Auch die Restzeit läuft gnadenlos. Die Zeichen gehen klar in Richtung Annullierung, weil Öffnungen nicht in Sicht und zu viele Spiele noch offen sind.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 11. April 2021 (02:13)
Nach wie vor bleiben die Bälle im Sack, was ein mögliches Mannschaftstraining im Erwachsenenbereich
betrifft. Auf der BFV-Anlage am Hotterweg in Eisenstadt gibt es aktuell in Lockdown-Zeiten nur LAZ-Training
inklusive Vorstufe ab U11 – diese Talente-Schiene fällt unter den Spitzensportparagraphen und ist demnach auch weiterhin möglich. Für alle Teams von der Ostliga abwärts heißt es aber: Bitte warten. 
Fenz

Die Suche nach Lichtblicken und Hoffnungsschimmern in Zeiten des verlängerten Lockdowns – bis 18. April wird sich in der Ostregion nichts tun – gestaltet sich immer schwieriger. Das gilt auch für das Meisterschaftsgeschehen im burgenländischen Unterhaus. Nicht falsch verstehen, Perspektiven gibt es in Zeiten wie diesen sehr wohl. Sicher wird früher oder später wieder normal Fußball gespielt werden können. Auch mit Publikum. Stichwort Impfung und Covid-Pandemie-Beruhigung. Der große Haken an der Sache: Dieses Szenario wird sich nach den jüngsten Entwicklungen definitiv nicht mehr für die aktuell unterbrochene Fußballmeisterschaft ausgehen. Von einer Rückkehr zur Normalität sind wir noch ganz weit entfernt.

BFV, BVZ-Grafik/Hammerl

Niemand kann zum jetzigen Zeitpunkt sagen, wann wieder ein Training mit Körperkontakt möglich sein wird. Das ist aber eine Grundvoraussetzung, um überhaupt an Meisterschaftsspiele denken zu können. Und die braucht es wiederum so dringend, um auch eine Wertung schaffen zu können. Denn bislang ist einmal die Hinrunde unterbrochen und noch nicht zu Ende gebracht. Ohne die ist allerdings wiederum keine Wertung möglich, weil sonst noch nicht einmal jeder gegen jeden flächendeckend einmal gespielt hätte.

Mehr noch: Im Burgenland spricht hier die Zahl der ausständigen Partien eine klare Sprache. Gerade einmal 60 Prozent aller im Herbst geplanten Matches konnten stattfinden, wie aus der Grafik auch hervorgeht. Burgenlandweit sind im Landesverbands-Betrieb demnach noch 403 Spiele der Kampfmannschaften offen. Erst dann wären wir bei der Hälfte des Programms, das laut den Bestimmungen das Minimum für eine Wertung wäre. Dieses 50-Prozent-Kriterium gab der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) im Vorfeld der neuen Meisterschaft an, auch der Burgenländische Fußballverband (BFV) verankerte dieses Muss in seinen (Covid-)Bestimmungen.

BFV-Vorstandssitzung auf 16. April verschoben

Um über 400 Matches noch austragen zu können und gleichzeitig nicht bis weit in den Sommer hinein spielen zu müssen, braucht es eben eine rasche Perspektive. Vier Wochen Trainings-Vorlaufzeit wären nötig, um dann starten zu können. All diese Eckpfeiler einer vernünftigen Vorgehensweise sind noch nicht einmal in Sichtweite. Nicht zuletzt weil aufgrund der prekären Situation auf den Intensivstationen und der ansteckende(re)n britischen Covid-Mutation dieses Thema im politisch-gesellschaftlichen Kontext hinten ansteht. So weh das den Protagonisten auch tun mag: Es gibt aktuell einfach Wichtigeres.

Und doch ist es verständlich, dass die vielen Vereinsvertreter von Verbandsseite Unterstützung in Form von Infos und einer Stoßrichtung erhalten wollen. Diesbezüglich plante man seitens des BFV-Vorstands am morgigen Freitag (9. April) eine Sitzung, um dann mehr (Entscheidungs-)Klarheit in die so ungewisse Lage zu bringen. Diese wurde nun um eine Woche nach hinten verschoben und soll am 16. April steigen. „Wir sind mitten im Lockdown. Da wäre es das falsche Zeichen jetzt eine Sitzung abzuhalten. Vor allem haben wir durch die jüngsten Entwicklungen auch noch gar keine Infos, wie und wann es weitergehen soll. Es würde also überhaupt keinen Sinn machen. Die Hoffnung besteht, dass eine Woche später die eine oder andere Ankündigung für etwaige Öffnungsschritte erfolgt und wir unsere Überlegungen dann danach orientieren können. Dann wäre es auch möglich, sich vorausblickend und richtungsweisend beraten zu können“, sagt BFV-Geschäftsstellenleiter Karl Schmidt.

Fakt ist ohnehin, dass das Zeitfenster kleiner und kleiner wird, um die Meisterschaft noch zu retten. Auch die Regierungs-Signale für mögliche – generelle – Öffnungen gehen sich beim angekündigten Zeitrahmen nicht vor Mai aus. Da wird dann der organisierte Fußballsport keine Ausnahme sein. Also muss der Gürtel des Möglichen noch enger geschnallt werden.

Der Vorstand des Niederösterreichischen Fußballverbands (NÖFV) hat vor einiger Zeit schon als letztmögliches Datum, um mit dem Training zu beginnen, den 18. April fixiert. Jenen Tag, der in der Zwischenzeit als aktualisierter Schlusspunkt des Ostregion-Lockdowns verankert ist. Falls es dann nicht möglich ist, dass die Mannschaften auf die Plätze zurückkehren können, wird die Meisterschaft abgebrochen und annulliert. Dass ab 19. April voll trainiert werden darf, kann nach all den Erfahrungen aus der Vergangenheit ausgeschlossen werden. So rasch wird es nicht gehen, was etwaige Öffnungen betrifft.

Wie auch immer sich die Kickerfamilie in Niederösterreich nun entscheiden wird: Im Burgenland gibt es so ein Datum nicht, auch wenn die Faktenlage klar ist. „Wir haben zwar hier keine Entscheidungsnotwendigkeit und können uns daher noch besser nach den Entwicklungen richten, aber es wird dann ohnehin zu eng bis hin zu einfach nicht mehr möglich, um die Hinrunde fertigzuspielen“, will Schmidt gar nicht erst groß spekulieren.

Im derzeit gültigen Zeitrahmen wird auch der BFV an seine Grenzen stoßen. Das wissen die Protagonisten. Und darüber hinaus? Alles, was jetzt noch bahnbrechend-grundlegende Änderungen des laufenden Meisterschaftskonstrukts betrifft, um die Saison noch zu retten, wäre Sache des ÖFB. Am 30. April tritt das Präsidium als höchstes Entscheidungsgremium zu einer Sitzung zusammen. Wenn, dann könnte hier in diesem Rahmen noch etwas beschlossen werden. BFV-Präsident Gerhard Milletich: „Natürlich kann man über alles nachdenken, wir wollen ja schließlich eine Wertung schaffen. Aber da wir von den Verordnungen abhängig sind und die Lage nach wie vor völlig unklar ist, sollte nicht nur die aktuelle Saison berücksichtigt werden. Wichtig ist, am Boden des vorhandenen Regulativs zu bleiben und vor allem dann auch wieder eine normale Meisterschaft für die neue Saison zu gewährleisten – sonst ziehen sich die Probleme wie eine Never-Ending-Story weiter.“