Kocher: Homeoffice-Regeln für Remote-Arbeit erweitern. Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) hat sich für eine Erweiterung des erst vor kurzem beschlossenen Homeoffice-Gesetzes ausgesprochen.

Von APA / BVZ.at. Erstellt am 17. Mai 2021 (12:55)
Arbeitsminister Martin Kocher
APA (Archiv/Fohringer)

Derzeit müsse man für Homeoffice in einer Wohnung arbeiten, eigentlich sollte auch das Arbeiten von unterwegs, also Remote-Arbeit, geregelt werden, sagte Kocher Montagfrüh bei einer Online-Diskussion von Magenta Telekom. Probleme gebe es derzeit auch, wenn jemand vom Ausland aus Homeoffice machen wolle.

Vielleicht könne Österreich mit den Nachbarländern hier bilaterale Regelungen treffen, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Homeoffice aus dem Ausland zu ermöglichen, meinte Kocher. Er wolle sich das im Laufe des zweiten Halbjahres oder Anfang nächsten Jahres genauer anschauen. Denn Sozialversicherung und Steuer hängen derzeit zusammen mit der Ansässigkeit. Vonseiten des Magenta-Managements hieß es, dass dies durchaus ein Problem sei, etwa für slowakische Beschäftigte des Konzerns, die nicht ins Homeoffice dürften.

Dass Homeoffice auch nach der Corona-Pandemie bleiben werde, allerdings in abgespeckter Form, davon waren sowohl Kocher als auch die Magenta-Manager überzeugt. "Es wird bleiben, ein, zwei, drei Tage pro Woche im Homeoffice zu arbeiten", erwartet Kocher. Magenta-CEO Andreas Bierwirth verwies auf die weitergehenden Folgen, so werde der Büromarkt nicht mehr so florieren. "Die Menschen wollen lieber in Mattersburg bleiben, von dort arbeiten und von günstigeren Mieten profitieren," sagte er. Bei Magenta werde man Büroetagen abbauen und habe das Dienstreisenbudget für die nächsten fünf Jahre halbiert, weil Konferenzen über Video oft einfacher, ökonomischer und umweltmäßig gesehen besser seien.

Früher als eine neue Regelung fürs Homeoffice steht die Reform der Kurzarbeit auf der Agenda. Die nächste Phase der Corona-Kurzarbeit ab 1. Juli werde auf jeden Fall eine Verlängerung bringen, das sei wichtig gerade für die stark betroffenen Branchen wie Luftfahrt, Veranstaltungsbereich oder Nachtgastronomie, so Kocher. Aber die Regelung könne nicht branchenspezifisch sein, denn dann würde sie unter das EU-Beihilfenrecht fallen, sondern müsse allgemeine Kriterien enthalten, die für alle Branchen gelten. Dabei werde es schwierig, eine Balance zu finden: Etwa im Tourismus müsse man verhindern, Mitarbeiter in Kurzarbeit in der - weniger ausgelasteten - Stadthotellerie zu halten, wenn es dann zu einem Mitarbeiter-Mangel in der Freizeithotellerie komme.

Auch der Fachkräftemangel war Thema der als "Digital T-Breakfast" veranstalteten Online-Diskussion. Laut Kocher droht Österreich durch die demographische Entwicklung ein anhaltender Fachkräftemangel, der die wirtschaftliche Entwicklung in der Zeit von 2025 bis 2030 bremsen könnte. Denn in den nächsten Jahren werden große Gruppen den Arbeitsmarkt Richtung Pension verlassen, und es gebe weniger Jüngere, die die entstehenden Lücken füllen könnten. Da müsse man gegensteuern, einerseits in der Bildung und Weiterbildung von Fachkräften, aber auch indem man Ältere länger im Arbeitsprozess integriere und mehr Frauen von Teilzeit auf längere Arbeitszeiten aufstocken.

Angesprochen wurde auch die Debatte um das Arbeitslosengeld. Kocher will im zweiten Halbjahr mit allen Beteiligten über das System reden. Im österreichischen System fallen Arbeitslose am Anfang "relativ stark" auf 55 Prozent Nettoersatzrate, "das ist relativ wenig im Vergleich zu anderen Staaten, aber dann bleibt man lange auf diesem Niveau", erläuterte der Minister. Er wolle sich anschauen, ob man ein besser funktionierendes System schaffen könne. Dabei müsse man berücksichtigen, dass es Gruppen gebe, die es extrem schwer hätten Arbeit zu finden, weil sie zusätzliche Probleme haben, etwa gesundheitliche Schwierigkeiten, weil sie schon älter seien oder weil sie Betreuungspflichten hätten. "Da macht eine Reduktion des Arbeitslosengeldes nicht viel aus, außer dass es ihnen das Leben noch schwerer macht."

Dann gebe es aber auch Gruppen, die zum Arbeitslosengeld etwas dazuverdienen können und arbeitslos bleiben. Wenn das Jobangebot so unattraktiv sei, dass der Bezug des Arbeitslosengelds attraktiver sei, "dann sind das vielleicht Jobs, die man großflächig nicht in Österreich braucht", so Kocher. Es gebe auch Bereiche, wo es praktisch keine offenen Stellen gebe, da müsse es eine soziale Absicherung geben. Dann gebe es Bereiche mit vielen offenen Stellen, und da müsse man dann nach den Gründen schauen. Das Programm "Sprungbrett" soll ab Juli mit Qualifizierungen und Betreuungen Langzeitarbeitslose in Jobs in Unternehmen vermitteln, die Löhne können zu 50 Prozent für 12 Monate gefördert werden - je nach Bedarf sei eine Staffelung der Förderung möglich.