Helm: Der Bodenständige und sein Aufstieg nach Plan. Stephan Helm tritt in St. Pölten erstmals als Cheftrainer auf. Werte wie Bescheidenheit und hohe Ambition sollen langfristig zusammengeführt werden.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 19. Juni 2021 (03:08)
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Trainerduo. Stephan Helm (l.), mit der UEFA A-Lizenz ausgestattet, ist am Papier der neue Chefcoach beim SKN St. Pölten. Emanuel Pogatetz, er besitzt die B-Lizenz, steht ihm zur Seite – in der Praxis will das Duo aber komplett auf Augenhöhe am gemeinsamen Erfolg mit der Mannschaft basteln.
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Pamhagen – Wien – Zürich – Linz – St. Pölten. Auf dieser rund 1.500 Kilometer langen Linie entwickelte sich der bisherige berufliche Werdegang von Stephan Helm. Davor Spielertrainer in seiner Heimatgemeinde Pamhagen, Sport- und Geschichte-Lehrer am Gymnasium Neusiedl/See und Videoanalyst bei Sky Sport Austria, ging die Reise Anfang 2018 in eine neue berufliche Welt los. Dreieinhalb Jahre später, nach Stationen als Videoanalyst bei der Austria, Co-Trainer bei Grasshoppers Zürich, Trainer der dortigen Zweiermannschaft und Offensivtrainer beim LASK, ist der mittlerweile 38-Jährige tatsächlich in der ersten Reihe angekommen. Stephan Helm ist neuer Coach bei Bundesliga-Absteiger SKN St. Pölten. „Ich freue mich sehr auf diese Aufgabe und bin bereit. Bislang ist in meiner Karriere alles soweit nach Plan abgelaufen – mein Ziel war es jedenfalls immer schon als Trainer eine Mannschaft zu übernehmen.“

Nicht nur das. Der Burgenländer wird diese Tätigkeit gemeinsam mit Emanuel Pogatetz antreten, den er seit seiner Zeit beim LASK kennt – und schätzt. „Ich habe schon damals vom ersten Tag an gemerkt, dass wir total auf derselben Wellenlänge sind. Unsere Zusammenarbeit ist geprägt von gegenseitiger Wertschätzung, jeder hat Interesse am Wissen und Werdegang des anderen. Wir haben bereits beim LASK exrem viel gemeinsam umgesetzt, sämtliche Abläufe sitzen schon“, so Helm, der aufgrund seiner A-Lizenz offiziell Cheftrainer ist.

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Relegation 2011 gegen die Vienna (links, gegen den damals 22-jährigen Philipp Hosiner). Später startete folgte dem Coach dann als Co-Trainer zu Grasshoppers Zürich, um später als Chef das Zweierteam der nun weiter zum SKN St. Pölten zog. Dort wird er das Team mit Emanuel Pogatetz betreuen.
zVg, zVg

Das Konstrukt, auf Augenhöhe mit einem Kollegen zu arbeiten, kennt er ohnehin bereits sehr gut. Als das chinesische Fosun-Unternehmen im Frühjahr 2020 bei den Grasshoppers einstieg und sich der Traditionsklub im Umbruch befand, rückte der damalige U21-Trainer Helm in der Covid-Restsaison für die verbleibenden 13 Spiele wieder zu den Profis auf, wo er gemeinsam mit Zoltan Kadar aktiv war. „Diese Tätigkeit ist zwar nirgends erfasst worden, aber es war eine sehr gute partnerschaftliche Zusammenarbeit mit ihm,“ erinnert sich Helm gerne zurück. Aber auch die Zeit beim LASK will er, der als Spieler vor allem defensive Qualitäten hatte und nun als Coach lieber offensiv denkt, in keinster Weise missen. „Ich habe dem Verein wirklich viel zu verdanken, alles hat super funktioniert – und man hat mir keinerlei Steine in den Weg gelegt.“

Denn dem Ruf aus St. Pölten wollte Stephan Helm einfach folgen. Zu groß und attraktiv ist die Herausforderung, nach dem Abstieg aus der Bundesliga nun wieder etwas Neues Richtung Wiederaufstieg aufzubauen. „Das ist ein großer Verein, bei dem ich Verantwortung und auch einen Handlungsspielraum habe. Die Aufgabe ist richtig interessant und ich hatte ein sehr gutes Gefühl bei den Gesprächen.“ Auch wenn freilich noch nicht klar ist, wie schnell das Unterfangen „zurück in die Bundesliga“ in die Tat umgesetzt werden kann. Das weiß auch der neue Trainer: „Alle haben den nötigen Realitätssinn. Es ist wichtig, klare Vorstellungen zu haben, aber ein genaues Ziel bezüglich Aufstieg zu definieren, wäre jetzt unseriös. Die Zusammenstellung der Mannschaft läuft derzeit auf Hochtouren, aber erst wenn die sich findet und klar ist, was sie leisten kann, machen Ziele Sinn. Jeder will natürlich den schnellstmöglichen Erfolg, aber es braucht auch eine gewisse Nachhaltigkeit, um einen stabilen Erfolg zu gewährleisten. Fakt ist, dass der SKN als Adresse langfristig in die Bundesliga gehört.“

„Will eine Mannschaft, die energiegeladen ist“

Beim Projekt Wiederaufstieg – früher oder später soll der schließlich gelingen – sind Helm auch bestimmte Werte besonders wichtig, inklusive des sportlichen Auftretens. „Da geht es um Bescheidenheit, gleichzeitig aber auch um eine hohe Ambition, ein gemeinsames Gesicht und eine klare Spielidee. Ich will eine Mannschaft, die energiegeladen ist und proaktiv Fußball spielt.“

Mit Pogatetz habe er einen „kongenialen Partner“. Der ehemalige LASK-Offensivtrainer Helm und der LASK-Defensivtrainer Pogatetz wollen sich hier punktgenau für das große Ganze einbringen. Die 160 Kilometer, die nun zwischen St. Pölten und Pamhagen verbleiben, werden übrigens nicht zur täglichen Pendelstrecke von Helm. Er wird, wie das schon bei seinen Stationen in Zürich und Linz der Fall war, mit seiner Familie vor Ort eine Wohnung beziehen. „Es ist eine Spur zu weit, um immer hin und her zu fahren. Außerdem verbringe ich auch viel Zeit im Büro, da schätze ich dann die kurzen Wege, um die restliche Zeit mit der Familie verbringen zu können.“ Verlassen kann er sich hier auf die Unterstützung seiner Frau Melli, „die zu 100 Prozent hinter mir steht“. Dazu seien die beiden Kinder Florian (4) und Alma (eineinhalb Jahre) „in einem Alter, wo sie unbewusst flexibel sind“, wie Helm schmunzelnd erwähnt.

Die Nähe zur Familie sei jedenfalls ein wesentliches Puzzlestück zum Wohlfühlfaktor, weshalb nun eben der neue Lebensmittelpunkt für alle St. Pölten sein wird. Zumindest an freien Tagen ist aber künftig ein Abstecher ins Eigenheim nach Pamhagen noch einfacher als bisher drin. So viel Heimatverbundenheit muss schon sein.