Mattersburg als Bezirk der Wahl-Extreme. ÖVP feiert stärksten Zugewinn, SPÖ den höchsten Parteianteil. Bezirks-Grüne mit größtem Verlust im Land und Pilz mit stärkstem Burgenland-Ergebnis.

Von Bettina Eder. Erstellt am 18. Oktober 2017 (10:28)
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Strahlend. Landesvize und FPÖ-Bezirksparteichef Hans Tschürtz (l.) und seine Mitstreiter – Büroleiterin Edith-Sara Tayari, die Schattendorfer Gemeinderäte Karin Guttmann und Markus Binder sowie Sigi Zeltner (v.l.) – hatten gut lachen.
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ÖVP und FPÖ gewinnen dazu, SPÖ und Grüne verlieren im Bezirk Mattersburg – so die Zahlen von Sonntag.Auch in der Bezirkshauptstadt Mattersburg konnten ÖVP (+9,51 Prozent) und FPÖ (+6,46 Prozent) satte Zugewinne verzeichnen.

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ÖVP

„Ich freue mich, dass wir den Schwung von den Gemeinderatswahlen mitnehmen konnten“, stellte ÖVP-Bezirksparteichef Christian Sagartz zum Bezirksergebnis fest. Die ÖVP gewann im Bezirk 8,3 Prozent dazu, das ist weit über dem Burgenland-Schnitt. In Wiesen erreichte die ÖVP mit einer eigenen Kandidatin das landesweit zweithöchste Plus der ÖVP (11,80 Prozent) und steht bei über 40 Prozent.

Nur Inzenhof in Güssing war mit fast 17 Prozent noch besser. Auch in Hirm konnte die ÖVP fast zehn Prozent (9,9 Prozent) aufholen. „Wir sind sehr zufrieden mit der Wahl,dass ist ein deutliches Zeichen für unseren Weg. Da hat uns natürlich die Bundespartei zugespielt. Auch die FPÖ hat viel dazugewonnen. Für unsere Gemeindepolitik heißt das für die nächste Wahl, auch diese wähler von der ÖVP zu überzeugen“, so Daniel Gschaider (ÖVP Hirm).

Gespannt. Jugendkandidat Patrick Fazekas, Bezirksparteichef Christian Sagartz und Landesparteiomann Thomas Steiner (v.l.9) nahmen das Ergebnis genau unter die Lupe. 
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SPÖ

Die SPÖ verliert zwar 4,2 Prozent, ist aber dennoch mit ihren 36,4 Prozent klar stärkste Partei im Bezirk. „Wir sind auch nach wie vor die stärkste Bezirksorganisation im Burgenland“, freut sich auch SP-Bezirksparteiobmann Christian Illedits. Gleich vier der Top Ten SPÖ-Gemeinden aus dem Land sind aus dem Bezirk Mattersburg. Hochburg ist mit 57,16 Prozent Drassburg vor Hirm mit 51,44 Prozent.

Nachdenklich. Bezirksparteisekretär Thomas Hoffmann und Bezirksparteichef, Landtagspräsident Christian Illedits analysierten die Ergebnisse.
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Dennoch finden sich einige Wermutstropfen unter den Gemeindewahlergebnissen: In ihrer Hochburg Schattendorf verlor die SPÖ über 12 Prozent, während ÖVP und FPÖ jeweils etwa 9 Prozent zulegen konnten. SP-Gemeindechef Johann Lotter dazu: „Wir sind von einem starken Ausgangspunkt gestartet. Trotzdem müssen wir die Hintergründe jetzt hinterfragen.“

FPÖ

Auch FPÖ gewann im Heimatbezirk von Parteichef Landevize Hans Tschürtz über 5,9 Prozent und liegt bei 23,8 Prozent. Tschürtz Loipersdorfer Gemeindefunktionäre konnten mit einem satten Plus von über 10 Prozent und damit fast 33 Prozent der Stimmen das beste FPÖ-Ergebnis im Bezirk erreichen. Tschürtz: „Jetzt geht es darum Politik für die Menschen zu machen.“ In Sieggraben überholte die FPÖ mit einem Plus von 12 Prozent die SPÖ und liegt damit auf Platz zwei. Letztere hatte da vergangene Woche noch gefeiert, denn da holte sich die SPÖ nach Jahrzehnten ÖVP Dominanz den Bürgermeistersessel.

Grüne und Liste Pilz

Das Ergebnis der Grünen ist im Bezirk Mattersburg desaströs. Sie zerbröselt es von 7,4 auf 1,9 Prozent. Damit liegen die Grünen sogar hinter der Liste Pilz. Die Liste Pilz liegt nämlich über den Landesschnitt und vor den Neos und ist im Bezirk die größte der Kleinparteien. Dazu beigetragen hat auch das Ergebnis in Bad Sauerbrunn. Denn dort wanderten die Grün-Wähler fast nahtlos zur Liste Pilz: Das bescherte den Grünen das landesweit größte Minus (-10,73 Prozent) und der Liste Pilz das größte Plus (6,5 Prozent). „Das ist ein unerfreuliches Ergebnis, an dem es nichts zu beschönigen gibt“, stellt Bezirkssprecherin Sonja Sieber zu dem Abschneiden im Bezirk fest.

FLÖ und GILT

Ein Möbilisierungsproblem hatten dabei auch die FLÖ, die Freien Listen, mit dem Spitzenkandidaten Herbert Schütz. Obwohl ganze sieben Kandidaten aus dem Bezirk auf den Regionalwahlkreis, bzw. Landeswahllisten standen – konnten absolut nur 49 Stimmen im ganzen Bezirk verbucht werden. Zum Vergleich: GILT erreichte ohne Kandidaten aus dem Bezirk 184 Stimmen. Ebenfalls bemerkenswert: Obwohl Bad Sauerbrunn mit LiBs-Ortschef Gerhard Hutter als Listen-Hochburg gilt, gab es dort am Wahltag keine einzige Stimme. Hutter selbst unterstützte öffentlich SP-Minister Doskozil