Nur noch ein Team hält die Fahne hoch. Güssing-Jennersdorf erkämpft im Halbfinale ein entscheidendes drittes Spiel. Mattersburg ist raus und blickt schon nach vorne.

Von Malcolm Zottl. Erstellt am 23. April 2021 (03:23)
Jakob Ernst verlangt für das entscheidende Spiel eine harte Defense seiner Blackbirds.
Marousek

Zumindest für eine Runde bleibt das Burgenland noch im Play-off der Zweiten Basketball-Bundesliga vertreten. Durch einen Auswärtssieg in Tirol haben die Güsing-Jennersdorf Blackbirds am kommenden Samstag noch die Chance auf den Finaleinzug. Für die Mattersburg Rocks ist die Reise nach einem 0:2 gegen Aufstiegsaspirant Fürstenfeld zu Ende.

SWARCO RAIDERS - GÜSSING-JENNERSDORF BLACKBIRDS 75:80.

Nach der Heimniederlage in der Vorwoche war Wiedergutmachung angesagt. Die Reaktion hat Headcoach Daniel Müllner gefallen: „Das war super, aber es war nicht einfach, mit dem Druck umzugehen.“ Auch wenn die Tiroler in der Schlussphase noch einmal herankamen, am Ende war der Sieg der Güssinger in der Ferne doch überzeugend.

„In jedem Spiel gibt es immer Ups-and-Downs, aber wir haben deren Runs abgewehrt. Wir waren einfach härter in der Defensive“, erklärte Müllner. Für Jakob Ernst (21 Punkte) ist die eigene Defensive sowieso der Hauptgrund für den Erfolg der Güssinger. Diese Aggressivität benötigt es auch im entscheidenden dritten Spiel des Halbfinales am Samstag um 18 Uhr in Güssing. „Wir werden wie beim letzten Match sehr aggressiv auftreten. Der Schlüssel zum Sieg ist die Defense, darüber finden wir unseren Flow“, erklärte Ernst, der nun seit zwei Jahren ein fixer Bestandteil der Mannschaft ist und sich stetig verbesserte.

Jakob Ernst: „Das ist unsere Halle“

Für den Krottendorfer mangelte es im verlorengegangenen Spiel eins besonders an einem: „Da hat es einfach an der Konzentration gefehlt. Wenn wir am Samstag aber so spielen, wie zuletzt in Innsbruck, dann haut das mit dem Aufstieg hin. Das ist unsere Heimhalle, das Match geben wir nicht auf“, gibt sich Ernst vor dem Aufeinandertreffen kämpferisch.

Superliga kein Ziel für den Youngster

Der talentierte 23-Jährige ist in Güssing mittlerweile mehr als nur angekommen. Während Jakob Ernst seine ersten Schritte noch bei den Güssing Knights sammelte, kam er über die steirischen Umwege Fürstenfeld und Graz wieder nach Güssing zurück. In einem möglichen Finale würden auch eben diese Fürstenfelder auf die Blackbirds warten. „Das wäre natürlich ein besonderes Spiel“, freut sich Ernst. „Das Team hat mir sehr geholfen hier, ich spiele nicht nur um zu scoren. In der zweiten Saison bei den Blackbirds ist es für mich jetzt leichter. Ich will Verantwortung übernehmen“, führt Ernst weiter aus. Als junger Österreicher ist man auf dem Basketballtransfermarkt natürlich immer sehr begehrt, Sorgen um einen Abgang muss sich Güssing jedoch eher keine machen, wie der Student verrät: „Die Bundesliga ist aktuell kein Ziel für mich.“

Müllner: „Jede Serie muss einmal enden“

Für das entscheidende Duell in Güssing liegt der Fokus bei den Blackbirds noch nicht auf einem möglichen Finale. „Wir schauen nur auf Samstag. Die Tiroler werden uns alles abverlangen“, mahnt Headcoach Daniel Müllner. Bis jetzt konnten die Swarco Raiders jedes Duell im Aktivpark für sich entscheiden, im Gegenzug die Güssinger alle Spiele in Tirol. „Güssing liegt den Tirolern, uns Innsbruck aber auch. Aber jede Serie muss einmal enden“, schmunzelt der Headcoach.

Sebastian Koch ging angeschlagen aus dem Match in der Ferne, wird aber zusammenbeißen und mit dabei sein. Zuletzt agierte der großgewachsene Koch mehr auf dem Flügel – ein taktischer Kniff, wie der Headcoach Daniel Müllner verriet: „Ich habe etwas das System umgestellt, damit die Match-ups auch richtig passen.“ Das fiel auch den beiden Live-Kommentatoren des Streams aus Tirol auf. Trotz aller Konkurrenz gab es nur lobende Worte für „Big Man“ Sebastian Koch: „Ein Basketballvirtuose, das ist richtige Kunst und einfach geil zum Zuschauen“, wurde der Güssinger nach seinem starken Auftritt gelobt.

RAIFFEISEN MATTERSBURG ROCKS - FÜRSTENFELD PANTHERS 58:62.

