Einzeltraining? Die Mehrheit verzichtet drauf!. Die BVZ hörte sich bei den Teams aus der Gruppe Mitte bezüglich Individualtraining um. Das Ergebnis: Nur wenige machen davon auch Gebrauch.

Von Daniel Hahofer, David Schweighofer, Dietmar Heger und Maximilian Wiesler. Erstellt am 14. März 2021 (01:33)
Burgenlandliga. Die Spieler des FC Deutschkreutz würden gerne wieder ihrem Hobby nachgehen. Man überlegt eine individuelle Einheit pro Woche als Ergänzung zum Heimtraining anzubieten.
Weber, Weber

Die mit Spannung erwartete Pressekonferenz der Bundesregierung am 1. März brachte für den Kinder- und Jugendfußball mit einer Lockerungs-Ankündigung ab 15. März (die Verordnung gibt es aktuell aber noch nicht) nach monatelangem Warten eine erste Perspektive. Für den Amateurfußball gab es nicht die erhofften Öffnungsschritte. Auch die Beteuerung von ÖFB-Präsident Leo Windtner weiter daran zu arbeiten, verantwortungsvolle Lösungen für die zahlreichen Amateurvereine zu finden, hilft aktuell nicht viel weiter. Die Ungeduld bei Funktionären, Trainern und Spielern steigt zusehens. Darum wird derzeit bei einigen Klubs über das „ungeliebte“ Individualtraining, das eigentlich schon seit der letzten Schutzmaßnahmen-Verordnung vom 8. Februar 2021 möglich wäre, nachgedacht. Andere wiederum halten absolut gar nichts von dieser Möglichkeit, da schlicht und einfach die Perspektive fehlt. Die BVZ hörte sich bei den Vereinen von der 2. Klasse Mitte bis in die Burgenlandliga um.

In der 1. Klasse Mitte sehen unzählige Trainer keinen Sinn dahinter, Individualtrainings mit einzelnen Spielern abzuhalten. Unterschiedliche Faktoren verursachen hierbei allgemeine Skepsis. Beispielsweise in Pöttsching wurden diesbezüglich Gespräche geführt, allerdings ist man sich weiterhin unsicher. „Wir wollen uns komplett absichern und uns darüber informieren, was genau möglich ist. Wir möchten keine Anzeigen riskieren“, erklärt etwa Trainer Markus Buchner. Individuelles Training mit einem einzigen Spieler empfindet aber auch er als sinnlos. „Kann man vergessen. Wer tut sich das an?“, antwortete der Großteil der befragten Übungsleiter.

Vereine wünschen sich Planungssicherheit

Stoob-Coach Günther Schiffer erklärt Individualtrainings schlichtweg als „nicht machbar. „Es ist nicht möglich, auf diese Art und Weise jedem einzelnen Spieler ein anständiges Training zu garantieren“, so der Routinier auf der Trainerbank. Wolfgang Werkner, Coach des SC Kroatisch-Geresdorf, teilt diese Ansichten. „Torwart-Training wäre möglich, alles andere weniger.“

Aufgrund der allgemeinen Zweifel am Konzept „Individualtraining“ setzt man vereinzelt auch weiterhin auf das Heimtraining der Kicker. „Wir ermöglichen unserem Kader ein wöchentliches Online-Workout. Nicht nur, um die Spieler fit zu halten, sondern auch, um den regelmäßigen Kontakt aufrechtzuerhalten und sich auszutauschen“, erklärt Kobersdorf-Betreuer Hannes Pleva. Abgesehen von den streng limitierten Trainingsmöglichkeiten, wird mittlerweile auch die Fortsetzung der Saison in der gesamten Liga stark angezweifelt.

