Fotograf Pascal Violo ist zurück aus Flüchtlingslager. Im September initiierte Pascal Violo die „Karawane der Menschlichkeit“, nun ist der Güssinger Fotograf mit vielen Eindrücken zurück.

Von Dorothea Müllner-Frühwirth. Erstellt am 26. November 2020 (04:45)

Die Bilder aus dem Flüchtlingslager in Moria ließen Pascal Violo nicht los, er beschloss, zu helfen. Ein unglaubliches Echo stellte sich nach seinem Aufruf zu spenden ein. Mitte Oktober setzte sich die „Karawane der Menschlichkeit“ in Bewegung. Mit einem 40 Tonnen-Lkw und drei Minibussen trat Violo mit einigen Helfern die Reise nach Lesbos an. „In den fünf Wochen bis zur Abfahrt hat die Karawane der Menschlichkeit 12.000 Kilogramm Sachspenden erhalten.

Diese wurden in Güssing von zahlreichen HelferInnen in unendlich vielen Stunden sortiert und in mehr als 500 Bananenkisten verpackt. Die Hilfsgüter wurden dann von Güssing nach Villach transportiert, wo bereits weitere 500 Bananenkisten warteten“, erzählt der Fotograf.

Trotz der angespannten Corona-Situation lief die Reise planmäßig ab: „Die Fahrt über Italien und dann mit der Fähre nach Griechenland verlief eigentlich problemlos. Auf der Fähre gab es selbstverständlich strenge Corona-Maßnahmen aber auch sehr wenige Gäste, dadurch gab es keinerlei Probleme und es verlief alles wie geplant“, freut sich Pascal Violo über den reibungslosen Ablauf. Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Griechen Nikos Katsouris von „Home for all“, der in den letzten 5 Jahren über eine Million Mahlzeiten an die Kranken und besonders Bedürftigen ausgegeben hat und auf Lesbos sehr gute Kontakte hat, konnte das Güssinger Hilfs-Team täglich ins Lager und hat einen Großteil der Sachspenden direkt an die Menschen verteilt.

„Die Geldspenden haben wir auch zu einem gewissen Teil dafür verwendet, gemeinsam mit Nikos Essen einzukaufen ,um es dann direkt an die Menschen im Lager zu verteilen“, erzählt der engagierte Fotograf.

Schockiert von den Bedingungen

Die Situation in den Lagern beschreibt er als katastrophal: „Die Menschen bekommen nur eine Mahlzeit pro Tag und es gibt nur sehr wenige Klos und Duschen. Bis zu zehn Menschen müssen sich ein Zelt teilen, das außerdem nicht beheizbar ist. Auch in Griechenland hat es im Jänner/Februar Minusgrade. Ohne den zusätzlichen Mahlzeiten, die Nikos täglich an rund 1.000 Kranke, Schwangere und besonders Bedürftige verteilt, wäre die Situation für diese Menschen noch schwieriger.“ Die Karawane hat von einem Teil der Spendengelder 6.000 Stück Seifen mitgebracht und verteilt, aber : „Es herrscht allgemein eher ein Mangel an Hygienemöglichkeiten.“

Der Besuch in dem Lager hat bei allen Helfern einen tiefen Eindruck hinterlassen. Besonders schockiert waren sie von den Bedingungen, die dort herrschen. „Im Lager werden die Menschen mit einer Mahlzeit pro Tag und schlechten hygienischen Bedingungen quasi gerade so am Leben gehalten.

Währenddessen werden gut funktionierende Projekte wie das Kinderheim Pikpa, wo 120 unbegleitete Minderjährige unter sehr menschenwürdigen Bedingungen Schutz gefunden haben, von der Polizei gewaltsam geräumt. Das ist während unseres Aufenthaltes am 30. Oktober geschehen“, erzählt Violo.

Karawane geht weiter: Pläne für die Zukunft

Das Spendenkonto bleibt weiterhin geöffnet. Das Geld wird weiterhin zu einem Teil an Nikos Katsouris von „Home for all“ weitergeleitet, der damit weiteres Essen für die Menschen im Lager kaufen kann.

Ein Teil der Spenden wird auch für ein Folgeprojekt verwendet werden: „Wir planen schon ein Folgeprojekt und werden nach dem Lockdown Hilfsgüter in Flüchtlingslager in Bosnien und Italien bringen“, lässt sich der Fotograf auch durch die widrigsten Bedingungen von seinem Ziel, den Flüchtlingen ein Stück Menschlichkeit zurückzugeben, nicht abbringen.

Spenden sind nach wie vor möglich, Spendenkonto: Karawane der Menschlichkeit, IBAN: AT14 3302 7000 0002 3408, BIC: RLBBAT2E027. Weitere Infos zum Hilfsprojekt: www.facebook.com/karawanedermenschlichkeit.