UFC St. Georgen: Die Talenteschmiede. Schon so mancher schaffte den Weg von „Schurldorf“ in die große Fußballwelt. In der kommenden Saison soll ein Eigenbauspieleranteil von 100 Prozent erreicht werden.

Von Lukas Leier. Erstellt am 09. Mai 2021 (02:23)
Inspiration. Sturm-Graz-Akteur David Nemeth durfte bei einem Informationsabend für den Sankt Georgener Nachwuchs über seinen eigenen Werdegang erzählen. Er schaffte es über die Bundesliga bis ins Nationalteam.
BVZ

Philipp Hosiner, Philipp Erhardt, Patrick Schmidt und als jüngstes Beispiel David Nemeth – seit Jahren fungiert die Nachwuchsschmiede des UFC St. Georgen als eines der Aushängeschilder des fußballerischen Burgenlands. So brachte der Verein mit seiner guten Ausbildung Spieler in großen Maßen zumindest in die Burgenlandliga, aber auch bis ins Nationalteam (Anm.: siehe Liste unten).

„Während wir bei Spielern wie Hosiner und beispielsweise auch Philipp Erhardt noch gemeinsam mit dem „alten“ SC Eisenstadt den Nachwuchs führten, war Lukas Kornholz, der aktuell für Draßburg in der Regionalliga spielt, der Erste, den wir quasi alleine rausbrachten“, so Erwin Nemeth, aktueller Obmann der „Schurldorfer“ und Vater von David Nemeth, aktuell beim Bundesligisten Sturm Graz tätig.

Mit David Nemeth schaffte es auch ein Spieler aus der Schmiede des UFC St. Georgen in den Nationalteamkader im März. Ein wichtiger Baustein für diese Karrieresprünge ist die Kooperation des Vereins mit verschiedensten Akademien, wie der Fußballakademie Burgenland oder der Admira: „Das Ziel ist, unsere Spieler so gut wie möglich in die Akademien zu bringen. Mit dem SV Mattersburg hat das beispielsweise immer gut funktioniert. Es gab Jahrgänge, da haben wir bis zu vier Spieler pro Jahr bei ihnen untergebracht, aber auch bei der Admira oder den Wiener Großklubs Rapid und Austria konnten wir schon Spieler stellen. Daher wird es auch interessant, was die Zukunft in Mattersburg bringen wird“, so Klubchef Nemeth.

Trainerausbildungen werden übernommen

Damit weiterhin Kicker von St. Georgen in die große Fußballwelt gebracht werden, soll auch in Zukunft die Jugendarbeit über alles andere gehen: „Wir wollen das Geld als für etwaige Spieler, lieber in eine gute Nachwuchsarbeit investieren. Bei uns wird jedem Trainer die Ausbildung, die er benötigt, bezahlt und wir hatten ja auch schon Lizenztrainer. Wichtig ist auch, dass die Kinder etwas geboten bekommen. So spielen wir häufig gegen die Bundesligavereine, hatten aber auch schon Turniere mit dem FC Bayern München. Es ist auch notwendig, dass wir gegen diese Vereine spielen, die Spieler nehmen von einer 0:4-Niederlage gegen einen Wiener Verein zum Beispiel sicher mehr mit als einem 30:0-Sieg in der heimischen U14-Meisterschaft.“

„Ist österreichweit wohl einzigartig“

Sauer stößt dem Obmann auf, dass er immer wieder folgenden Satz hört: „Ihr habt’s so gute Spieler, anstatt diese zu behalten, dümpelt ihr in der 1. Klasse um.“ Dazu meint Nemeth nur: „Ich weiß nicht, wie sich die Menschen das Leben vorstellen, die so etwas sagen. Klar würden wir wahrscheinlich Regionalliga Ost spielen, wenn wir alle behalten hätten, aber das ist einfach unrealistisch, solche Spieler zu halten. Da würden wir schon alleine für die Spielergehälter mindestens eine halbe Million brauchen. Wir haben uns bewusst dazu entschieden, als Ausbildungsverein zu dienen und das Endziel ist auch die Landesliga, aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Ich sehe unsere Kampfmannschaft als U21 und unsere Reserve als U18. Es wird daher auch kein Spieler kommen, dem es ums Geld geht oder irgendeiner von außerhalb. Nächste Saison könnten wir es tatsächlich schaffen, mit 100 Prozent Eigenbauspielern zu spielen. Das ist wahrscheinlich österreichweit einzigartig. Für diesen Weg haben wir uns entschieden und ich denke, es wäre gut, wenn uns andere folgen würden“, so Erwin Nemeth abchließend und durchaus stolz über den St. Georgener Weg.