Mega-Solarpark spaltet Gemeinden. Energie Burgenland will in Hornstein und Wimpassing 120 Hektar-PV-Anlage bauen; Kritik von Grünen und Gemeinden.

Von Peter Wagentristl, Markus Kaiser und Sigrid Janisch. Erstellt am 13. Mai 2021 (05:55)
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Energie Burgenland will eine Photovoltaik-Anlage auf einem Feld zwischen Hornstein und Wimpassing errichten. Die Größe von 120 Hektar aber spaltet die Gemüter.

Die große Herausforderung sei für die Energie Burgenland der zu erwartende steigende Strombedarf auch aus Photovoltaik – also aus der zweiten „sauberen“, regionalen Energieform. „Aktuell sind wir in Gesprächen mit vielen Interessenten: Sowohl für Dach- als auch für Flächen-Photovoltaik. Wir werden hier beide Wege und die Einbindung der Bürger, der NGOs und aller Beteiligten brauchen“, heißt es dazu aus der Konzernzentrale.

Zu den konkreten Standorten wollte man von Seiten der Energie Burgenland keinen Kommentar abgeben. Etwas deutlicher wurden da schon die Grünen: „Das sind hunderte Hektar weniger für regional produzierte Lebensmittel, die wir dann importieren müssen. Der Import erhöht den CO2-Fußabdruck und kostet außerdem heimische Arbeitsplätze in der Landwirtschaft“, erklärt der Grüne Energiesprecher Wolfgang Spitzmüller und fordert: „Dach- vor Freifläche“.

Denn: „Die Energie Burgenland muss sich weniger an Konzerninteressen orientieren, sondern ihre Schlüsselrolle als Landesenergieversorger mit Verantwortung wahrnehmen.“ Spitzmüller brachte dazu auch einen Antrag im Burgenländischen Landtag ein, der aber keine Mehrheit fand. Inhaltlich ähnlich sieht das Hornsteins Bürgermeister Christoph Wolf (ÖVP).

Hornstein: Wolf gegen Umwidmung

Die projektierte Anlage sei fast zehnmal so groß wie die aktuell größte Photovoltaikanlage in Österreich. Diese soll „auf wertvollem Ackerland entstehen, beeinträchtigt den Wildwechsel und verändert nachhaltig das Landschaftsbild in enormen Ausmaß“, so die Kritik des Ortschefs. Zudem werde der Strom zum überwiegenden Anteil nicht an die Hornsteiner Haushalte fließen, die Einnahmen für die Gemeinde von 350 Euro pro Hektar zudem „sehr gering“.

Wolf betont, dass man in Hornstein schon seit Jahren auf PV-Anlagen auf Dachflächen der Gemeindegebäude setze und so auf 1.100 Quadratmetern Strom produziert. Ein Weg, den er andernorts vorschlägt: „Sinnvoller ist es, zuerst vorhandene Dachflächen zu nutzen, bevor man mit dem Zupflastern von wertvollem Boden startet.“

Am Zug sind nun jedenfalls die Gemeinden. Im Falle von Hornstein will Wolf noch den Gemeinderat mit dem Thema beschäftigen, er setzt sich allerdings für eine Absage an das Projekt ein. Die Mittel dazu haben die Gemeinden: Sie müssen die für die Errichtung notwendigen Umwidmung nämlich nicht umsetzen.

Energie Burgenland kann einen Umwidmungsantrag an die Gemeinde stellen. Diese muss ihn allerdings nicht genehmigen und beim Land einreichen, sondern kann ihn auch versagen. Umwidmungen müssen vom Land genehmigt werden, umgekehrt kann das Land aber nicht eigenständig Umwidmungen vornehmen.

Wimpassing: noch wird verhandelt

Wimpassings Bürgermeister Ernst Edelmann (SPÖ) – auf „seinem“ Gemeindehotter liegt der größere Teil der diskutierten Fläche – hält sich vorerst bedeckt. Es gab zwar Vorgespräche mit der Energie Burgenland, wie diese zu beurteilen seien, müsse aber erst im Gemeinderat diskutiert werden.

Esterhazy: Nicht auf unserem Grund

Alle PV-Projekte im Bezirk liegen teilweise auf Flächen der Stiftung Esterhazy, was laut Landes-Raumplanung Zufall ist, man schaue ausschließlich auf Anschlussmöglichkeiten, nicht Eigentümer. Esterhazy sieht sich auf BVZ-Nachfrage als „Unterstützer im Bereich erneuerbarer Energien seit jeher“. „Seit vielen Jahren laufen daher mit verschiedenen potentiellen Betreibern, so auch der Energie Burgenland, Gespräche zum verstärkten Einsatz von Biomasse und Ausbau im Bereich Wind und Photovoltaik“, heißt es von einer Unternehmenssprecherin. Im Fall Hornstein/Wimpassing gebe es aber keine derartigen Vereinbarungen. Die angefragte Fläche sei an einen Landwirt verpachtet und werde von diesem derzeit auch konventionell bewirtschaftet.

Insgesamt also ein holpriger Start in die Energie-Zukunft.

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