Der Fisch am Tisch: Regional und frisch!. Billiger Fisch aus dem Handel aus überfischten und (mikro)plastik-verseuchten Meeren: Muss nicht sein!

Von Silke Katschner. Erstellt am 14. Mai 2021 (05:51)

Laut WWF Österreich ist jeder zehnte Mensch weltweit auf Fisch angewiesen, da diese Quelle tierischen Proteins vor allem in Entwicklungsländern eine leistbare Option darstellt – somit also eine wichtige Nahrungsquelle für immerhin mehr als drei Milliarden Menschen. Oft nicht nur Ernährungs-, sondern auch Einkommensgrundlage, sichern sich etwa zwölf Prozent der Weltbevölkerung ihren Lebensunterhalt in der Fischerei und dem Betreiben von Aquakulturen. Dass diese intensive Entwicklung und die enorme Nachfrage seit vielen Jahren den Raubbau der Meere fördert, ist keine Neuigkeit: Bereits 2006 wurde davor gewarnt, die Meere bei Fortführung der maßlosen Fischerei leer zu fischen. Heute, 2021, wird der Appell immer lauter und eindringlicher. In europäischen Gewässern ist die Situation besonders schlimm. 62,2 Prozent der Bestände werden bereits als überfischt klassifiziert. Als wäre das nicht genug, machen zusätzlich etwa 30 bis 50 Prozent des Plastikanteils im Meer sogenannte „Geisternetze“ aus – herrenlose Plastik-Fischernetze, die von Booten achtlos entsorgt werden oder verloren gehen.

„Geisternetze“ sorgen für Mikroplastik im Meer

Diese Netze treiben und fischen endlos weiter. Tiere verheddern sich und sterben; oder die Netze werden langsam am Meeresgrund zerrieben. Diese Plastiknetz-Partikel nehmen sich im Meer befindliche Schadstoffe auf, Fische fressen die Partikel und dieser plastik-verseuchte Fisch landet auf unseren Tellern. Doch wie kann man einen Beitrag zum Schutz der Meere und deren Bewohner leisten, wenn der völlige Verzicht auf Fisch persönlich keine Option ist? Stichwort: Nachhaltigkeit. Wie so oft liegt (oder eher schwimmt!) das Gute so nah.

Fischzüchter der Region liefern beste Qualität

„Authentisch sein, gute Mundpropaganda und ein hochwertiges, zufriedenstellendes Produkt liefern; so macht man auf regionalen Fisch aufmerksam.“

Stefan Schneller

Zu Besuch bei Stefan Schneller in Güssing, dem Geschäftsführer der Teichwirtschaft Hoffmann, wird schnell klar, wie nachhaltige Fischzucht funktionieren kann – bereits seit 100 Jahren. Stefan Schneller umreißt kurz die Hardfacts der Teichwirtschaft, denn die authentische Fischerkluft dient nicht nur dem Portrait, sondern hält ihn auch Minuten später beim Umlagern der Fische trocken im Becken. „Wir betreiben hier eine klassische Karpfenwirtschaft mit Nebenfischen wie Zander, Wels, Amur und Forellenbarsch. Der Speisefischverkauf findet jeden Freitag von November bis Ostern statt, die sind dann küchenfertig vorbereitet. Das Angebot wird gut angenommen, die Speisefischproduktion läuft passabel.

Die Teichwirtschaft, die auch Ramsar-Gebiet ist, wird extensiv geführt, das bedeutet wir produzieren naturnah. Da isst man den Fisch dann gleich viel lieber. Die Raubfische jagen ihr Futter im Teich selbst und auch sonst gibt’s kein Zusatzfutter; die Karpfen bekommen neben der Naturnahrung als Beifutter regionales Getreide, das mit dem Hänger zu uns kommt. Und das Beste: unsere Fische können sich auf 65 Hektar Wasserfläche frei bewegen“, erzählt der Experte in Sachen Fischbelangen.

Die ohnehin empfindlichen Tiere wie der Zander unterschreiten nicht das Alter von drei bis vier Jahren, bevor sie unters Schnellers Messer kommen; in Zuchtanlagen wird der Fisch innerhalb von zehn Monaten raufgefüttert und geschlachtet. Und wie präventiv gegen Fischkrankheiten vorgegangen wird, fasst Rudolf Hoffmann kurz und prägnant zusammen: „Wir haben einen relativ dünnen Besatz, der sonst zu 70 Prozent der Grund für Krankheiten ist – je mehr Fische im Teich, desto anfälliger sind sie für Krankheiten. Stress ist natürlich auch ganz schlecht für die Tiere.“

Knallfrische Fische von Züchter Günter Michael

Der Eltendorfer Fischzüchter Günter Michael betreibt seine Anlage schon gut zwölf Jahre. Sein Vater hat damals mit einem Hausteich angefangen; den gelernten Textilingenieur zog es Ende der 80er Jahre für drei Jahre nach Kapstadt, danach vergingen auch einige Jahre, bevor er schließlich zur Fischzucht fand.

„Die Fische kommen als sehr kleine Fische zu mir, man kann nicht alles selber machen. Jeder Fisch brütet nämlich zu einer anderen Zeit und in anderem Wasser. Und wenn dann einer einen Zander um 18 Euro im Restaurant anbietet, kann der Fisch einfach nicht aus Österreich sein, denn das ist schon fast der Einkaufspreis. Ich arbeite mit dem Unternehmen ‚Kulmer Fisch‘ zusammen.

Meine Fische gehen von dort nach Bestellung an die Hotels. Alles ist knallfrisch, einen Tag vorher wird erst geschlachtet. Ich beliefere sehr viele Thermen im Burgenland – eigentlich das gesamte Burgenland und die Südost-Steiermark. Bei den Hotels merkt man mittlerweile ganz stark, dass diese schauen, wo der Fisch herkommt. Und Mikroplastik? Sowas kann hier gar nicht passieren, das ist alles Flusswasser“, erzählt Günter Michael.

In seiner Zucht finden sich der weiße Wels, Amur, Karpfen und Zander. Welche Predatoren des Fischers Feind sind, stellt sich gleich heraus. Michael: „Ich habe lieber 100 Fischreiher, als nur einen Fischotter. Die zerfetzen die Fische zum Teil und lassen sie liegen. Seit heuer gibt es auch einen Biber, aber der wirft nur Holz in die Teiche, um es aufzuweichen. Mit dem habe ich kein Problem.“