In der Fußball-Frühzeit. Burgenlands Verband wurde 1923 gegründet, zersplitterte in der Folge und existiert in der heutigen Form seit 1945. Einige Probleme von damals haben sich bis jetzt gehalten.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 12. März 2021 (14:24)

Zwei Jahre nach Burgenlands Gründung erlebte im Jahr 1923 hierzulande auch der organisierte Fußballsport seine Geburt. Ab 1907 wurden bereits erste Vereine und fußballerische Tätigkeiten ins Leben gerufen, noch aber keine organisatorische Führung. Als jüngster der neun österreichischen Landesverbände startete dann der damalige Landesfußballverband Burgenland mit seinem ersten Präsidenten Josef Cekal eben im Sommer 1923 durch. Auch wenn es noch dauern sollte, ehe der Burgenländische Fußballverband als BFV in seiner aktuellen Form im Oktober 1945 nach dem Ende des 2. Weltkriegs die Fußballklubs unter ein gemeinsames Dach vereinte.

Da gab’s von 1926 bis 1934 mit der Vereinigung der Arbeiterfußballvereine Österreichs (VAFÖ) einen parallel tätigen Verband, ehe dann beim Landesverband eine Aufteilung in Nord und Süd erfolgte.

Spätestens seit der Wiedergründung 1945 unter dem damaligen Präsidenten Otto Willomitzer aber besteht das Grobkonstrukt des BFV so, wie wir es nach wie vor kennen. Auch wenn das Fußballspiel entsprechend den damaligen Verhältnissen in der Praxis doch anders abgelaufen ist, wie Franz Just in seinem 1970 erschienenen Buch „Der Fußballsport im Burgenland“ anhand der zusammengetragenen Aufzeichnungen schildert: So waren einheitliche Dressen Luxus oder musste die Kampfmannschaft nach dem Vorspiel oft die verschwitzten Trikots und Schuhe der „Revue“ übernehmen.

Auch das Spielgerät an sich war kostbar. Mehr als ein vorhandener Ball glich oft Luxus, gleichzeitig musste die Kugel manchmal gar zweimal pro Spiel repariert werden. Kleben, Leder verschnüren und neue Luft reinpumpen – solche Zwangspausen gibt es mittlerweile aufgrund der wesentlich besser entwickelten Infrastruktur und Ausrüstungsmöglichkeiten freilich nicht mehr.

Wer übrigens glaubt, in der Vergangenheit waren die Vereine stets glücklich und zufrieden mit ihrem BFV, irrt. Beispiel 1949, als die Verbandsspitze im Vorfeld der Hauptversammlung deutlichen Gegenwind spürte, dann allerdings nur ein Sturm im Wasserglas folgte. Lediglich 43 Vereinsvertreter waren erschienen, weshalb die kuriose Hauptversammlung nicht beschlussfähig war und eine Stunde später als außerordentliche Hauptversammlung stattfinden musste.
Kollektive Begeisterung seit den Anfangszeiten

Überhaupt lassen sich immer wieder gewisse Parallelen zur heutigen Zeit ziehen. Etwa, was einen Aufruf aus dem Jahr 1950 betrifft, als BFV-Plakate auf den Sportplätzen darauf hinwiesen, die Emotionen im Zaum zu behalten, sprich Drohungen und dergleichen zu unterlassen und Fairness walten zu lassen. Um das große Ganze nicht zu gefährden. Ergo war unter anderem zu lesen: „Helfen wir alle zusammen und handeln wir, wie es sich für Sportler gehört. Wenn dies der Fall ist, werden wir alle mit uns selbst, mit der Mannschaft, mit dem Schiedsrichter, mit den Funktionären und nicht zuletzt mit dem Vereinsanhang zufrieden sein und der burgenländische Fußballsport wird in einer ruhigen Sportatmosphäre seine Mission erfüllen können.“

Damals wie heute galt es wohl auch, die Balance zwischen der Liebe für den Fußball und dem Überkochen von Emotionen zu finden. Kein Wunder: Fußball mag sich in all den Jahren weiterentwickelt haben, die Begeisterung für diesen Sport war aber schon vor rund 100 Jahren ungebrochen. Und schuf somit die Basis für den größten Sportfachverband des Burgenlands. Das ist der BFV mit 160 Vereinen im Erwachsenenbereich sowie 370 Teams im Nachwuchs natürlich nach wie vor.