Die Suche nach dem Wappen und der lange Weg zur Hymne. Schon die Suche nach dem Burgenland-Wappen war nach 1921 keine einfache. Die Hymne erklang dann erst 15 Jahre später.

Erstellt am 01. Juni 2021 (14:33)

„Rot-Gold flammt dir das Fahnentuch, Rot-Gold sind deine Farben …“ Was in der Landeshymne rhythmisch so perfekt passt, hätte mit Gold-Grün ebenso funktioniert, mit Grün-Rot gerade noch, nicht aber mit Silber-Schwarz. Denn auch diese Kombinationen waren anfangs als Landesfarben im Gespräch.

Die Suche danach verlief in den frühen 1920er-Jahren zum einen nach strengen bürokratischen Vorgaben, war – wie die Entscheidung für das Wappen und die spätere Entstehung der Landeshymne – aber vor allem auch vor dem politischen Hintergrund zu sehen. Denn: „Du bist gestählt in hartem Streit …“, wie es im Text der Hymne heißt.

Die überaus bewegte Vor- und Entstehungsgeschichte des Burgenlandes spiegelt sich in der Entstehung dieser „identitäts-stiftenden“ Elemente wider. So wurden die ersten Entwürfe des Wappens vom „Verein zur Erhaltung des Deutschtums in Ungarn“ aus dem Jahr 1919 – also zwei Jahre vor der tatsächlichen Geburtsstunde des Landes – als zu sehr politisch gefärbt und zudem heraldisch nicht einwandfrei verworfen. Vielleicht griff man am Institut für Genealogie, Familienrecht und Wappenkunde in Wien nach Beauftragung durch die damals noch junge Landesregierung deshalb lieber auf eine in der Vergangenheit liegende Symbolik zurück.

Der Leiter des Instituts, Alfred Anthony von Siegenfeld – als damalige Koryphäe auf dem Gebiet –, nahm die Familienwappen zweier mittelalterlicher Adelsgeschlechter als Grundlage für das neue burgenländische Wappen (siehe rechts oben).

Als gänzlich unpolitisch galt auch diese Symbolik nicht, konnte man aus der Geschichte doch eine pro-österreichische Haltung ableiten. Schließlich hatte es die Herauslösung aus dem ungarischen Staatenverband nach dem Ersten Weltkrieg notwendig gemacht, für das neu „erfundene“ Bundesland auch neue Landes-Symbole erfinden zu müssen. Rein formal wurden die Landes-Symbole und die Farben Rot-Gold erst mit einem Gesetzesbeschluss von 1990 endgültig geregelt.

Die Landeshymne zur Zeit des Ständestaates

In eine politisch brisante Epoche fiel auch die Entstehung der Landeshymne: In der Zeit des Austrofaschismus kamen angesichts der historisch bedingten Eigenständigkeit der Bundesländer zunehmend eigene Landeshymnen als Identifikationsfaktoren auf. Das Burgenland war zunächst ohne eigene Hymne geblieben – was 1935 mit einem Wettbewerb „behoben“ werden sollte. Als damalige Einheitspartei rief die Vaterländische Front zur Komposition einer solchen Hymne auf. Die eigentlich inoffizielle Ausschreibung der Partei führte streng genommen nur aufgrund der damaligen autoritären Verhältnisse zu einem Beschluss durch die Landesregierung. Ebenso politisch motiviert war beim Wettbewerb eine Hymne gefragt, die zum einen der „Freude und Stolz auf die burgenländische Heimat“ und zum anderen der „Verbundenheit mit dem großen österreichischen Vaterland“ Ausdruck verleihen sollte. Als Jury fungierten Kulturbeamte, hohe Funktionäre der Vaterländischen Front, Vertreter des Katholischen Schriftstellerverbandes oder Sachverständige für Volksliedpflege.

Einstimmig sah diese Jury die Vorgaben am treffendsten im Text von Ernst Görlich vereint: Der gebürtige Wiener, der im mittelburgenländischen Steinberg als Lehrer beschäftigt war, entschied den Wettbewerb unter 105 Einreichungen mit „Mein Heimatvolk, mein Heimatland“ eindeutig für sich und bekam als Prämie 100 Schilling.

„Ein burgenländischer Bauer als Komponist“

Für die „„künstlerisch wertvolle, leicht sangbare und volkstümliche“ Melodie, die in einer weiteren Ausschreibung gesucht worden war, sorgte dann der Pöttschinger Musiker und Komponist Peter Zauner – als Gründer der örtlichen Blasmusik und Kapellmeister damals schon ein überregional durchaus bekannter Name.

Die fünf bestgereihten Kompositionen wurden der Jury in einer Art Finale von Schülerchören dargebracht. Als Sieger unter insgesamt 283 Einreichungen wurde Zauner als „Mann aus dem Volke“, der „das Lied des Volkes“ geschaffen habe, gelobt: Als „burgenländischer Bauer“ sei er „wie keiner berufen, die Melodie zur burgenländischen Landeshymne zu schreiben“, hieß es im Mai 1936 in einem Bericht des „Burgenländischen Volksblattes“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die 1936 entstandene Landeshymne letztendlich im Jahr 1949 wieder eingeführt. Das Hochkommissariat der sowjetischen Besatzung hatte keine „mit demokratischen Grundsätzen unvereinbare Tendenz“ in ihr gesehen.