Euphorie im Tourismus, Unsicherheit bei Veranstaltern. Die BVZ hat sich im Neusiedler Bezirk umgehört: Die Hotellerie ist zuversichtlich, der Jubel bei Gastronomen und Veranstaltern ist verhalten.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 29. April 2021 (05:12)
Die St. Martins Therme und Lodge ist mit einem breit angelegten Präventionskonzept für die Öffnung gerüstet. Regelmäßige Corona-Tests im Mitarbeiterstab sind bereits Routine.
St. Martins/Dellinger, St. Martins/Dellinger

Seit die Bundesregierung Öffnungsschritte für den 19. Mai verkündet hat, liegt Vorfreude in der Luft. Vor allem im Tourismus und in der Gastronomie fiebert man den ersten Öffnungstagen entgegen. Nach über sieben Monaten wird ein Besuch beim Lieblingswirt oder ein Urlaub außerhalb der eigenen vier Wände endlich wieder möglich sein.

„Seit der Pressekonferenz der Bundesregierung läutet das Telefon ununterbrochen“, erzählt Natalie Kappler, Rezeptionistin im Feriendorf Vila Vita Pannonia in Pamhagen. Die vielen Anfragen könne sie alleine gar nicht mehr beantworten. „Den Journaldienst haben wir aufgegeben, wir sind jetzt wieder zu zweit an der Rezeption.“

Die Reiselust ist in der Region deutlich zu spüren. Sowohl in großen Hotels als auch in kleinen Häusern ist die Nachfrage groß. Buchungen werden aber nicht erst seit der Bekanntgabe der Öffnung getätigt. In der Vila Vita etwa ist man für die Sommermonate bereits jetzt fast ausgebucht. Die Buchungslage wird im Sommer ähnlich gut sein wie im Vorjahr. So sieht das auch Mario Haider, der in Podersdorf die Pension „Haus 56“ betreibt.

„Die Leute sind auch heuer auf Inlandsurlaub eingestellt. Viele Familien buchen bei uns. Und zwar nicht nur Wochenendurlaube.“ Vier bis sechs Nächte seien die Regel, einige Buchungen würden sogar über zwei Wochen gehen. „Geplant werden sowohl Pfingst- als auch Sommerurlaube, viele Triathleten reservieren Zimmer für den Austria Triathlon in Podersdorf. Und die Ersten fragen schon wegen dem Martiniloben im Herbst nach. Da kann ich aber derzeit keine seriöse Auskunft geben“, sagt Haider.

In den Startlöchern steht man auch schon in der St. Martins Therme und Lodge in Frauenkirchen, denn ab 19. Mai dürfen auch Thermenbetriebe öffnen. Seitdem die Öffnungsschritte bekannt wurden, laufen hier die Telefone und Online-Buchungstools heiß. Mit einem ausgeklügelten Präventionskonzept will man so wie im Vorjahr eine „Insel der Sicherheit“ schaffen, heißt es aus der St. Martins Therme.

Keine Überlebenschance für Keime und Viren

Mehr als 300 sichtbare und unsichtbare Vorkehrungsmaßnahmen haben die Verantwortlichen getroffen. Dazu zählen klar definierte und limitierte Gästezahlen für alle Angebote, kontrollierte Mindestabstände im gesamten Resort, FFP2-Masken für alle öffentlichen Bereiche, verstärkte Desinfektion aller frequentierten Flächen, umfangreiche Vorkehrungen in der Gastronomie und ein smartes Empfangsmanagement. Wer einem Thermenbesuch trotzdem skeptisch gegenüber steht, den kann Geschäftsführer Klaus Hofmann beruhigen: „Erst vor Kurzem hat eine wissenschaftliche Analyse der Universität Wien die immunstimulierende Wirkung eines Thermenbesuches bestätigt. Im chlorierten Thermalwasser und bei Sauna-Temperaturen haben Keime und Viren keine Überlebenschance“, betont er.

Voraussetzung ist allerdings die Einhaltung aller Schutzmaßnahmen und dazu gehören auch regelmäßige Corona-Tests. Für einen Aufenthalt im Resort und der Therme ist genauso wie in Gastronomiebetrieben ein negativer Corona-Test notwendig (siehe Seiten 2,3).

In der St. Martins Therme sieht man jedenfalls euphorisch in die neue Saison: „Wir erwarten analog zum letzten Jahr sowohl für den Frühling als auch für den Sommer eine gute Buchungslage. Daher möchte ich auch an dieser Stelle allen Gästen empfehlen, sich ihre Wunschtermine in all unseren buchbaren Bereichen zu sichern! Das gesamte Team erlebt im wahrsten Sinne des Wortes einen ‚super Frühling‘ und wir freuen uns schon sehr auf unsere Gäste!“, sagt Klaus Hofmann.

Parndorf sagt Dorffest ab, Gols überlegt noch

So euphorisch die Tourismusbranche in den Frühling geht, so verunsichert sind Veranstalter. So sollen ab 19. Mai zwar wieder Events möglich sein, größere Feste in den Gemeinden werden aber so schnell nicht stattfinden können. Veranstaltungen ohne Bestuhlung sind nur bis 50 Personen möglich. In Parndorf hat sich die Gemeinde deshalb am Montag für eine Absage ihres Dorffestes entschieden, das für 19. Juni geplant gewesen wäre. Nach dem Parndorfer Theatersommer die zweite Absage innerhalb weniger Tage.

„Alles, was den Kern unseres Dorffestes ausmacht, ist verboten“, erklärt Bürgermeister Wolfgang Kovacs (LIPA), „viele Menschen eng beisammen stehend, die essen, trinken, plaudern und Musik hören.“ Die Absage tue weh, denn nach einem Jahr Pandemie würden solche Höhepunkte dem Dorf und seiner Bevölkerung zwar fehlen, ein Risiko wolle deshalb aber niemand eingehen. „Eine Verschiebung in den September lassen wir uns aber noch offen“, verrät Kovacs.

In Gols hat man sich dagegen noch nicht entschieden, ob das Volksfest, eines der größten Events des Bezirks, nach einem Jahr Pause veranstaltet werden kann. Wie die Bestimmungen zum Veranstaltungsdatum im August aussehen werden, ist auch noch nicht bekannt, was die Planung extrem erschwert. „Wir werden uns jetzt noch einmal mit unserer Sicherheitsfirma beraten. Bis Mitte Mai müssen wir eine Entscheidung treffen“, gibt Bürgermeister Hans Schrammel (SPÖ) auf BVZ-Anfrage bekannt. Ein Golser Volksfest unter den derzeitigen Regeln – 1.500 Personen indoor und 3000 Personen outdoor mit zugewiesenen Sitzplätzen – ist jedenfalls schwer vorstellbar. Deshalb wird auch das Neusiedler Stadtfest mit seinem traditionellen Konzept als Straßenfest nicht stattfinden. Ob es eine kleine Variante geben wird, will der Kulturverein Impulse in den kommenden Tagen besprechen.