Über Umwege nach oben. Andaus Stürmer Ibrahim Kamasik kam von Neusiedls 1b – und trifft fleißig weiter. Mit 20 Jahren hat der junge Goalgetter noch höhere Ziele.

Von Martin Plattensteiner. Erstellt am 25. April 2021 (02:23)
Ibrahim Kamasik (r.) vom FC Andau will den nächsten Schritt in seiner Karriere machen und würde gerne in der Burgenlandliga spielen.
Plattini, Plattini

99 Einsätze in Kampfmannschaften, 43 erzielte Tore – in Summe ist das eine sehr stolze Ausbeute für einen erst 20-jährigen Angreifer. Ibrahim Kamasik wechselte im Jänner 2020 von Neusiedl nach Andau (im Herbst: sieben Einsätze, sechs Tore), um den nächsten Schritt in seiner Karriere zu machen. In Neusiedl hatte es nicht ganz nach seinen Wünschen geklappt, fast immer sah er sich bei der 1b-Mannschaft in der 2. Klasse Nord auflaufen.

„Trainer Markus Karner hat mich sehr gefördert“, so Kamasik rückblickend. Doch nach dessen Wechsel (damals nach Gleisdorf im Mai 2019) schwand die Hoffnung auf ein Leiberl in der RLO-Truppe immer mehr. „Ich möchte zumindest in die Burgenlandliga“, ist der Sportstudent (Zweitfach Geschichte) top-motiviert, sich in höheren Sphären durchzusetzen. Stichwort: Lehramtsstudium. Hier hatte Kamasik in seiner jungen Karriere etliche Pädagogen als Vorbild: im BAZ Jakob Knöbl, im Gymnasium Gerhard Gmasz und nun in Andau Christian Bauer.

„Immer nur laufen gehen, nervt gewaltig“

Sein aktueller Coach, der ihn als sehr ehrgeizig und dynamisch bezeichnet, traut ihm ebenfalls mehr zu. „Ihn zieht es immer in die sogenannte Schnittstelle. Wenn es sein muss, läuft er auch durch zwei Gegner durch“, so Bauer. „Die Routine und Kaltschnäuzigkeit vorm Tor kommt sicher noch. Jetzt ist er noch zu ungeduldig, will mit dem Kopf durch die Wand.“ Auf der Schmelz (Universitätssportzentrum in Wien) wird momentan fast ausschließlich online unterrichtet. „Wir haben jedoch einige Sportprogramme zu absolvieren“, erläutert Kamasik. „Gut so, denn ständig immer nur laufen gehen, das nervt gewaltig.“ Um sich das Studium zu finanzieren, jobbt er nebenbei im Frisör-Salon seines Bruders. „Keine Angst, nur an der Rezeption“, lacht der Stürmer.

Angesprochen auf das Thema Rassismus (Kamasik ist türkischer Staatsbürger) kann er sich an keine negativen Vorfälle erinnern: „Der, der mich am Sportplatz ‚Türke‘ schimpft, beleidigt in der nächsten Aktion auch den Österreicher mit blöden Sprüchen.“ In Andau fühlt er sich jedenfalls wohl, vor allem mit den heimischen Kickern kommt er sehr gut aus. „Der Verein ist mit Eigenbauspielern sehr gut besetzt“, stellt Kamasik fest. Ob die Hinrunde bis Anfang Juli noch durchgeboxt werden soll? „Ich bin für einen Schlussstrich sowie einen korrekten Start im Sommer. Im Halli-Galli-Stil jetzt die Spiele durchzuziehen, das bringt keinem was.“