Neusiedl/Parndorf: Sommerpause für die „Teststadt“. Rund 9.000 Personen beteiligen sich. Die Studienarbeit setzt im Sommer aus, Teststraßen bleiben offen.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 17. Juni 2021 (06:09)
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Kichigin, Shutterstock.com

Die epidemiologische Lage entwickelt sich in Österreich gut, die Zahlen der Neuinfektionen sinken stetig. Die Inzidenzen gehen teilweise Richtung Null. Im Bezirk Neusiedl am See lag der Wert am Mittwoch bei 3,33. Zum Vergleich: Am 31. März verzeichnete man noch einen Inzidenzwert von 210 (Infektionen auf 100.000 Personen).

Dieses epidemiologische Bild spiegelt sich auch in der „Teststadt Neusiedl/Parndorf“ wider. Die Gemeinden werden seit Mitte April für eine wissenschaftliche Studie besonders genau unter die Lupe genommen. Untersucht werden die Auswirkungen von Öffnungsschritten auf das Infektionsgeschehen.

Die Bevölkerung ist aufgerufen worden, sich in den eigens eingerichteten Teststraßen regelmäßig mittels Spucktests auf das Coronavirus testen zu lassen. Nahezu eine Vollerhebung strebte man zu Beginn des Projektes an. Davon ist man weit entfernt. Das bestätigte auch der wissenschaftliche Leiter der Studie Umweltmediziner Hans-Peter Hutter: „Eine Vollerhebung war zwar unser hochgestecktes Ziel, aber nur sehr schwer bis nicht erreichbar, weil nie alle, die in einer Gemeinde gemeldet sind, auch wirklich physisch anwesend sind. Manche sind wegen der Arbeit oder urlaubshalber außerhalb der Gemeinde, andere studieren oder sind beim Bundesheer.“ Ausreichend Daten, um die epidemiologische Situation sowie deren Änderungen im Zeitverlauf zu beurteilen, wurden allerdings trotzdem gesammelt. Mit Berücksichtigung der Tests in den Schulen und Betrieben (siehe Infobox) erreichte man 40 Prozent der Bevölkerung.

Öffnung funktioniert mit Schutzmaßnahmen

Welche Schlüsse können nun aber aus den zahlreichen Daten gezogen werden? „Öffnungsschritte funktionieren dann, wenn sie von strengen Schutzmaßnahmen begleitet werden. Damit ist auch ein gesellschaftliches Leben mit weniger psychosozialen Belastungen und ökonomischen Nachteilen möglich“, erklärt der Wissenschaftler. Die bisherigen Analysen hätten gezeigt, dass kein signifikanter Unterschied zwischen der Situation vor und nach den Öffnungsschritten, speziell nach dem vorzeitigen Ausstieg aus dem sogenannten „Ostlockdown“, auftrat. Eine Erhöhung der Infektionsrate habe es nicht gegeben.

Im Rahmen der wissenschaftlichen Studie wurden auch Daten zu Mehrfachinfektionen und Infektionen bei bereits geimpften Personen erhoben. Dabei entsprachen laut Hutter die Ergebnisse den Erwartungen. Bei 836 geimpften Personen traten 16 Infektionen beziehungsweise positive Testergebnisse auf. Das sind 2 Prozent. Von 94 Personen, die bereits eine Infektion durchgemacht hatten, wurden fünf positiv getestet.

Die wissenschaftlichen Analysen werden Ende Juni vorerst abgeschlossen. Hans-Peter Hutter gibt auf Nachfrage der BVZ bekannt, dass die Arbeit aufgrund der derzeitigen günstigen epidemiologischen Lage über den Sommer ausgesetzt wird. In Abhängigkeit der Situation im Herbst soll sie wieder fortgesetzt werden. Die Teststraßen in den beiden Gemeinden bleiben aufgrund der hohen Akzeptanz allerdings geöffnet.

Aufruf zur weiteren Beteiligung

„Wesentlich ist, dass die Bevölkerung motiviert wird und sich weiterhin an der Studie beteiligt. Dass mit dem Impffortschritt auch die Bereitschaft, sich testen zu lassen, abnimmt, ist sicher nicht von der Hand zu weisen. Um dem in den Testregionen im Herbst entgegenzuwirken, wird es noch Überlegungen geben müssen, wie wir die Bevölkerung weiterhin zum Testen motivieren können“, betont Hutter.