Überleben in der Wildnis mit Naturpark-Ranger Ernst. Feuermachen und Ledergerben kann man bei Wildnis-Trainer und Naturpark-Ranger Alexander Ernst im Mamuz lernen.

Von Gaby Schätzle-Edelbauer und NÖN Sonderjournal-Redaktion. Erstellt am 12. Mai 2021 (15:08)
Ein Jahr lang war Alexander Ernst (www.wildnisleben.at) in einem Survial-Camp in Wisconsin, USA.
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Man nehme: einen Bogen, eine Spindel, ein Brett, einen Handgriff – und das entsprechende Know-how beziehungsweise ein bisschen Übung – und schon raucht es! Feuer machen ohne Streichhölzer und ohne Feuerzeug. Natur- und Wildnis-Trainer Alexander Ernst weiß, wie es geht, und er vermittelt sein Wissen regelmäßig im Urgeschichte-Museum Mamuz in Asparn/ Zaya. Er weiß aber noch mehr: wie man Felle gerbt, wie man in der Natur Nahrung findet und wie man in der Wildnis überlebt.

Ein Jahr in der Wildnis gelebt

Gelernt hat er das alles in einem einjährigen Survival-Camp in Wisconsin, USA. Der einzige „Luxus“, der im fallweise minus 25 Grad kalten Winter dort erlaubt war: ein guter Schlafsack! Ansonsten durfte man nur mitnehmen, was in der Packliste angeführt war. 42 Personen, darunter 18 Kinder (das jüngste zweieinhalb Jahre alt), nahmen teil, lebten in Wigwams, Hütten, den traditionellen Behausungen der Ojibwa-Indianer nachgebaut. Als Werkzeuge waren nur ein Messer, ein Tomahawk und ein Crooked-Knife (zum Aushöhlen von Schüsseln etc.) vorhanden.

Alexander Ernst beim Feuermachen
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Zu essen gab es, was in der Jahreszeit in der Natur zu finden war: Nüsse, Früchte, Wurzelgemüse, ein handtellergroßes Stück Fleisch und Fett zum Auslassen. „Es war schon eine Umstellung, aber ich habe mich körperlich damit sehr wohl gefühlt. Man muss natürlich auch lernen, mit dem Gefühl des Hungers umzugehen, die Verteilung des Essens war im Prinzip den ganzen Tag lang Gesprächsthema“, erzählt Ernst über diese „Paläodiät“. „Einige, die vorher vegan oder vegetarisch gelebt hatten, mussten dieses Konzept komplett aufgeben. Einen Winter in der Wildnis überlebt man nicht ohne Fleisch.“ Man gewöhne sich daran, kein WC-Papier und keine Toilette in unserem Sinn zu haben. Eine kleine Grube und das reichlich vorhandene Moos leisteten hier gute Dienste ...

Wenn es wirklich nötig war, nahm man zwar medizinische Hilfe im Krankenhaus in Anspruch, aber kleinere Wunden wurden vor Ort behandelt, dabei erwies sich Harz als steriles und ziehendes Heilmittel als sehr hilfreich.

Bauer, Wildnis-Trainer und Naturpark-Ranger

Zu den großen Herausforderungen zählte zweifellos der Umgang mit dem eigenen Ich: „Man muss lernen, das eigene Ego hintanzustellen, denn nur in der Gruppe ist man überlebensfähig. Das war für die meisten die allergrößte Herausforderung. Man muss sich mit sich selbst auseinandersetzen, mit den eigenen Ängsten, hat keine Möglichkeit, sich zu entfernen oder zu zerstreuen. Aber es bildete sich dann eine Art Clanstruktur, wo jeder gehört wurde, wo darauf geachtet wurde, dass jeder hat, was er braucht.“ Eine Technik, mit seinen Ängsten umzugehen, ist das sogenannte „Truth speaking“: „Man muss eingelernte Pattern verlassen und sich wieder seiner eigenen Wahrheit stellen.“ Erstaunlich gut kamen die Kinder mit der Situation zurecht, findet Ernst: „Wichtig ist es in so einer Situation, im Hier und Jetzt zu sein, und das können Kinder.“

Die Rückkehr aus diesem entschleunigten und sehr achtsamen Leben erlebte er zwiespältig: „Natürlich war es wunderbar, Freunde und Familie wiederzusehen, die erste Dusche zu nehmen, wieder alles essen zu können, wieder in einem richtigen Bett zu schlafen. Aber diese tiefgreifende Erfahrung verändert das Leben doch sehr, und seit ich 2013 zurückgekommen bin, habe ich mich noch immer nicht so richtig an das Leben hier gewöhnt.“ Die Sehnsucht nach der Wildnis ist geblieben und Ernst plant eine Rückkehr in die USA, dieses Mal mit Frau und Kindern.

In seinem ursprünglichen Beruf wollte der gelernte Banker nicht mehr arbeiten. Jetzt ist er Bauer, Wildnis-Trainer und Naturpark-Ranger. Im Mamuz gestaltet er verschiedene Kurse wie Feuermachen, Ledergerben und Behältnisse-aus-Rohhaut-Anfertigen. Im Sommer bietet er zudem Wochencamps für Kinder an. Dabei lernen sie mit der Natur zu leben, zu schnitzen, sich unbemerkt im Wald zu bewegen.

Den ganzen Jahreszyklus durchlebt die „Wolfsbande“, die sich zehn Mal im Jahr draußen trifft und lernt, welche Pflanzen wann essbar sind, welche Vogelstimme gerade zu hören ist und auf welche Tierspuren man stößt. Auch Erwachsene suchen das Abenteuer Wildnis. Oft kommen sie aus dem IT-Bereich und wollen in einem 24-Stunden-Survival-Camp einmal etwas Neues ausprobieren. „Aber wenn man 24 Stunden nur das zu essen bekommt, was man selbst im Wald findet, dann fällt das nicht jedem leicht“, weiß Ernst. Derzeit freut er sich auf die beginnende Saison im Mamuz, unter anderem auf das „Aktivwochenende“, bei dem er Teilnehmer wieder mit dem Leben in der Wildnis vertraut machen wird.

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