„Sperrstunde“ für die Kukuruzstubn. Forchtensteiner Traditionswirtshaus sperrt nach mehr als 100 Jahren nicht mehr auf. Gerti Sommer, Chefin des Mattersburger Rucki Zucki, hört ebenso auf.

Von Tina Wohlfarth. Erstellt am 25. März 2021 (05:44)
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„Sperrstunde“ für die Kukuruzstubn: Annemarie Lehner geht in Pension und schließt ihr Gasthaus, indem seit mehr als 100 Jahren die Tradition eines Familienbetriebs gewahrt wurde. Sie führte die Kukuruzstubn bereits in dritter Generation. Jahrelang hat die Familie das Gasthaus, früher als „Gasthaus Müllner“ bekannt, geführt. Betrieben wurde es zunächst von der Großmutter von Annemarie Lehner.

Nach der Übernahme durch die Mutter von Annemarie Lehner, Friederike Wagner, wurde das Haus umgebaut, bis es am 6. März 1994 Annemarie Lehner übernahm. Das Gasthaus wurde 27 Jahre lang von ihr auf der Hauptstraße in Forchtenstein betrieben. Neben ihrem Mann, ihrer Mutter und ihren Kindern, arbeiteten auch noch fünf Mitarbeiter im Betrieb mit. Es war von Erfolg gekrönt und entwickelte sich zu einer beliebten Gaststätte, die zuletzt von Mittwoch bis Sonntag mit einer warmen Küche aufwartete. Auf Qualität wurde immer großen Wert gelegt, alle Speisen wurden hausgemacht zubereitet. Neben regionalen Schmankerl, bodenständiger Küche und guter Hausmannskost, war die Kukuruzstubn ein beliebter Treffpunkt zum Feiern. Im Saal wurden unzählige Geburtstagsfeiern, Hochzeiten, Bälle und andere Events veranstaltet. Ihr Wirtshaus hat zu den gastronomischen „Ankern“ im Bezirk gezählt, viele Stammgäste haben in den vergangenen Jahrzehnten dort gefeiert.

Corona war nicht der Grund dafür, der Virus hat es uns aber leichter gemacht“ Annemarie Lehner über das Schließen der Kukuruzstubn

Auch das Catering war immer gut gebucht. Nun ist es aber an der Zeit für Veränderungen. „Ich bin schon seit März 2020 in Pension, wollte aber noch ein paar Jahre weitermachen, bis ich endgültig zusperre. Dies wäre ohnehin in zwei bis drei Jahren passiert. Trotz der halbwegs guten Auftragslage im Sommer 2020 traf uns der im November beginnende Lockdown und so hoffte ich auf das Weihnachtsgeschäft, welches letzten Endes auch ausgeblieben ist. Demnach habe ich gemeinsam mit meiner Familie die Situation bewertet. Trotz der erhaltenen Förderungen sprachen letztendlich mehr Argumente fürs Zusperren.

Corona war also nicht der Grund dafür, der Virus hat es uns aber leichter gemacht“, erzählt Lehner im Gespräch mit der BVZ. Ihre beiden Kinder möchten das Gasthaus nicht übernehmen. „Sie haben beide eine gute Ausbildung und einen tollen Beruf“. Nach so vielen Jahren blickt die Wirtin zufrieden zurück. „Es war eine schöne Zeit, aber ich freue mich auch auf unseren neuen Lebensabschnitt. Jetzt habe ich Zeit für meine beiden Enkelkinder und deren Hund, darüber freue ich mich sehr“. Sie und ihr Ehemann wollen sich nun auf die Familie konzentrieren und ihre Freizeit genießen. Annemarie Lehner möchte sich damit einhergehend bei all ihren Gästen, ihren Mitarbeitern sowie ihrer Familie für ihre Treue und Unterstützung bedanken.

Annemarie und Gatte Erich Lehner werden die Gäste der Kukuruzstubn nicht mehr bewirten.
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Auch Gerti Sommer wird ihr „Rucki Zucki“ nicht mehr aufsperren. Am 9. Februar zeigt sich Gerti Sommer über Facebook noch zuversichtlich: „Wir gehen davon aus, dass in dieser Zeit von Corona noch bestimmt bis April unser Lokal / Cafe gesperrt ist. Doch wir, das Team Rucki Zucki, halten durch. Am Sonntag dieser Woche wurde dann die Entscheidung verlautbart, dass Sommer das Rucki Zucki nicht mehr aufsperren wird.“ Warum nun doch Schluss ist?

„Durchhalten ist ja gut und schön“

„Durchhalten ist ja gut und schön. Nach reiflicher und gründlicher Überlegung, die sich über Monate hin gezogen hat, tun mir die Vertröstungen von seiten der Regierung schon weh. Irgendwann kommt der Punkt, wo man sagt, dass man nicht mehr will. Im April werde ich 60, ich gehe dann am 1. Mai in Pension. Mein Lebensgefährte, der mich unterstützt und mitgearbeitet hat, der hat noch ein Jahr bis zur Pension. Ich will mich nicht mehr plagen, ich habe soviel Energie verschwendet. Und dann haben wir jetzt noch im Gastgarten die Baustelle, was soll ich mir noch erwarten?“, erzählt Sommer. Finanzielle Gründe sind nicht der Grund für diesen Schritt. „Wir haben unser Personal nach wie vor in Kurzarbeit. Klar, ist es finanziell nicht einfach, es geht sich aber irgendwie aus.“

Gerti Sommer übersiedelte 2017 mit dem Rucki Zucki von der Wedekindgasse in das Stadtzentrum.
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Sommer übernahm einst das „74er Beisl“ in der Wedekindgasse, benannte es in „Ruckí Zucki“ um und übersiedelte 2017 in das ehemalige Segafredo. Geht es nach Sommer, so soll es nicht lange dauern, bis es einen Nachfolger gibt. „Es hat sich bereits ein Interessent gemeldet. Das Gebäude gehört einer Immobilienfirma, ich denke, sie sind froh, wenn es einen Nachmieter gibt. Durch meine Kündigungsfrist würde es auch keine Probleme geben.

Schlussendlich will sich Sommer noch bei „meinen Angestellten, die mit mir dieses Lokal aufgebaut haben, bedanken: Mein Personal, Hermine Kremsner, sie war schon beim ‚Segafredo‘ Kellnerin und bei Joe Bauer, und ‚meinem Sternchen‘ Nina Wittmann; auch bei meiner Tochter Katharina Wunsch, Marina Landl und bei meinem Lebensgefährten Reinhard Redler.“