Burgenland: Tourismus im Umbruch. Startschuss für die drei zentralen Tourismusverbände: Im Hintergrund geht‘s auch um Partei- und Gemeinde-Interessen.

Von Wolfgang Millendorfer. Erstellt am 15. April 2021 (05:45)
Neue Strukturen. Als Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (l.) Didi Tunkel im Vorjahr als neuen Tourismus-Chef präsentierte, war die Reduktion der Verbände schon geplant. Vor allem rund um den Neusiedler See sind die
Tourismus-Gemeinden in Aufruhr.  
BVZ/Landesmedienservice

Geht es nach den Verantwortlichen im Burgenland Tourismus, so wird man früheren Strukturen in Zukunft kaum noch Tränen nachweinen. Schon heute muten die einstigen 124 örtlichen und sechs regionalen Tourismusverbände für ein kleines Land zugegebenermaßen viel an. Ob es sich nach dem Verschwinden der 15 Regionalverbände, die noch unter Rot-Blau formiert wurden, künftig ähnlich verhält, wird die Zeit zeigen.

Fest steht, dass auch sie bis zum Sommer Geschichte sein werden: Ihre Nachfolger – die drei Verbände Nord, Mitte und Süd – werden dieser Tage gegründet. Jeweils 36 Delegierte wurden nach einem komplexen System in die drei Vollversammlungen entsandt (siehe rechts).

Die größeren Player – viele Gemeinden um den Neusiedler See oder Thermen-Standorte – konnten Bürgermeister und Gemeinderäte delegieren, andere durften nur Personen mit zumindest fünfjähriger Erfahrung im Tourismus aufstellen. Mitunter eine gar nicht so leichte Aufgabe, wie man aus den Reihen der Parteien hört. Die Mehrheit in allen Versammlungen hält entsprechend der Stärke bei der Landtagswahl die SPÖ. Auch der Vorsitzende steht mit Tourismus-Geschäftsführer Didi Tunkel fest. Gewählt werden fünf weitere Vorstandsmitglieder. Die drei Geschäftsführer werden per Ausschreibung gesucht.

„Findige“ Gemeinden gründen eigene Vereine

Partei-Debatten werden wohl auch in den Verbänden nicht ausbleiben, im Landtag hat das Tourismusgesetz, wie berichtet, bekanntlich mehrfach für Auseinandersetzungen gesorgt.

Während die Opposition befürchtet, Eigenständigkeit und Finanzen der Regionen und Gemeinden könnten auf der Strecke bleiben, betont Tourismus-Chef Tunkel die Vorteile: „Genau das brauchen wir für die Größenordnung unseres Landes – keinen aufgeblähten Apparat und kein Inseldenken, sondern größere Einheiten, die uns effiziente Verwaltung und gezieltes Marketing ermöglichen.“ Vor Ort werde sich nichts ändern. so Tunkel. Auch Landeschef Hans Peter Doskozil sieht die Bündelung der Kräfte als „wichtigen Modernisierungsschritt“.

Dass sich die Strukturen damit grundlegend ändern, ist kein Geheimnis. Ein Murren hört man aus Gemeinden, die künftig einer anderen Region zugeordnet werden – Teile des Eisenstädter Bezirks etwa zählen künftig zur Region Mittelburgenland-Rosalia. Rund um den Neusiedler See wiederum fürchten Zugpferde wie Podersdorf oder die Bezirkshauptstadt auch um Einnahmen. Tunkel beruhigt insofern, dass die Ortstaxe zu 20 Prozent an die Gemeinden gehe und Beteiligungen, etwa an Infrastruktur-GmbHs, bis 30. Juni übernommen werden können. Der Rest – Guthaben und Verbindlichkeiten – geht in die Verbände, 80 Prozent der Ortstaxe an den Burgenland Tourismus und von dort in die drei Regionen. Dass Eisenstadt den Tourismus auf eigene Faust managen will und sich in Illmitz oder Mörbisch indes eigene Vereine gründen, wird seitens des Landes-Tourismus zur Kenntnis genommen, begeistert ist man aber nicht.