Milch und Butter dürften teurer werden. Den Konsumenten dürfte eine Verteuerung von Milchprodukten ins Haus stehen. Die Molkereien fordern vom Handel dringend Preiserhöhungen ein, die meist weitergegeben werden. "Wir brauchen übers gesamte Sortiment eine Preiserhöhung von fünf bis sechs Prozent", forderte Helmut Petschar, Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM), am Dienstag im Gespräch mit der APA. Das müsse "zeitnah, in den nächsten 14 Tagen" geschehen. Bauernproteste drohen.

Von APA / BVZ.at. Update am 27. Juli 2021 (13:03)
Beim Milch-Automat verkauft der Landwirt direkt
Beim Milch-Automat verkauft der Landwirt direkt
APA/THEMENBILD

"Wir haben eine drastische Entwicklung", so Petschar, der auch Chef der Kärntnermilch mit Sitz in der Kärntner Bezirksstadt Spittal ist. "Verpackungen für Käse sind zuletzt um 40 Prozent teurer geworden, weitere Verpackungsmaterialien um 20 bis 40 Prozent. Zudem sind die Energiepreise um 30 bis 40 Prozent gestiegen." Gegenüber den Vorlieferanten habe man schon in Vorleistung gehen müssen und höhere Preise akzeptiert, "um lieferfähig zu bleiben". Das müsse sich nun in jenen Preisen widerspiegeln, die man vom Handel bekommt.

"Wir erwarten, dass diese Preiserhöhung zeitnah umgesetzt wird", so Petschar. "Wir können die Preise im Regal nicht beeinflussen, wir verhandeln mit dem Handel", betont der VÖM-Präsident. "Auch Kärntnermilch befindet sich mit Handelspartnern darüber in intensiven Verhandlungen, wo sie Preise anheben müssen."

Auch die Kraftfutterpreise sind gestiegen, was die Milchbauern trifft. Auch hier seien Molkereien zum Teil in Vorleistung gegangen und hätten den Bauernmilchpreis erhöht, damit die Landwirte kostendeckend arbeiten können, so Petschar. Auch dies müsse man dem Handel weitergeben.

Der VÖM-Präsident verwies auch auf eine drohende Materialknappheit bei Verpackungen. Ohne höherer Vorbestellungen zu höheren Preisen sei zuletzt nichts mehr gegangen. Alles müsse gut eingetaktet werden.

Petschar holte "unsere Partner im Handel" auch insofern ins Boot, als dass die Molkereien und deren bäuerliche Lieferanten über die gesamte Coronakrise den Handel verlässlich beliefert hätten. "Jetzt ist der Handel gefordert, er war der Krisengewinner", sagt der Kärntnermilch-Chef und VÖM-Präsident.

Auch Josef Braunshofer, Chef von Österreichs größter Molkerei, der Berglandmilch mit Sitz in Wels in Oberösterreich, geht davon aus, dass es "zeitnah" zu einer Preiserhöhung bei Milch und Butter kommt, berichteten die "Oberösterreichischen Nachrichten" ("OÖN", Dienstagsausgabe). Man sei "in intensiven Diskussionen" mit dem Handel. "Es ist eine brutale Entwicklung, die ich in meinen 19 Jahren in der Branche noch nicht gesehen habe", so Braunshofer über die Preisentwicklung bei Kunststoff- und Kartonverpackungen. Die Paketflut wegen des zunehmenden Onlinehandels sei dafür verantwortlich, berichtete er den "OÖN" ähnlich wie Petschar der APA von Gesprächen mit Produzenten. "Corona hat zu massiven Verwerfungen geführt. Es gab Tage, an denen wir ganz knapp an einer Nichtlieferfähigkeit vorbeigeschrammt sind", so Braunshofer.

Nun drohen wieder einmal Proteste von Milchbauern, um höhere Preise vom Handel durchzusetzen. Das ist zu vernehmen, wenn man sich in der Branche umhört. "Die Vorbereitungen laufen", sagte ein Kenner der APA. In den schon länger andauernden Verhandlungen habe man bisher nämlich aufgrund einer "Preisschlacht unter den verschiedene Ketten" auf Granit gebissen. Um wieder einen fairen Preis für Molkereien und Bauern sicherzustellen, müsse ein Liter Milch im Handel wohl um 10 Cent mehr kosten, sagte ein Insider.

Der Lebensmittelhandel in Österreich ist stark konzentriert. Spar, Rewe (Billa, Billa Plus, Penny, Adeg) und Hofer kommen zusammen auf einen Marktanteil von fast 90 Prozent.