Während die Südburgenländer weiterhin von der Titelverteidigung träumen dürfen, die Blackbirds gewannen in der letzten regulär beendeten Meisterschaft 2019 ja das Endspiel gegen St. Pölten, ist die Mattersburger Titel-Mission gescheitert. Damit geht der Halbfinal-Fluch weiter, zuletzt überstanden die Rocks 2016 die Runde der letzten Vier. „Ich bin so enttäuscht“, schnauft der spielende BKM-Obmann Corey Hallett. Fürstenfeld sorgte mit einer starken ersten Hälfte für eine Vorentscheidung. Die Mattersburger Aufholjagd blieb unbelohnt, wie schon im ersten umkämpften Spiel der Halbfinalserie.

Ohne Spielmacher fehlte Rhythmus

Die Kraft zu analysieren, warum es nicht mit der Final-Teilnahme klappte, hatte Hallett bisher noch nicht: „Ich habe mir das Video gar nicht angeschaut.“ Trainer James Williams machte das dreimal, so richtig schlau wurde aber auch er nicht. Dabei liegt einer der Hauptgründe ohnehin auf der Hand. Point Guard Claudio Vancura wurde nach seiner Erkrankung gegen Ende des Grunddurchgangs nicht rechtzeitig fit, fehlte den Rocks an allen Ecken und Enden. „Als ich gehört habe, dass es bei Claudio länger dauert, habe ich mir schon große Sorgen gemacht“, kam Halletts schlechtes Bauchgefühl nicht von ungefähr: „Wir haben richtig gekämpft, aber seit der Rückkehr aus der Coronapause haben wir nie mehr einen richtigen Rhythmus gefunden. Das muss ich zugeben“, seufzt Hallett.

Ein Satz, der wohl auch für die gesamte Saison Gültigkeit hat. Mattersburg kam in dieser Spielzeit einfach nie so richtig ins Laufen. Jedes Erfolgserlebnis brauchte viel Kraft und Arbeit. Das begann laut Hallett bereits im vergangenen Sommer. Als im wahrsten Sinne des Wortes über Nacht die Commerzialbank als Hauptsponsor wegbrach.

Planungen beginnen in allen Bereichen

„Da hatte ich einige schlaflose Nächte“, erinnert sich der Vereinsboss, der mit der Raiffeisenbank einen neuen starken Partner fand: „Das ist sogar noch eine viel bessere Lösung. Wir können stolz sein, so einen Sponsor zu haben. Sie haben unser Überleben gerettet“, dankt Hallett und möchte mit Raiffeisen längerfristig zusammenarbeiten.

Auch sportlich will Hallett schnellstmöglich Klarheit für die nächste Saison haben. Nach einer Woche Pause gibt es bereits am Samstag die erste Besprechung. Erster Ansprechpartner ist Trainer Williams. „Er hat die Mattersburg Rocks im Herzen, so lange ich Obmann bin und er möchte, wird er hier Trainer sein“, macht Hallett keinen Hehl daraus, mit Williams weitermachen zu wollen. Am Spielersektor könnte es zumindest eine kleine Frischzellenkur geben, das wird sich in den nächsten Wochen entscheiden.

„‚Papa was ist los? Ich wollte schon diesen Pokal.‘ Mehr Motivation brauche ich nicht.“ Corey Hallett erzählt, wie ihn sein Sohn anstachelte

Ob Hallett selbst – immerhin wird er Anfang Mai 37 Jahre alt – überlegt, aufzuhören? Noch nicht: Auch wenn das Alter nicht spurlos am Big Man vorbeigeht. Doch eine Person spornte ihn schon wieder an: „Nach dem Spiel gegen Fürstenfeld ist mein Sohn zu mir gekommen und hat gefragt: ‚Papa was ist los? Ich wollte schon diesen Pokal.‘ Mehr Motivation brauche ich nicht“, grinst der spielende Klubchef, der den Titelgewinn immer als Ziel ausgab, für die Fans und für die Sponsoren der Rocks. Dann eben nächste Saison, wenn hoffentlich auch wieder Fans in die Halle dürfen: „Ich genieße es sehr, vor meiner Familie und meinem Freundeskreis zu spielen. Das möchte ich schon noch einmal machen und dann vielleicht nachher einen wichtigen Derbysieg im Peacock feiern“, so die schmunzelnde Ansage.

Dinge, nach denen nicht nur die Sportler, sondern auch die Fans lechzen. Hallett glaubt, dass dieser Traum im Herbst wieder in Erfüllung gehen könnte, zumindest sind die unbekannten Variablen nach einem Jahr Pandemie weniger geworden. „Letztes Jahr haben wir alle nicht gewusst, wie es ist, in einer leeren Halle zu spielen oder Sicherheitskonzepte umzusetzen. Jetzt wissen wir das“, kann er in diesem Juli wohl besser schlafen, als in jenem des Vorjahres. Wenngleich die derzeitige Situation nicht zur Dauerlösung werden darf, das betont der BKM-Häuptling ganz eindeutig. Ihm gehe es vor allem darum, dass der Nachwuchs wieder dem Basketball nachjagen kann. Dafür scheuen die Rocks auch vor kreativen Ideen nicht zurück. Nach dem Ende des Lockdowns am Montag kehrten die jungen Rocker ins Outdoor-Kleingruppentraining mit Abstand zurück. „Wir machen alles, was irgendwie möglich ist“, bekräftigt Hallett, dass die Kids Priorität eins sind.