Regen peppt Pegel auf. Erstmals liegt der Wasserstand heuer über dem Niveau des Vergleichszeitraumes im Vorjahr. Die vergangenen Niederschläge brachten 14 Zentimeter.

Von Birgit Böhm-Ritter und Markus Wagentristl. Erstellt am 22. Oktober 2020 (05:23)
Mittlerer Wasserstand des Neusiedler Sees. Die rote Linie zeigt die Entwicklung des Pegelstandes 2020.
Hydrographischer Dienst Burgenland

Langsam aber sicher zeichnet sich bei Wassersportlern und Touristikern ein Lächeln im Gesicht ab. Die Wasserstandsstatistik des Neusiedler Sees hat schon lange nicht mehr eine so steile Kurve nach oben gezeigt. Die Regenfälle der letzten Wochen haben dem Neusiedler See sichtlich gutgetan. Vom 24. September bis zum 20. Oktober stieg der Pegel um 14 Zentimeter. Das ist eine ordentliche Menge, nämlich 42 Millionen Kubikmeter.

So verzeichnete der Hydrographische Dienst des Amts der Burgenländischen Landesregierung auf seinem Wasserportal am Dienstag 115,31 Meter über Adria (siehe Grafik). Erstmals ist der Wasserstand heuer höher als zum Vergleichszeitraum des Vorjahres. „Der momentan mittlere Wasserstand liegt aber doch noch unter dem Langzeitmittelwert“, betont Christian Sailer, der im Amt der Burgenländischen Landesregierung dem Hauptreferat Wasserwirtschaft vorsteht. Er ist Leiter der Task Force Neusiedler See, die die Möglichkeit einer Wasserzufuhr aus einem Altarm der Donau prüft. Eine Machbarkeitsstudie wurde für Ende Oktober angekündigt. „Dieser Termin wird halten“, sagt Sailer und erklärt weiter: „Die Machbarkeitsstudie berücksichtigt die gesamte Wasserbewirtschaftung im Grenzraum Österreich-Ungarn und beinhaltet auch die Möglichkeit einer Verteilung des Wassers im gesamten Naturraum Seewinkel-Neusiedler See.“

Im Mai verzeichnete der Neusiedler See den niedrigsten Pegelstand, der seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1965 jemals für diesen Monat gemessen wurde. Und auch jetzt, liegt der Pegel, trotz der Regenmenge immer noch rund 10 Zentimeter unter dem Langzeitmittel.

Für größere Boote brachte der niedrige Wasserstand heuer einige Probleme mit sich, wie Walter „Rasi“ Bajons, Yachtclub Breitenbrunn-Präsident, zu berichten weiß: „Bei einigen Regatta-Events haben wir das Startschiff über Nacht nicht in den Hafen gebracht, sondern draußen in der Mole befestigt. Teilweise mussten wir es auch mit dem Tau ziehen oder sind gleich auf ein kleineres Motorboot umgestiegen. Sportlich gab es durch den Wassermangel aber keine Beeinträchtigungen.

Die Saison sei nun bereits gelaufen. Die Clubboote seien schon an Land, auch der Großteil der Mitglieder habe die Boote bereits aus dem Wasser geholt. „Einige private Boote liegen noch an den Stegen, aber im Prinzip war es das für heuer. Für uns kommt der Regen also schon zu spät. Erfreulich ist der gestiegene Pegel natürlich dennoch“, bekräftig Bajons. Er hoffe, dass der Wasserstand nachhaltig so bleibe und man kommende Saison von einem höheren Ausgangsniveau starten könne als heuer. „Im vergangenen Jahr war das Problem der trockene Sommer, heuer dagegen der geringe Wasserstand im Frühjahr – bei einem Sommer wie im Vorjahr hätte es noch schlimmer werden können. Fazit also: Der Regen ist erfreulich, aber für die Segelsaison zu spät.