Bio-Wende: „Gemüse muss man verstecken". Die Diskussionen über teureres Bio-Essen in Bildungseinrichtungen des Bezirks Neusiedl reißen nicht ab. Kindgerechtes, gesundes und leistbares Essen anzubieten, ist eine Herausforderung.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 18. März 2021 (04:34)
„Nur das Beste für die Kinder.“ Unter diesem Motto kocht Michael Lentsch in seiner Großverpflegungsküche in Podersdorf. Davon durfte sich auch Bildungslandesrätin Daniela Winkler überzeugen.
BVZ

In der Vorwoche berichtete die BVZ über die Bio-Wende, die in Burgenlands Kindergarten- und Schulküche langsam Einzug hält, ist sie doch ab 2022 gesetzlich verankert. Auf der BVZ-Facebook-Seite wurde daraufhin die – mit den teureren Bioprodukten begründete – 30-prozentige Preissteigerung heftig diskutiert. Die Kommentare reichten von „Mir wäre es das wert, wenn die Kids ein gesundes Mittagessen bekommen“, über „warum gerade in der Corona-Zeit, wo die Menschen eh finanzielle Probleme haben“ bis zu „regional wäre sinnvoller, was bringt es, wenn es biologisch ist, aber tausende Kilometer hinter sich hat.“

Die angesprochenen neuen Preise der Neusiedler Bäckerei Naglreiter, die Einrichtungen in acht Gemeinden beliefert, sind auch in Jois ein großes Thema, wie Bürgermeister Hannes Steurer die BVZ wissen ließ. „Wir als Gemeinde haben bereits drei Anfragen ans Land geschickt“. Die Bio-Quote von 50 und in weiterer Folge von hundert Prozent sieht der Winzer kritisch: „Mit regionalen Lebensmitteln würde man doch viel eher den Effekt erzielen, den man, denke ich, erzielen möchte. Für Wirte und andere Anbieter sind diese Bio-Vorgaben fast unmöglich umzusetzen. Gesundes Essen in Bildungseinrichtungen ist wichtig und auch anzustreben, aber mit diesen Vorschreibungen schnalzen nur die Preise in die Höhe.“ Er schlägt vor mehr auf regionale Produkte zu setzen: „Oder man einigt sich auf einen Betrag, den die Eltern übernehmen, und den Rest übernimmt das Land.“

Bildungslandesrätin Daniela Winkler (SPÖ) wies anlässlich dieser Diskussionen im Neusiedler Bezirk auf die Bedeutung einer gesunden und kindgerechten Ernährung hin und lud zu einem Lokalaugenschein in die Seewinkelstube nach Podersdorf. Hausherr Michael Lentsch hat bereits bei seiner Eröffnung 2017 einen Schwerpunkt auf das „Essen auf Rädern“ gelegt, seit der Corona-Krise konzentriert er sich komplett auf die Essenszubereitung für Kindergärten, Schulen und Pflegeheime. Bis zu 450 Portionen liefert er täglich in Podersdorf, Illmitz, Apetlon, Pamhagen, Wallern und St. Andrä aus. Er ist damit – neben der Bäckerei Naglreiter – der zweite große Anbieter im Bezirk Neusiedl am See.

Er weiß, welcher Aufwand betrieben werden muss, um nachhaltig und biologisch zu kochen. Bereits seit zweieinhalb Jahren erfüllt er eine 30-prozentige Bioquote. Seine Portionen bietet er jetzt um etwa 50 Cent günstiger an als die Bäckerei Naglreiter, auch er liegt mit 4,80 Euro (Volksschule) und 5 Euro (Mittelschule) aber über den ursprünglichen Preisen des Neusiedler Anbieters vor dessen Umstellung. Um möglichst leistbar und nachhaltig zu kochen und so wenig wie möglich wegzuschmeißen, hat Lentsch zwei Jahre lang akribisch Buch geführt. Er weiß nun bestens Bescheid, wie groß die Portionen sein müssen und was den Kindern schmeckt. Dass gesundes und noch dazu kindgerechtes Kochen eine Herausforderung ist bestätigt er dennoch: „Gemüse muss man fast verstecken“, lacht er.