Ziemlich beste Freunde. Markus Kuster gefällt es auch als Zweiergoalie beim Karlsruher SC richtig gut. Nicht zuletzt aufgrund der entstandenen Freundschaft zum Einser Marius Gersbeck.

Von Bernhard Fenz. Update am 10. April 2021 (08:08)
Markus Kuster, Marius Gersbeck und KSC-Tormanntrainer Markus Miller (v.l.).  
GES/Helge Prang

Wie bitteschön kann man sich da fühlen? Jahrelang, Woche für Woche, hütet Markus Kuster als Einser beim SV Mattersburg das Tor, baut Spielpraxis ohne Ende auf, ist unumstritten. Und dann das. Im Sommer, noch bevor der SVM nach dem Commerzialbank-Skandal rund um Präsident Martin Pucher in seine Einzelteile zerfiel, wechselt er ablösefrei nach Karlsruhe.

Die zweithöchste Liga Deutschlands kennt der 27-Jährige rein sportlich gesehen bislang aber nur von der Ersatzbank aus. Dort befindet er sich, weil Trainer Christian Eichner Marius Gersbeck (25) am Ende der Vorbereitung für die neue Saison den Vorzug gab und ihn zum offiziellen Einser ernannte. Kuster ist somit die Nummer zwei. Wer aber glaubt, er bereut den Schritt, der irrt. „Ich unterscheide meine Zeit hier in die sportliche Ebene – die ist natürlich nicht zufriedenstellend – und in die persönliche Ebene. Da passt einfach alles, ich habe mit dem Wechsel nach Karlsruhe sicher den richtigen Schritt gesetzt.“

Warum das so ist, begründet sich auch damit, dass die zweifellos schwer zu verdauende sportliche Entscheidung mittlerweile längst gut verträglich ist. „Marius bringt einfach sehr gute Leistungen, und bei der Mannschaft läuft es – diese Fakten sind wertvoll. Es ist das Akzeptieren, das mir geholfen hat.“

Permanent auch auf den Tag X vorbereitet sein

Noch viel wichtiger scheint: Das menschliche Klima stimmt, vor allem beim Arbeitsalltag. „Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu Marius. Vom ersten Tag an ist er auf mich zugekommen, auch als noch offen war, wer in der neuen Saison im Tor stehen wird. Wir unternehmen auch privat einiges, unsere Freundinnnen verstehen sich sehr gut, das alles passt einfach.“

Ungewöhnlich ist die freundschaftliche Konstellation vor allem deshalb, weil Gersbeck/Kuster trotz allem beruflich in direkter Konkurrenz um den einen Platz im Tor des KSC stehen. Das Spannungsfeld ist einfach nicht wegzuleugnen, vor allem der Umstand, als langjährige Nummer eins nun in der Warteposition auf einen Einsatz zu sein. Gleichzeitig weiß Kuster, dass er von Österreichs Bundesliga nicht in eine bessere Hobbyliga, sondern in die zweithöchste Spielklasse Deutschlands gegangen ist. „Das Umfeld, die Ansprüche, das ist hier trotzdem einfach eine andere Welt. Vom Gesamtpaket ist das gar nicht zu vergleichen mit Mattersburg.“

Hier will sich der Nordburgenländer beweisen, auch wenn seine Qualitäten in einem Pflichtspiel bislang eben noch nicht gefordert waren. In der 18. Runde sah es bereits ganz danach aus, dass der aus Pama stammende Profi am 27. Jänner daheim gegen Hannover seine Premiere in der 2. Bundesliga feiern würde. Gersbeck war im Vorfeld des Heimspiels erkrankt. Am letzten Drücker wurde er aber doch noch fit – und spielte. Abgehakt. Hier hat Kuster der menschliche Reifeprozess gut getan. Auch Geduld ist schließlich eine wichtige Tugend. „Früher habe ich viele Dinge zu ernst genommen. Jetzt bin ich generell lockerer geworden, ohne aber den Fokus zu verlieren.“

Hinzukommt in diesem Kontext auch ein reflektierter Zugang auf die Dinge: „Einen Wechsel nach Deutschland wollte ich schon immer, ich lebe trotzdem meinen Traum und fühle mich richtig wohl.“ Auch der Umstand, dass seine Freundin Hanna Jauck den bisherigen Lebensmittelpunkt der beiden von St. Georgen nach Karlsruhe zu verlegen, mitgegangen ist, trägt zum allgemeinen Wohlbefinden bei.

Aktuell in Mannschafts-Quarantäne

Fehlen also nur noch Einsatzminuten beim Arbeitgeber für das sportlich-persönliche Top-Feeling. Längst weiß Markus Kuster aber mit dieser Situation entsprechend umzugehen. Das ist schließlich der Deal im Tormann-Geschäft. „Du musst permanent auf den Tag X, wenn du dann eingesetzt wirst, vorbereitet sein. Das bin ich.“

Bis auf weiteres muss sich allerdings nicht nur Kuster gedulden. Corona-bedingt wurde das für Samstag geplante Duell des Tabellen-Sechsten beim Fünften Fortuna Düsseldorf abgesagt. Die gesamte KSC-Mannschaft muss somit auf Einsatzminuten verzichten und befindet sich in Quarantäne. Das ist wiederum der Deal in Pandemie-Zeiten.