Crossover für City-Nomaden. In dritter Generation ist der Nissan Qashqai kaum gewachsen, hat dafür verfeinerte Talente und durchwegs elektrifizierte Antriebe.

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 27. Juli 2021 (09:26)
Der neue Qashqai
Der neue Qashqai ist sofort als Nissan erkennbar – und das ist gut so! Mit den schmalen LED-Scheinwerfern und der bumerangförmigen Tagfahrlichtsignatur ist der Blick jetzt aber etwas böser. 
Nissan

Einst waren wir alle Nomaden. Das blieb in unseren Genen stecken, wir sind ständig unterwegs. Mobilität ist unverzichtbar. Und ein entsprechendes (wichtiges) Fortbewegungsmittel: das Auto. Nicht umsonst hat Nissan den Qashqai nach einem persischen Nomadenstamm benannt. Hier bezieht sich das Umherziehen zwar eher auf urbane Bereiche, doch war mit der Premiere im Jahr 2007 das neue Nischensegment der SUV-Crossover begründet.

Die Fortsetzung folgte, mit dem ersten Modellwechsel von 2013, wobei er das siebensitzige Derivat abgelegt und an den Nächstgrößeren, den X-Trail, weitergereicht hat. So oder so ist der Qashqai quasi Nissans Cashcow – er ist in erster Linie in Europa das Schlüsselmodell. Von den bisher rund fünf Millionen abgesetzten Fahrzeugen wurden drei Millionen auf dem Alten Kontinent zugelassen. Österreichs Anteil daran: rund 45.700 Stück.

Das Werkzeug für die Erfolgsfortsetzung liefert Nissan jetzt, mit der dritten Generation des Qashqai. Das Basiskonzept wurde nicht angetastet, siehe Kompaktheit, er ist nur um 35 Millimeter gewachsen (auf 4.425 Millimeter). Trotzdem ist mehr Platz im Passagierraum: Der Radstand wurde von 2.630 auf 2.665 Millimeter verlängert. In den Kofferraum passen 436 bis 1.447 Liter (vorher: 410 bis 1.513 Liter).

„Die Neuauflage des Qashqai kombiniert geschärftes Design mit aufgewertetem Innenraum, neuen Technologien und elektrifizierten Antrieben …“ Elisabeth Schaljo, Pressesprecherin Nissan Österreich

Das Design, das ebenso wie die Entwicklung und die Produktion in England evolutioniert wurde, ist schärfer und akzentuierter, um nicht zu sagen modernisiert. Das inkludiert rundum LED-Leuchten. Das Interieur wurde gezielt aufgewertet. Aus dem bislang konventionell anmutenden Kombiinstrument ist ein 12,3 Zoll großes, konfigurierbares TFT-Display geworden. Sicht- bar ist der Höherwertigkeitsanspruch auch an einem optionalen Detail: dem Head- up-Display. Die Informationen werden nun in die Frontscheibe projiziert und nicht auf ein Plastikscheibchen.

Technisch wurde ebenso nachgelegt. Vor allem in Bezug auf die Plattform (CMF-C), aus der Technikallianz mit Renault stammend. Das ermöglicht unterschiedliche Antriebsarten. Wobei Diesel ohnehin keine Rolle mehr spielt, dafür Elektrisches. Das ist zum Start eine Stromassistenz. Der 1,3-Liter-Turbobenziner mit vier Zylindern ist mild hybridisiert, auf Basis eines Zwölf-Volt-Bordnetzes. Er hat entweder 140 PS, zusammengespannt mit einer manuellen Sechs-Gang-Schaltung, oder 158 PS, wahlweise mit manuellem oder CVT-Getriebe (X-Tronic) kombiniert.

Erstere Konfiguration liefert soliden Vortrieb. Auffallend ist die gute Geräuschdämmung, ebenso die nochmals verfeinerte Ergonomie. Munterer ans Werk geht klarerweise die 158-PS-Ausführung, ausprobiert mit der stufenlosen Automatik. Die agiert tatsächlich prompter und heult nur dann leise auf, wenn man sehr schnell möglichst viel Leistung abrufen will. Sportlichkeit darf man sich nur eingeschränkt erwarten. Das Fahrwerk ist auch im scharfen Fahrmodus auf der sehr komfortablen Seite angesiedelt. Die neu abgestimmte Lenkung entwickelt keinerlei Zackigkeit. Sporteln ist sowieso kein Stadtthema, und für die im August kommende Allradversion (geht stets mit 158 PS und CVT-Getriebe einher) ist diese Auslegung abseits des Asphalts vermutlich genau richtig.

Das Antriebs-Highlight steht noch aus: Das neue, eigenentwickelte Hybridsystem namens ePower wird zu Beginn des kommenden Jahres startklar sein. Hier arbeiten ein 1,5-Liter-Dreizylinderbenziner (154 PS) und ein Stromer (190 PS) zusammen. Eine spannende Sache: Die (Front-)Antriebsaufgabe kommt alleine dem Elektriker zu, der Verbrenner dient, als Generator, ausschließlich dem Energienachschub, er hat keinerlei Verbindung zu den Vorderrädern.

Die Erfolgsstory geht weiter!