„Der Start wird solange hinausgezögert, bis es nicht mehr möglich sein wird, zu spielen“, beklagt Schiffer. „Keiner weiß, wie es weitergeht. Zweifel regiert auch bei Philipp Schordje, Trainer von 2. Klasse Mitte-Klub Sieggraben. Dieser meint: „Ich würde Einzeltrainings ja prinzipiell anbieten, aber für mich macht es keinen Sinn. Die Spieler wären auch bereit dafür. Aber mit der Ungewissheit, wann es weitergeht, ist es schwer, sich auf ein Ziel zu fokussieren. Ich gehe auch davon aus, dass wir die Saison nicht fertigspielen – nicht einmal die Hinrunde.“ Besonders bedauerlich wäre dies für Tabellenführer Antau. Dessen Obmann, Karl Gerdenich, der selber auch kickt, und seine Teamkollegen halten sich aktuell mit Heimtraining fit: „Bei uns gibt es kein Einzeltraining, dafür eine Lauf-Challenge, bei der viele Spieler auch richtig fleißig dabei sind.“

Für Wiesens Obmann Roman Pinter steht ein Einzeltraining vorerst auch nicht zur Diskussion: „Wenn wir nicht spielen, dann macht auch eine individuelle Einheit keinen Sinn. Wir warten leider weiter auf Konkretes vom Verband.“ Diese Meinung teilt auch der Raidinger Coach, Toni Drabeck: „Ein Einzeltraining ist für uns nur schwer durchführbar. Der Großteil der Spieler ist berufstätig, das wäre aus Zeitgründen sehr problematisch. Viel wichtiger wäre so schnell wie möglich Planungssicherheit, damit wir uns zumindest ein wenig orientieren können. Wir wollen ja alle wieder Fußball spielen.“

Und auch Hirms Vereinsboss Christian Wöhl kann dem Einzeltraining nicht viel abgewinnen: „Das ist eine liebe Idee, aber dort, wo wir spielen, geht es um die Mannschaft. Da geht’s um Fußballspielen und nicht um Reckturnen.“

Dörfls Trainer Wolfgang Weber stößt ins selbe Horn: „Für mich macht es nur dann einen Sinn, wenn man auch ein Ziel hat. Und das fehlt doch im Moment, wenn man nicht weiß, wie und wann es weitergeht. Leider kommt vom Verband wenig, auch Vereine werden nicht gefragt. Es fehlt aus meiner Sicht die Kommunikation.“

2. Liga-Klubs machen teilweise Gebrauch

In der 2. Liga Mitte gehen die Meinungen indes auseinander. Einige Vereine ziehen das Individualtraining durchaus in Erwägung. Für SC Neudörfl-Coach Thomas Wallner war Einzeltraining sogar schon konkret Thema: „Es wäre sogar schon geplant gewesen. Da jedoch die Spieler die Kabinen momentan ja nicht nutzen können, warten wir noch, bis es mit dem Wetter besser wird, und behalten die Möglichkeit im Hinterkopf.“ Auch für Forchtenstein-Trainer Andi Feurer ist das Individualtraining in Zukunft durchaus eine Option: „Wir ziehen es in Erwägung, wägen momentan aber noch ab, ob es organisatorisch möglich und sinnvoll ist. Voraussetzung für mich wäre ein aktueller und natürlich negativer Test für alle Spieler und Trainer.“

Der SV Schattendorf ist schon weiter. Seit Montag bietet der Tabellenzweite sechs Tage die Woche Individualtraining am Platz an. „Unsere Trainer Alfred Wagentristl, Christian Freiler und Martin Horvath teilen sich das auf. Die Einheiten finden am Nachmittag, sprich bei Tageslicht, statt, damit wir das Flutlicht nicht überstrapazieren. Bei wem es sich nicht ausgeht, der macht weiter vorgegebenes Heimtraining. Die Jungs sind fleißig und ziehen voll mit. Ich möchte auch ein großes Dankeschön an die Trainer richten, dass sie das anbieten“, so SVS-Obmann Alexander Bernhardt.

