KUZ: Volksanwaltschaft stellt Behördenwillkür fest. Das Bundesdenkmalamt hätte ein Gutachten zum Kulturzentrum Mattersburg ignoriert und hätte voreilig nur einen Teil des Gebäudes unter Denkmalschutz gestellt, so argumentiert die Volksanwaltschaft.

Von Bettina Eder. Update am 12. September 2017 (14:03)
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Bild von der Pressekonferenz im März, bei der die Pläne durch die Politik, allen voran Landesrat Helmut Bieler und Landtagspräsident Christian Illedits und Bürgermeisterin Ingrid Salamon, vorgestellt wurden.
 
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Darüber hinaus entpuppe sich die weitere Argumentation des Gutachtens als nicht eindeutig, sei  jedoch von der Behörde nicht hinterfragt worden. Aufgrund der vorliegenden Unklarheiten stellt Volksanwältin Gertrude Brinek nun einen Missstand in der Verwaltung fest.

Damit gibt die Volksanwaltschaft der überparteiliche Plattform „Rettet das Kulturzentrum Mattersburg“ inhaltlich recht. Diese hatte gegen den Bescheid Beschwerde eingelegt.

„Der Bescheid ist widersprüchlich und für niemanden nachvollziehbar. Das Vorgehen der Behörde ist daher nicht rechtmäßig,“ stellt Brinek fest. Unter Denkmalschutz sollten nicht nur schöne, sondern auch historisch bedeutsame Gebäude gestellt werden.  Der für das im Bundesdenkmalamt für das Burgenland zuständige Peter Adam, war vom Anruf der BVZ überrascht: „Ich weiß davon noch gar nichts. Kann demnach auch keinen Kommentar abgeben.“

So soll das KUZ Mattersburg aussehen
HOLODECK architects / isochrom

Die Plattform selbst fordert – wie schon von der BVZ mehrmals berichtet - eine denkmalgerechte Gesamterhaltung des Objektes ein, während das BDA nur einen Teil des Gebäudes unter Denkmalschutz stellte. Das in den 1970er Jahren erbaute Kulturzentrum zähle zu einem der wichtigsten und innovativsten Vertreter des Betonbrutalismus in Österreich, argumentiert jedoch ein vom BDA in Auftrag gegebenes Gutachten.

Letztes original erhaltenes Kulturzentrum in Sichtbetonweise

Bauten in diesem Stil seien mittlerweile rar. Von ungefähr 900 weltweit gelisteten Objekten stünden 23 in Österreich, elf davon im Burgenland. Das Kulturzentrum in Mattersburg sei dabei das letzte original erhaltene Kulturzentrum in Sichtbetonweise. Insgesamt handle es sich um „ein geschichtlich, künstlerisch und kulturell bedeutendes Denkmal mit Dokumentationsfunktion“, so das Gutachten.

Umso unverständlicher  sei laut Volksanwaltschaft der vorliegende Bescheid, der nun bloß nur einen Teil der Fassade des Kulturzentrums Mattersburg unter Denkmalschutz stelle. „In seinem Bescheid kann das Bundesdenkmalamt dafür weder eine schlüssige noch eine vollständige Begründung liefern,“ kritisiert Volksanwältin Gertrude Brinek. „Das vorliegende Gutachten enthält zahlreiche Unklarheiten. Das Bundesdenkmalamt hat sich nicht näher damit auseinander gesetzt. Es hätte den Sachverständigen auffordern müssen, seine Einschätzung klarzustellen bzw. entsprechend zu ergänzen.“

Die Behörde hätte ihre Entscheidung auch näher begründen müssen. Einerseits argumentiert sie, dass der Verlust des Kulturzentrums Mattersburg zu einer „Beeinträchtigung des österreichischen Kulturgutbestandes“ führen würde, andererseits wurden jedoch nur drei Außenmauern des Nordtraktes unter Denkmalschutz gestellt.

KUZ Mattersburg "neu"
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