiterer Folge dann auch relativ rasch in die Ausgestaltung und in eine Umsetzungsphase gehen können.

Was würde aus dem VIVA-Landessportzentrum Steinbrunn werden? Zwei Zentren so nah beisammen werden sich nicht vertragen.

Dorner: Genau das ist die Herausforderung, diese Gespräche laufen. Beim VIVA gibt es ja schon lange Überlegungen, wie man es besser verwerten kann. Der Geschäftsführer (Anm.: Bernd Dallos) ist sehr bemüht und sehr gut vernetzt, bringt auch immer wieder viele Sportler ins VIVA, letztlich muss sich alles am Ende des Tages aber auch rechnen. Jetzt ist diese Herausforderung in der neuen Ausrichtung und Strategie gewachsen. All diese Punkte zusammengefasst, werden wir hoffentlich bald präsentieren können, wie wir sie uns vorstellen.

Wie viele Landessportzentren braucht es für das Burgenland?

Dorner: Es ist im Zukunftsprogramm ganz klar definiert: Nord und Süd. Daran halten wir fest.

Gibt es für die Fortführung des Fußballakademie-Betriebs eine langfristige Sicherheit?

Dorner: Schwierige Frage, weil der Anteil des SV Mattersburg kein unwesentlicher war. Die finanzielle Darstellung soll auch im allumfassenden Konzept eines Landessportzentrums Nord enthalten sein.

Aber der generelle burgenländische Wille einer Fortführung der Fußballakademie ist vorhanden?

Dorner: Absolut, das kann ich bestätigen.

Landesrat Heinrich Dorner beim Interview mit BVZ-Sportchef Bernhard Fenz.
Hafner

Sie sind vor kurzem als Obmann des SV Lackenbach zurückgetreten. Hat die Funktion des Sportlandesrats zu dieser Entscheidung beigetragen?

Dorner: Nein. Zurückzuführen ist das auf meinen Start der Landesratsfunktion vor über eineinhalb Jahren. Da gab es die ersten Gespräche mit dem Verein, dass das ein Thema werden wird. Darauf haben sich jüngere Funktionäre noch mehr ihrer Tätigkeit gewidmet – dieser Prozess war auch nötig für die Neubesetzung. Würde es jemand gelingen, in so kurzer Zeit einen Nachfolger zu finden, kann man nur gratulieren. Die Realität ist aber nicht so.

Am Wochenende ist die Fußball-Bundesliga gestartet. Mit dem Aus des SV Mattersburg ist erstmals seit über 20 Jahren kein burgenländischer Vertreter in den beiden obersten Ligen. Wir hart trifft dieser Umstand das Land?

Dorner: Es ist bitter. Punkt. Natürlich hätten wir gerne einen Klub dabei. Aber jetzt mit aller Gewalt jemand dorthin zu bringen, kann kein Ziel sein.

Mit dem MSV 2020 hat sich ein Nachfolgeverein gegründet, der den SVM-Nachwuchs übernommen hat und mittelfristig auch wieder Erwachsenenfußball in Mattersburg installieren will.

Dorner: Jetzt beginnt eine Aufbauphase. Ich war vergangene Woche dort zu Besuch und es war ein wirklich schöner Moment, in hunderte lächelnde Kinderaugen zu sehen. Auch die Protagonisten sind höchst engagiert. Wird die Anfangseuphorie beibehalten, bin ich überzeugt davon, dass dort wieder etwas Gutes entstehen kann.

Wir erleben schwere Zeiten, was die Organisation von Sportveranstaltungen in Bezug auf die Covid-19-Pandemie betrifft. Zuletzt gingen überregionale Events wie der traditionelle Austria Triathlon in Podersdorf, die Rad-Staatsmeisterschaften oder das Schwimmfestival Neusiedler See über die Bühne. Wie wichtig ist hier die Signalwirkung?

Dorner: Hoher Respekt an alle, die die Veranstaltungen organisieren. So mühsam und aufwendig es jetzt ist, aber was möglich ist, soll gemacht werden.

Aktuell ist mit der Herbstmeisterschaft im Fußball-Unterhaus der größte Sportbetrieb angelaufen. Befürchten Sie aufgrund der steigenden Covid-19-Zahlen ein Abbruchszenario?

Dorner: Natürlich habe ich die Sorge, gerade wenn man sich ansieht, wie viele Spiele abgesagt werden mussten. Als Berufsoptimist gehe ich aber davon aus, dass es möglich sein wird, am Ende des Tages ein wertendes Ergebnis zu bekommen.

Beim Fußball beträgt die mögliche Zuschauerzahl nach der jüngsten Verordnung, sofern es keine zugewiesenen Sitzplätze gibt, nur noch 100 statt 200 Personen. Wäre ein Betrieb ganz ohne Zuschauer auch denkbar?

Dorner: Nein, das macht keinen Sinn, nicht nur wegen den entgangenen Einnahmen. Auch als Obmann und Funktionär habe ich das immer so gelebt, dass der Verein als gesellschaftspolitischer Beitrag ein Ort der Zusammenkunft sein soll.

Trotzdem könnte speziell in der kalten Jahreszeit die Situation etwa in oder bei der Kantine ein Problem werden, wenn die Abstands- und vor allem Verhaltensregeln nicht eingehalten werden.

Dorner: Es gab zu den nötigen Covid-Maßnahmen gute Aufklärungs- und Informationsveranstaltungen. Das hohe Interesse hat gezeigt, dass die Funktionäre verstanden haben, worum es geht. Keiner nimmt das mehr auf die leichte Schulter. Auf den Sportplätzen, die ich besucht habe, hat alles sehr professionell gewirkt. Da wurden von der Vorbereitung her überall die Maßnahmen getroffen.

Worauf wird es also ankommen?

Dorner: Da breche ich das Thema schon auf die Selbstdisziplin und die Eigenverantwortung herunter. Irgendwo hören die Maßnahmen auf, da macht es auch keinen Sinn, wenn man 20 Ordner durchschickt. Es wird in jedem Fall das Thema des Herbstes werden.

Kann man Zuschauer, die auf den gerade erlebten Sieg der Mannschaft anstoßen wollen und sich nicht mehr mit Covid-19-Maßnahmen beschäftigen, verhindern?

Dorner: Schwer. Ich bin ein Realist und würde lügen, wenn ich sage, dass auf allen Sportplätzen des Burgenlandes der Ein-Meter-Abstand zu hundert Prozent gewährleistet ist und der Spritzer mit einem Stab überreicht wird. Ebenso schwer ist es zu kontrollieren. Alles zusammen dreht sich im Kreis, am Ende des Tages sind wir wieder bei der Selbstdisziplin, auf die muss man hinweisen. Aber man muss das als Verein auch proaktiv vorleben.

Sie sind ausgewiesener Rapid-Fan und auch in dieser Hinsicht voll auf Landeshauptmann-Linie. Wie sehr fiebern Sie eigentlich mit?

Dorner: Die Stadionbesuche haben sich leider auf ein Minimum reduziert. Ich bin auch einmal im Block West gestanden – zwar nicht als Ultra, aber eben noch mehr aktiv dabei. Dann habe ich mich auf der Nord- oder Südtribüne bewegt – alles verändert sich. Aber ein Rapid-Herz bleibt ein Rapid-Herz.