Marz-Trainer Lorandt Schuller hat sich darüber noch keine Gedanken gemacht: „Ich habe noch gar nicht über Individualtraining nachgedacht. Wenn einer will, mache ich es mit ihm gerne. Aber zu zweit kannst du nicht viel machen. Es geht vielleicht einmal, zweimal, dreimal, irgendwann wird es allerdings fad.“

Zurück auf dem Platz: Für Heinz Kremser und sein Trainerteam geht es seit dieser Woche wieder auf den Platz zurück. Der SC Bad Sauerbrunn startete mit Individualtraining.
Martin Ivansich, Martin Ivansich

Viele 2. Liga-Vereine stehen dem Individualtraining kritisch gegenüber. Der Aufwand würde sich bei den meisten einfach nicht auszahlen. So sieht das auch Rohrbach-Trainer Karl Rupprecht: „Ich sehe den Sinn nicht, einen Spieler von Wien herzuzitieren und dann 30 Minuten mit ihm Runden zu laufen.“ Oberloisdorfs Alexander Martna: „Wir haben uns darüber keine Gedanken gemacht. Die Jungs sind im Heimprogramm.“ So sieht das auch der SC Oberpullendorf und Obmann Daniel Art: „Aktuell ist das kein Thema. Die Jungs sind im vom Trainerteam vorgegebenen Heimtraining.“ Lackenbachs Trainer Gerhard Karoly sprach sich ebenfalls gegen Individualtrainings aus: „Wir sind kein Profiklub und ich kann mich nicht 17 Stunden am Tag auf den Sportplatz stellen.“

Und auch am Tabellenende wird wohl kein Gebrauch vom Individualtraining gemacht werden, denn SC Lockenhaus-Rattersdorf-Trainer Edi Stössl meinte dazu: „Wir nehmen Abstand vom Individualtraining. Für mich lebt der Fußball von der Mannschaft und dem Sozialen und das ist so nicht gegeben.“ Zu den Legionären aus Ungarn: Die halten sich in der Heimat, solange es erlaubt ist, gemeinsam fit, trainieren zusammengewürfelt. Dabei prescht Steinbergs Akos Kozmor vor, er gründete gemeinsam mit Freunden eine Trainingsgruppe (mehr dazu siehe Seite 52).

Burgenlandligisten noch unschlüssig

Die Burgenlandligisten aus dem Bezirk Oberpullendorf trainieren derzeit noch nicht individuell, sind noch im Heimtraining. Die Tendenz geht aber Richtung Aufnahme des Trainings, in welcher Form auch immer. „Die Spieler sehnen sich schon nach dem Platz und dem Ball“, erklärte Deutschkreutz-Trainer Didi Heger, der aber zu bedenken gab: „Das ist eine Grauzone, die Verordnungen werden überall anders ausgelegt. So wird das Ganze zur Frage, ob das „Risiko“ einer etwaigen Anzeige, ob begründet oder nicht, dafür steht. Der Vorstand muss entscheiden, ob und wann gestartet wird.“ In Ritzing wird das Thema schon konkreter, wurden schon erste Planungen ausgearbeitet. Manager Mario Posch: „Wir haben – in Anlehnung an die gesetzlichen Verordnungen – ein genaues Konzept ausgearbeitet, wie so ein Individualtraining aussehen könnte. Zunächst werden wir uns intern beraten, ob dieses organisatorisch durchführbar ist und dann werden wir das Konzept an die Behörden schicken und es genehmigen lassen (siehe dazu auch Seite 53).

Beim Schlusslicht Oberpetersdorf/Schwarzenbach ist Individualtraining derzeit noch kein Thema, wie Trainer Markus Schmidt bekräftigt: „Wir haben nicht die personellen Ressourcen wie andere Vereine, können nicht die nötigen Trainer stellen. Außerdem ist es meiner Meinung nach nicht zielführend, solange nicht bekannt ist, wann und ob die Meisterschaft weiter geht. Ich hoffe, dass es bald irgendeine Aussage vom BFV gibt.“ Auch in Horitschon verzichtet man auf ein Individualtrainings-“Experiment“. „Wir planen derzeit weiter nur in Sachen Heimtraining. So lange es keinen Zeithorizont gibt, an dem es weiter geht, macht es einfach keinen Sinn“, brachte es der sportliche Leiter Joel Putz auf den Punkt.

In Bad Sauerbrunn wird bereits trainiert: „Wir haben in dieser Woche das Einzeltraining gestartet, mit vier Trainern und vier Spielern pro Einheit. Das Ganze findet fünf mal pro Woche statt, sodass jeder Spieler der 1a, 1b und Reserve zumindest eine Einheit absolviert“, so Trainer Heinz Kremser.